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Empathievermögen ist teilweise angeboren

Empathievermögen ist teilweise angeboren

Die Welt der Psychologie ist dank den Forschern der University of Cambridge um eine Erkenntnis reicher. Im zentralen Mittelpunkt der Forschung standen das Empathievermögen und die Frage, inwiefern diese Fähigkeit auf die Gene eines Menschen zurückzuführen ist. In der Tat konnte die im Juni 2017 veröffentliche Studie genetische Unterschiede nachweisen, die zum Beispiel Aufschlüsse darüber geben, warum Frauen tendenziell besser dazu in der Lage sind, die Gefühle anderer zu identifizieren und diese einzuordnen, als dies bei Männern häufig der Fall ist. In der bisher größten Studie zum Thema Empathie wurden Augentests mit Erbgutanalysen kombiniert, um Rückschlüsse auf die kognitive Empathie der Probanden zu ermöglichen.

Der Ablauf der Empathie-Studie

Anhand eines Augentests waren die Testpersonen dazu aufgefordert, ihre Einschätzungen zum Gemütszustand der abgebildeten Personen abzugeben. Dazu bekamen sie Fotos von verschiedenen Augenpaaren gezeigt und mussten nun entscheiden, welches Augenpaar einen eher zufriedenen, dominanten, sympathischen oder misstrauischen Eindruck machte. Da besonders empathische Personen dazu in der Lage sind, die Absichten sowie auch die Gefühle einer anderen Person an deren Augen abzulesen, hat sich dieser Augentest als Test zur Messung von kognitiver Empathie bewährt.
Das internationale Forscherteam, welches an der University of Cambridge an dieser Studie beteiligt war, ging jedoch noch einen Schritt weiterhin. Immerhin diente der Augentest nur dazu, zu messen, wie empathisch die jeweiligen Studienteilnehmer waren. Zusätzlich musste noch eine Analyse ihres Erbguts erfolgen, um Rückschlüsse an den Zusammenhang zwischen den Genen eines Menschen und dessen Empathievermögen zu ermöglichen.
Die Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry“ vorgestellt wurden, gilt im Übrigen als die größte ihrer Art. Insgesamt nahmen 88.000 Frauen und Männer an der britischen Studie teil. Diese erfolgte in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus den USA, da das Erbgut der Probanden von einem Biotechnologieunternehmen namens 23andMe, welches in Mountain View im US-Bundesstaat Kalifornien ansässig ist, analysiert wurde.

Die Ergebnisse der Studie

Mit ihrer Studie konnten die Forscher der University of Cambridge bestätigen, dass Frauen von Natur aus ein größeres Empathievermögen mitbringen als Männer. Dafür könnte ein Gen verantwortlich sein, welches in dieser Studie zwar auffiel, nun allerdings noch weiter zu erforschen ist. Die Vererbbarkeit des „Empathie-Gens“ war bei den männlichen und weiblichen Probanden jedoch gleichermaßen stark ausgeprägt.
Zudem spielten nicht nur die Gene, sondern auch diverse soziale Faktoren bei der Bildung der Empathiefähigkeit eines Menschen eine wichtige Rolle. Das Ergebnis des Augentests ließ sich bei dieser Studie schließlich nur zu 5,8 Prozent auf die Gene zurückführen. Zusätzlich wurden die Daten von 1.500 Zwillingspaaren (ein- und zweieiig) ausgewertet. Die Vererbbarkeit der Empathiefähigkeit war auf Basis dieser Ergebnisse mit immerhin 28 Prozent zu beziffern.
Ebenso konnte bei der Studie gezeigt werden, dass Personen mit einem stark ausgeprägten Empathievermögen generell über einen höheren Intelligenzquotienten sowie über eine höhere Schulbildung verfügen. Außerdem ließ sich ein weiterer erstaunlicher Zusammenhang aus den Forschungsergebnissen ableiten. Je besser die Probanden im Augentest abgeschlossen hatten und je empathischer sie demnach waren, desto höher war auch ihr Risiko, für Magersucht anfällig zu werden und daran zu erkranken.
Diesen Zusammenhang konnten die Forscher bisher nicht erklären, so dass es in Zukunft weitere Studien geben dürfte. In den kommen Studien wird es wohl vor allem darum gehen, wie die genetischen Merkmale, welche die Forscher bei ihrer Ausgangsstudie identifiziert haben, diejenigen Hirnaktivitäten beeinflussen, die eine Rolle für das Empathievermögen eines Menschen spielen.

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