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Forscher der Michigan State Universität: Schlaf förderlich für Augenzeugenaussagen

Forscher der Michigan State Universität

Bei Tätergegenüberstellungen und Augenzeugenaussagen passieren immer wieder Fehler, die mitunter verheerende Konsequenzen für die fälschlich Angeklagten haben können. Aufgrund der Schwere der möglichen Folgen haben sich nun Forscher der Michigan State Universität mit genau diesem Thema beschäftigt. In ihrer Studie stellten sie jüngst fest, dass ausreichend Schlaf zu einem besseren Erinnerungsvermögen der Augenzeugen beitragen kann. Sofern die Zeugen vor der Täteridentifizierung geschlafen haben, nimmt das Risiko, dass sie die falsche Person als Täter benennen, ab.
Daher schlussfolgern die US-amerikanischen Psychologen, dass eine Zeugenbefragung am selben Tag nicht zu empfehlen sei. Vielmehr sollte diese Angelegenheit auf den nächsten Tag vertagt werden, da die Gedächtnisleistungen der Augenzeugen dann ein verlässlicheres Ergebnis hervorbringen würden. Nähere Einzelheiten zu dieser Studie wurden auch im Fachmagazin „PLoS One“ veröffentlicht.

Verbesserte Erfolgsquote durch Schlaf

Im Rahmen ihrer Studie stellten die Forscher der Michigan State Universität fest, dass der Schlaf der Zeugen offensichtlich eine verbesserte Erfolgsquote bewirken konnte, wenn es darum geht, einen unbekannten Menschen als Täter einer strafbaren Handlung zu identifizieren. Auch wenn die Wissenschaftler die genauen Abläufe im Gehirn der Augenzeugen noch nicht kennen, gehen sie davon aus, dass sich Schlaf auf die Art des Entscheidungsprozesses, der bei der Täteridentifizierung abläuft, auswirkt. Es sei von grundlegenden Unterschieden zwischen den ausgeschlafenen und unausgeschlafenen Entscheidungsprozessen auszugehen.
Falschaussagen treten bei Gegenüberstellungen leider nach wie vor viel zu häufig auf, was auf das wenig zuverlässige Gedächtnis der meisten Menschen zurückzuführen ist. Die amerikanischen Wissenschaftler vermuten jedoch, dass Schlaf dem menschlichen Gedächtnis auf die Sprünge helfen kann. Wohlmöglich wurden die bisher angesammelten Gedächtnisinhalte durch den nächtlichen Schlaf gefestigt.
Somit wäre klar, warum sich Augenzeugen, die noch keine Nacht über das Geschehene geschlafen hatten, weniger gut erinnern konnten. Im Schlafzustand sind zudem nicht die Ablenkungen vorhanden, welche auf uns Menschen im wachen Zustand einprasseln. Auch dies könnte eine Rolle bei den Gegenüberstellungen spielen. Allerdings gehen die Autoren dieser Studie erst einmal davon aus, dass es vor allem der gedächtnisfestigende Effekt des Schlafs ist, der in diesem Zusammenhang von größter Bedeutung ist.

Das Vorgehen der Forscher der Michigan State Universität

Die Probandengruppe bestand bei dieser Studie aus 198 männlichen und weiblichen Studenten. Ihnen wurde allesamt ein Video mit einer Laufzeit von gerade einmal 13 Sekunden gezeigt. Darin war ein Schauspieler in der Rolle eines Bombenlegers zu sehen, der zweimal für einen kurzen Augenblick unmittelbar in die Kamera schaute. Nach zwölf Stunden sahen sich die Probanden dann mit der Aufgabe konfrontiert, den Täter anhand von sechs Porträtfotos zu identifizieren. Allerdings handelte es sich entweder bei keiner oder bei einer der abgebildeten Personen um den Schauspieler. Vor allem wurden Personen, die dem angeblichen Bombenleger sehr ähnlich sahen, für die Fotos ausgewählt.

Um die Wahrscheinlichkeit der korrekten Täteridentifizierung wissenschaftlich zu untersuchen, wurden 50 Prozent der Studienteilnehmer noch am Abend des gleichen Tags nach ihrer Einschätzung gefragt. Die andere Teilnehmer sahen den Film erst am Abend und machten ihre Angaben ebenfalls zwölf Stunden später, sprich am nächsten Morgen nach ausreichend Schlaf. Die Trefferquote bei der Täteridentifizierung betrug für beide Gruppen 50 Prozent. Dennoch machte sich die positive Auswirkung des Schlafs deutlich bemerkbar.

Denn nur 42 Prozent der Probanden, die erst am Morgen befragt wurden, beschuldigten einen Unschuldigen der Tat. Bei der Gruppe ohne Schlaf belief sich diese Zahl auf 66 Prozent, so dass im echten Leben entsprechend mehr Unschuldige für eine Tat, die sie nie begangen hatten, bestraft werden würden. Wenn es darum geht, den richtigen Täter zu identifizieren, hatte Schlaf laut dieser Studie keine nennenswerte Auswirkung. Viel wichtiger war es hingegen, dass ausgeschlafene Augenzeugen weniger oft gegen Unschuldige aussagten.

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