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Forscher der Universität Kapstadt – Urbanisierung und Schlafqualität

Forscher der Universität Kapstadt

Forscher der Universität Kapstadt haben herausgefunden, dass Schlafstörungen nicht auf schlechtes Licht zurückzuführen sind. Vielmehr seien es die Einflüsse der zunehmenden Urbanisierung, die sich bei vielen Menschen als mangelnde Schlafqualität ausdrücken würden. Lange ging man davon aus, dass die künstliche Beleuchtung, die heutzutage vor allem in der westlichen Welt flächendeckend verbreitet ist, für Schlafstörungen sowie für den Schlafmangel vieler Menschen verantwortlich sei. Dieser These ist ein Forscherteam bestehend aus internationalen Wissenschaftlern nun im Süden Afrikas auf den Grund gegangen. Die Forscher der Universität Kapstadt stellten sich in diesem Zusammenhang die Frage, inwiefern sich die moderne Elektrifizierung in der Tat auf das Schlafverhalten der Menschen auswirkte.

Vorgehen und erste Erkenntnisse der südafrikanischen Studie

Eine entsprechende Studie führten die Forscher der Universität Kapstadt dazu in Mosambik durch. Die Sozialwissenschaftler und Verhaltensforscher zogen die südostafrikanischen Bewohner von gleich zwei Siedlungen heran. Nur eine dieser Siedlungen verfügte über Strom, so dass ein Vergleich zwischen diesen zwei Testgruppen sehr gut möglich war. Dabei wurde den Wissenschaftlern schnell klar, dass sich ihre Erwartungen nicht bestätigen würden.
Es gab keine signifikanten Unterschiede bei der täglichen Schlafdauer beider Gruppen. Diese Erkenntnisse publizierten die Wissenschaftler auch in der Fachzeitschrift „Scientific Reports.“ Bei den Probanden der Siedlung mit Strom ließ sich sogar eine durchschnittlich bessere Schlafqualität feststellen, was die Forscher unter anderem auf die bequemeren Betten der dortigen Bewohner zurückführten.

Nähere Einzelheiten zu der Studie

Insgesamt bestand die Studie aus 74 Probanden im Erwachsenenalter. Die Distanz zwischen den beiden Siedlungen betrug gerade einmal 30 Kilometer. Neben der Schlafqualität der Probanden wurden auch ihre tagtäglichen Aktivitäten überwacht. Dazu trugen die Studienteilnehmer einen speziellen Aktometer an ihrem Handgelenk, den sie zwei Wochen lang weder tagsüber noch nachts ablegten. Neben der Bewegungsaktivität eines jeden Probanden zeichnete das Gerät die Umgebungslichtintensität ebenso auf. Somit ließ sich der Mythus der negativen Auswirkungen von künstlichem Licht auf die Schlafqualität des Menschen überprüfen.

Über die Auswirkungen des künstlichen Lichts auf den menschlichen Schlaf

Während der Studie war durchaus zu beobachten, dass die Probanden, die auf künstliches Licht zurückgreifen konnten, durchschnittlich rund eine Stunde später ins Bett gingen. Dies wirkte sich allerdings lediglich auf den Schlafbeginn, nicht jedoch auf die Gesamtschlafdauer pro Nacht aus. Mit etwa 7,5 Stunden pro Nacht schliefen alle 74 Probanden in beiden Gruppen durchschnittlich gleich viel.
Die bloße Elektrifizierung ihrer Umgebung könne daher nicht Grund dafür sein, dass Menschen in der industrialisierten Welt immer häufiger immer weniger pro Nacht sowie schlechter schlafen. Demnach könnten nur zusätzliche Verhaltensveränderungen die verkürzte Schlafzeit erklären. Denn die Einflüsse des künstlichen Lichts konnten nur die Verschiebung der Schlafzeit deutlich machen.

Andere Faktoren, die den Schlaf negativ beeinflussen können

Von der Nutzung des Internets über den TV- und Kaffeekonsum bis hin zu der urbanen Lärmbelästigung gehen die Forscher daher davon aus, dass es viele Einflüsse eines modernen Lebens sind, welche die Schlafqualität der Menschen verschlechtern. Dies konnte in der aktuellen Studie jedoch nicht nachgewiesen, sondern nur angedeutet werden, so dass weitere Studien in Zukunft folgen dürften. Die These des negativen Einflusses von künstlichem Licht auf den Schlaf konnte allerdings widerlegt werden.
Immerhin schlief die Vergleichsgruppe, die künstlichem Licht ausgesetzt war, sogar besser, was jedoch nicht nur auf ihre komfortableren Betten, sondern auch auf die geringere körperliche Belastung während ihres Berufslebens zurückzuführen sein könnte. Dementsprechend sind nicht alle Aspekte der Urbanisierung schlecht für die Schlafqualität des Menschen.

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