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Ghostwriting für Studenten – besser als sein Ruf?

Ghostwriting für Studenten

Ghostwriting ist so alt wie die Menschheit selbst, aber in aller Munde ist sie erst seit Bekanntwerden vom sogenannten „Guttenberg“-Plagiat. Es gibt einige Theorien, die besagen, dass der Politiker für seine Abgabe ebenfalls einen – schlechten – Ghostwriter engagiert haben soll. Die Fehler in der wissenschaftlichen Arbeit seien so offensichtlich gewesen, dass sich keiner vorstellen könne, dass dies aus der Hand von Guttenberg selbst stamme.

Ghostwriting für Studenten

Studenten, die mogeln, machen das nicht gerne öffentlich. Anders als in der Schule, ist es kein Zeichen mehr von Coolness, wenn man es schafft, den Professor zu täuschen. Es ist stattdessen beschämend und würdelos – immerhin habe die Wissenschaft einen ganz anderen akademischen Anspruch, als nur zu bestehen. Und jeder Student, der was auf sich hält, möchte diesen Anspruch erfüllen.

Studenten sind moralisch – oder wären es gerne. Davon zeugen auch die zahllosen Flyer und Handouts, die in der Mensa auf den Tischen liegen wie ungeordnete Servierten. Schlachtparolen mit moralischen Forderungen stechen als Hauptüberschrift ins Auge. Flüchtlinge unterstützen, Rassismus bekämpfen und nichts weniger als den Weltfrieden fordern – Studenten wollen die Welt verändern. Der Student möchte einen ganzen Eimer Ideale auf die Welt ausschütten, die auch bitte schön genau so umgesetzt werden.

Dieser moralische Boden, auf dem alle Studenten zu gehen haben, passt so gar nicht mit der Schattenwelt der Ghostwriter zusammen. Doch wer suchet, der findet: An den schwarzen Brettern hängen nebulöse Lektoren-Angebote. Erstmal seriös klingend, aber mit einem Augenzwinkern zwischen den Zeilen – Ghostwriter locken mit scheinbar legalen Angeboten und bieten dann eben oft sehr viel mehr, als ein bloßes Lektorat, nämlich oft komplettes Ghostwriting für Studenten. Die kleinen abreißbaren Zetteln mit den Telefonnummern sind oft alle weg.

Wer spricht über das Ghostwriting?

Niemand. Erstmal zumindest. Aber eine gut besuchte Semesterparty bietet den Nährboden für solch einen Austausch. Mit ausreichend sozialem Schmiermittel namens „Bier“ spricht es sich ausgezeichnet über Hausarbeiten, die man hat anfertigen lassen. Viele sprechen resigniert, andere belustigt und nur sehr wenige stolz über den Umstand, schon einmal Ghostwriting für Studenten beansprucht zu haben. Doch es sind nicht wenige – wieviele genau, das schafft keine Umfrage zu schätzen -, aber wer sich umhört, spürt den Druck, der auf den Studenten lastet. Drei Hausarbeiten plus zwei Klausuren und nochmal zwei mündliche Prüfungen – das sind für die Semesterferien keine Seltenheit.

Viele Studenten, die einen Ghostwriter engagieren, tun es aus purer Verzweiflung. Sie gehen zu so einem wie ein treusorgender Ehemann zu einer Prostituierten, nachdem seine Frau seit Jahren den Beischlaf verweigert hat. Und genau so wie der Ehemann fühlt sich auch der Student: beschämt. Wütend. Sein Selbstwertgefühl leidet immens darunter, den akademischen, unausgesprochenen Kodex verletzt zu haben.

Studenten lassen oft gerne Hausarbeiten und Seminararbeiten schreiben für Veranstaltungen, die sie selbst nicht so interessant gefunden haben – um mehr Muße und Zeit für die wissenschaftlichen Arbeiten zu haben, die sie wirklich interessieren. Manchmal sind es auch Blockaden, die Studenten die Dienstleistung beanspruchen lassen – das Thema passt nicht, man findet nicht rein und alles, was man dazu schreibt, wirkt aufgesetzt und dringt nicht bis zum Grund des Wissens durch. Dabei haben es Studenten jedoch schwer, an einen passablen Ghostwriter zu geraten. Hier und da hört man zwar von Studenten munkeln, die Ghostwriting eingekauft haben, aber konkret fassbar sind diese oft nicht. Manchmal hat man Glück und es wird einem jemanden empfohlen, das ist aber mehr die Seltenheit. Da hat man mehr im BWL oder naturwissenschaftlichen Sektor Glück. Jene Studenten belächeln die zukünftigen Taxifahrer im Geisteswissenschaftsbereich und engagieren oft einen Ghostwriter für Arbeiten, die diesen Bereich streifen.

Abschlussarbeiten sind weniger im Ghostwriting für Studenten anzufinden. Eine derart wichtige akademische Abgabe lassen sich nur die wenigsten nehmen, denn diese dient letztendlich oft auch als Identifikation. Die Abschlussarbeit ist quasi die Referenz, um das Leistungspotential der eigenen Person wiederzuspiegeln. Die lassen oft nur jene schreiben, die genau vor dieser Referenz Angst haben – indem sie ihren eigenen Ansprüchen nicht genügen, sich nicht genug zutrauen und das dann lieber jemand professionelles überlassen.

Ghostwriting für Studenten findet sicher nicht aus Faulheit statt – sicher mag es solche reichen Bubis geben, die ihr Studium einkaufen wollen. Diese dürften aber die Minderheit darstellen. Die Mehrheit sind eher Studenten, die sich anders nicht zu helfen wissen.

Darum ist auch der Vorwurf,Ghostwriter schaden der Wissenschaft, blanker Hohn. Denn die Wissenschaft mit ihren absurden Forderungen und dem stringenten Zeitplan während des Studiums selbst ist es, die Studenten in die Hände von Ghostwritern treibt. Da müssen Umwälzungen her! Da muss Zeit, Luft und Muße her – Studenten wollen keine Fachidioten sein, sondern über den Tellerrand schauen. Das schaffen sie im Moment oft nur mithilfe von solchen Dienstleistungen.

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