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Philosoph André Glucksmann ist tot

Glucksmann

Nicht nur in Frankreich, auch in der Welt war die Meinung von André Glucksmann gefragt, leider werden wir sie nie wieder hören. Zahlreiche politische Debatten hat er mit seinen Einsichten und Ansichten über Jahre hinweg bereichert. Im November 2015 ist der Philosoph André Glucksmann im Alter von 78 Jahren verstorben. In den frühen Jahren seines Wirkens war Glucksmann überzeugter Anhänger von Mao und Marx und nahm an den Mai-Demonstrationen im Jahre 1968 teil. Später, nach intensiven philosophischen Studien, kehrte er diesen Überzeugungen den Rücken und entwickelt sich zu einem der bedeutendsten Totalitarismuskritiker.

Die Entwicklung von André Glucksmann: Maoist und Totalitarismuskritiker

Zunächst studierte er Philosophie an der Ecole normale Supérieure des Saint Cloud in Lyon. Noch zu seiner Schulzeit schloss sich er der Kommunistischen Partei in Frankreich an. Erst mit dem Einmarsch der Sowjetunion in Prag, den er heftig kritisierte, wurde er ausgeschlossen. Danach bekannte er sich zu den maoistischen Linken und schloss sich einer illegalen Bewegung an. An den Studentenprotesten nahm er bereits als einer der wichtigsten Wortführer teil. Seine Erfahrungen und Kenntnisse der kommunistisch-sozialistischen Realität aber verarbeitete Glucksmann kritisch; Ergebnis war eine dezidierte Kritik an Totalitarismus und Utopie. Dies führte zu der Bewegung der “Neuen Philosophen”, zu der auch Alain Finkielkraut und Bernard-Henri Lévy gehörten. Glucksmann unternahm extensive Forschungen zum Krieg, zur Abschreckung und zu Atomwaffen. Seine Abkehr vom einst verehrten Kommunimus wurde vor allem durch das Buch “Der Archipel Gulag” von Alexander Solschenizyn ausgelöst. Der Schrecken der sowjetischen Lager muss Glucksmann nachhaltig beeinflusst haben. Auch mit den Größen der deutschen Geistesgeschichte (Nietzsche, Hegel, Marx und Fichte) setzte er sich kritisch auseinander, mit dem Ziel, ihren Ruhm zu entzaubern. Er war sich sicher, dass das Versprechen der Freiheit das entscheidende Instrument moderner Herrschaft ist. Dabei stellte er fest, dass die Menschen umso unfreier würden, je mehr sie die Vorschrift eines Bewusstseins von Freiheit internalisierten.

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