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Plagiatsaffäre Graf

Plagiatsaffäre Graf

Florian Graf kann sich zu einer Reihe von Politikern der CDU und anderen großen deutschen Parteien gesellen, die ihren Doktortitel aufgrund einer Plagiatsaffäre verloren haben. Seinen Doktorgrad hatte Graf im Jahr 2010 von der Universität Potsdam verliehen bekommen. In seiner Doktorarbeit ging es um den „Entwicklungsprozess einer Oppositionspartei nach dem abrupten Ende langjähriger Regierungsverantwortung am Beispiel der Christlich Demokratischen Union (CDU) in der Hauptstadt Berlin während der 15. Wahlperiode (2001-2006).“ Lange hielt die Freude über den Doktortitel jedoch nicht an. Denn bereits zwei Jahre nachdem Florian Graf diese akademische Würde verliehen bekommen hatte, wurde ihm der Doktortitel nicht als Ergebnis einer vorausgehenden Plagiatsprüfung, sondern auf eigenen Wunsch aberkannt. Zum damaligen Zeitpunkt war Graf der Berliner Fraktionschef der CDU, so dass diese Nachricht in der Presse umso mehr Wellen schlug.

Außerdem nahm die Plagiatsaffäre Graf einen ganz anderen Anfang als die Plagiatsaffären der meisten Politiker. Während die VroniPlag Wiki Plattform an der Aufdeckung vieler Plagiatsverdachte beteiligt war, wurde der Plagiatsvorwurf gegen Florian Graf quasi aus Versehen bekannt. Zunächst hatte Graf einen Sperrvermerk für seine Dissertation beantragt. Diesen Antrag hatte der Mann von der CDU bereits bei Abgabe seiner Doktorarbeit beim zuständigen Erstgutachter gestellt, um anschließend einen Teil seiner Arbeit in einer Fachzeitschrift als Fachartikel öffentlich machen zu können. Im Jahr 2011 wollte Florian Graf diesen Sperrvermerk verlängern lassen. Während sich Graf eine Verlängerung des Sperrvermerks um ein Jahr erbat, passierte jedoch ein Verfahrensfehler. Dieser führte wiederum dazu, dass eine erneute Begutachtung der Dissertation von Graf erfolgte, die zu einem ersten Plagiatsverdacht führte. Im Zuge der Plagiatsaffäre Graf beteuerte der Politiker selbst ausdrücklich, dass er seinen Fehler bemerkt habe. Schließlich hatte er den zweiten Sperrvermerk nur beantragt, da ihm die Zeit für die Verfassung des angekündigten Fachartikels zunächst aus privaten und beruflichen Gründen gefehlt hatte. Als Florian Graf sich dann erneut mit seiner Dissertation beschäftigte, um den versäumten Fachartikel nachzuholen, seien ihm seine Fehler bei der Zitierweise selbst aufgefallen. Da Florian Graf seine Doktorwürde von der Universität Potsdam als externer Promotionsstudent verliehen bekommen hatte, hätte er sich eigenständig genauer mit dem wissenschaftlich korrekten Umgang mit Quellen befassen müssen. Dies hatte der CDU-Politiker jedoch versäumt, woraus später die Plagiatsaffäre Graf resultierte.

So ging der Politiker selbst mit der Plagiatsaffäre Graf um

Während Karl-Theodor zu Guttenberg sich lautstark und sehr öffentlich gegen die Aberkennung seines Doktortitels wehrte, nahm die Plagiatsaffäre Graf einen völlig anderen Lauf. Immerhin gab Florian Graf selbst zu, dass er bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben hatte und verfasste sogar ein mehrseitiges Dokument zum Umfang seiner Täuschung. Auf der letzten Seite des Reueschreibens gab der CDU-Politiker zu, dass der Plagiatsverdacht, den die Universität Potsdam hegte, in der Tat der Wahrheit entspricht. Besonders der theoretische Teil von Grafs Dissertation war nicht einwandfrei. Dort gab Florian Graf zu sich fremdes Wissen angeeignet und somit eine Täuschungshandlung begangen zu haben. Über das Schuldeingeständnis hinaus hat Graf auch die weiteren Konsequenzen aus seiner Plagiatsaffäre gezogen. Er hat seine Promotionsurkunde nicht nur bei der Universität Potsdam abgegeben, sondern dort persönlich um eine Doktortitelaberkennung gebeten.

So reagiert die CDU auf die Plagiatsaffäre Graf

Mit seinem Wunsch der Titelaberkennung ist Florian Graf in die öffentliche Offensive gegangen. Wohlmöglich war das Schuldgeständnis nicht ganz uneigennützig. Vielmehr schien es in den Augen vieler Beobachter so, als wollte Graf damit seine politische Zukunft retten. Dieser Plan scheint aufgegangen zu sein. Denn obwohl der CDU-Mann klar bei seiner Doktorarbeit geschummelt und die gedankliche Leistung fremder Autoren in seiner Dissertation als seine eigene verkauft hatte, sprach ihm seine Partei bei einer Vertrauensabstimmung im Anschluss an die Plagiatsaffäre Graf dennoch mehrheitlich das Vertrauen aus. Von den 34 Abgeordneten, die anwesend und in dieser Sache abstimmungsberechtigt waren, konnte sich Graf die Unterstützung von 30 Abgeordneten sichern. Es gab bei der Abstimmung lediglich drei Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Im Anschluss an die Abstimmung betonte Florian Graf von der CDU noch einmal, dass er nicht nur dankbar für dieses Ergebnis, sondern sich auch darüber bewusst sei, dass es sich dabei um keine Selbstverständlichkeit handele. Schließlich habe er schwerwiegende Fehler gemacht. Nun müsse er daran arbeiten, das Vertrauen seiner Politkollegen zurückzugewinnen.

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