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Plagiatsaffäre von der Leyen

Plagiatsaffäre von der Leyen

Immer mehr hochrangige deutsche Politiker machen mit ihren ganz eigenen Plagiatsaffären Schlagzeilen. So nicht nur der Ex-Minister Karl Theodor zu Guttenberg, der darüber sogar sein Amt verlor. Auch Ursula von der Leyen, die seit Dezember 2013 als Bundesverteidigungsministerin unter Kanzlerin Angela Merkel im Einsatz ist, machte mit Plagiaten in ihrer Doktorarbeit Negativschlagzeilen. Allerdings führte die Plagiatsaffäre von der Leyen nicht dazu, dass die Politikerin ihren Doktortitel oder gar ihr Amt verlor. Die Überprüfung der Dissertation, welche die Ministerin im Jahr 1990 an der Medizinischen Hochschule Hannover eingereicht hatte, stellte vor allem Mängel bei der Einleitung fest. Die restliche Arbeit war scheinbar jedoch so solide, dass diese Fehler nicht zu einer Titelaberkennung im Fall der Bundesverteidigungsministerin führten. Gut sechs Monate ließ man sich Zeit, um die 62-seitige Arbeit im Detail zu überprüfen und schließlich zu diesem Urteil zu kommen. Dabei war es übrigens eine Internetplattform, die den Stein der Plagiatsprüfung überhaupt ins Rollen gebracht hatte.

Auf gleich 27 Seiten der Arbeit waren Textstellen entdeckt worden, welche den Plagiatsvorwurf entsprechend rechtfertigten. Die Ministerin ging jedoch cool mit ihrer Plagiatsaffäre um. Sie bestätigte den Vorwurf nicht, stritt diesen aber auch nicht ab. Vielmehr bat sie ihre alte Hochschule selbst, dass diese ihre Arbeit bitte prüfen möge. Letztendlich schien die Ministerin sehr froh über das Urteil. Denn wenn ihr der Doktortitel aberkannt worden wäre, hätte das durchaus das Ende ihrer politischen Laufbahn bedeuten können. Schließlich wäre sie nicht die erste Politikerin gewesen, der es genau so ergangen ist. Doch Von der Leyen durfte sich während der gesamten Affäre über die Rückendeckung von Kanzlerin Angela Merkel freuen. Am Ende räumte die Bundesverteidigungsministerin selbst übrigens ein, dass ihre Arbeit ihren eigenen Standards in einigen Bereichen nicht gerecht geworden sei. Somit ist davon auszugehen, dass die Ministerin es wohl anders machen würde, wenn sie ihre Doktorarbeit heute noch einmal schreiben müsste.

Warum die Ministerin ihren Titel behalten durfte

Auch wenn die Plagiatsprüfung klare Mängel bei Ursula von der Leyens Dissertation ergeben hat, darf die Ministern ihren Titel behalten. Wie ist das zu verantworten? Kritische Beobachter sehen die Argumente, auf welche sich die Medizinische Hochschule Hannover in ihrer Begründung berufen hat, durchaus als fragwürdig an. Die Hochschule geht jedoch davon aus, dass die Fehler, die bei der Prüfung der Arbeit der Ministerin festgestellt wurden, eben nicht aus einer Täuschungsabsicht heraus resultierten. Diese Täuschungsabsicht, welche das zuständige Komitee im Fall von Karl Theodor zu Guttenberg erkannt haben wollte, hatte ihn hingegen seinen Titel gekostet. Dennoch stellt sich die Frage, wie ein unabsichtliches Plagiat überhaupt möglich ist? Kann die Ministerin wirklich nicht gewusst haben, dass sie eine Doktorarbeit eingereicht hatte, in denen es sich in Teilen um ein Plagiat handelte? Die 7:1-Entscheidung fiel im Sinne der Bundesverteidigungsministerin jedenfalls sehr deutlich aus.

Kein Image-Schaden durch die Plagiatsaffäre von der Leyen

Die Bundesverteidigungsministerin hat in der Plagiatsaffäre von der Leyen jedenfalls Nerven behalten. Sie schien sich schon vor der Verkündung des Urteils der Medizinischen Hochschule Hannover recht sicher zu sein, dass ihr der Titel nicht aberkannt werden würde. Während Karl Theodor zu Guttenberg während seiner gesamten Plagiatsaffäre nicht gerade mit seinen Aussagen glänzte, sondern noch weitere Negativschlagzeilen hinzufügte, meisterte Ursula von der Leyen dies deutlich besser. Sie blieb ruhig und präsentierte sich als äußerst krisenerprobt. Auch wenn das Prüfungskomitee sich einig war, dass es zwar Fehler in der Arbeit der Ministerin gab, wurde sie dennoch nicht für diese Fehler bestraft. Dabei scheint ihr die Plagiatsaffäre nicht einmal geschadet zu haben. Ganz im Gegenteil – Ursula von der Leyen ist eben auch nur ein Mensch, der auch mal Fehler macht. Gleichzeitig hat die Ministerin jedoch vorgemacht, wie man gekonnt mit Krisen umgeht. Und diese Fähigkeit wird die Bundesverteidigungsministerin nicht nur im Umgang mit der Türkei bestimmt noch sehr häufig brauchen.

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