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Umgang mit Plagiaten. Wie gehen Universitäten vor?

Umgang mit Plagiaten

In den vergangenen Jahren gab es viele bekannte deutsche Politiker, die mit ihren ganz eigenen Plagiatsaffären zu kämpfen hatten und daher zum Teil ihren Titel verloren haben. Es gibt aber auch Politiker, die zumindest in Teilen abgeschrieben haben und ihren Titel dennoch behalten durften. Der Umgang mit Plagiaten ist in Deutschland somit nicht einheitlich geregelt. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Grenze zwischen einem Plagiat mit Täuschungsabsicht und einem ehrlichen Fehler, bei dem ebenfalls bei einem anderen Autor abgeschrieben wurde, mitunter fließend verläuft. Der konkrete Umgang mit Plagiaten hängt demnach vor allem davon ab, ob die Prüfer bei dem jeweiligen Studenten eine Täuschungsabsicht erkennen konnten.

Umgang mit Plagiaten – ein immer wichtigeres Thema für viele deutsche Hochschulen

Während der Umgang mit Plagiaten bei ausländischen Hochschulen meist klar geregelt ist, ist dies in Deutschland noch längst nicht der Fall. Vor allem in den USA und in England kommen zur Überprüfung von Bachelor-, Master- und Doktorarbeit regelmäßig spezielle Softwarelösungen zum Einsatz. Die Gefahr, dass ein Student mit seinem Plagiat auffliegen könnte, ist dort somit deutlich größer. Solange der Umgang mit Plagiaten nicht auch hierzulande einheitlich geregelt wird, laufen die Universitäten leider weiterhin Gefahr, dass sie zu viele Studenten mit abgeschriebenen Arbeiten einfach durchwinken.

Dennoch sollten die Absolventen nicht davon ausgehen, dass sie auf der sicheren Seite sind, nur weil ihr Plagiat beim Einreichen ihrer Abschlussarbeit nicht als solches erkannt wurde. Vielmehr zeigen die Plagiatsaffären um viele Spitzenpolitiker, dass auch eine nachträgliche Titelaberkennung durchaus möglich ist, die schwere Folgen für die eigene Karriere nach sich ziehen kann. In den kommenden Jahren ist zudem zu erwarten, dass auch immer mehr Hochschulen in Deutschland auf Plagiatsscanner setzen werden. Schließlich leidet auch der Ruf der deutschen Universitäten unter den vermehrten Plagiatsaffären der letzten Jahre.

Studenten im Umgang mit Plagiaten zu Eigeninitiative erziehen

Es gibt einige Universitäten, die nicht nur bereits von Plagiatsscannern Gebrauch machen, sondern diese auch ihren Studenten zur Verfügung stellen. So kann jeder Bachelor-, Master- oder Doktor-Anwärter selbst überprüfen, ob seine Arbeit einwandfrei ist oder doch ein Plagiatsverdacht laut wird. Allerdings gibt es zwischen den Plagiatsscannern, die aktuell am Markt erhältlich sind, mitunter gewaltige Unterschiede. Nicht alle Quellen, welche die Studenten in ihren wissenschaftlichen Arbeiten zitieren, sind bereits in digitaler Form erhältlich. Daher findet auch die beste Software nur 60 bis 70 Prozent aller Plagiate und kann keine 100-prozentige Aufdeckungsquote garantieren.

Diese Zahlen sollten auch die Studenten kennen, die ihre Arbeit von solch einem Programm überprüfen lassen. Nur weil die Software die eigene Arbeit durchwinkt, heißt das noch lange nicht, dass diese völlig frei von Plagiaten ist. Gerade dann, wenn der eigene Professor eine Quelle, bei welcher der Student abgeschrieben hat und die noch nicht in digitaler Form vorliegt, selbst kennt, kann das eigene Plagiat dennoch auffliegen. Vor allem dann, wenn Aussagen eines anderen Autors paraphrasiert wurden, scheitern die meisten Plagiatsscanner und können dies kaum als Plagiat erkennen, auch wenn es sich dabei durchaus um ein Plagiat handelt.

Im Umgang mit Plagiaten sollten sich alle Studenten daher ganz besonders vorsehen und ihre Quellen lieber einmal zu häufig als einmal zu wenig kennzeichnen. Besonders bei paraphrasierten Aussagen anderer Autoren muss klar erkennbar sein, dass es sich dabei nicht um die eigene gedankliche Leistung, sondern ein indirektes Zitat handelt. Um ihren Studenten die Grenzen dessen, was erlaubt ist und was ein Plagiat darstellt, aufzuzeigen, bieten immer mehr Universitäten eigene Workshops an. Sie hoffen vor allem darauf, dass die Studenten von sich aus das Richtige tun werden. Noch dazu zeigen sich viele Studenten verunsichert, da sie Angst haben, versehentlich bei einer fremden Quelle abzuschreiben. Aus diesem Grund werden diese speziellen Seminare von den Universitäten veranstaltet, die dafür sorgen sollen, dass die Studenten gründlicher arbeiten. Gleichzeitig können die Studierenden während solcher Sitzungen alle Ihre Fragen loswerden. Denn die Vorgaben der einzelnen Hochschulen lassen zu oft viele Fragen offen.

So können Plagiate bestraft werden

Den Universitäten in Deutschland geht es meist darum, dass alle Beteiligten immer mehr an einem Strang ziehen. Vor allem unbeabsichtigte Fehler ihrer Absolventen wollen sie vermeiden, da diese für beide Seiten zu einer sehr unschönen Situation führen. Daher spielt nicht nur die Frage, ob bei der betreffenden Arbeit abgeschrieben wurde, eine wichtige Rolle, wenn es um die Konsequenzen geht. Vielmehr gilt es auch zu beurteilen, inwiefern eine Täuschungsabsicht vorgelegen hat. Wer Textpassagen wortwörtlich im großen Stil abschreibt und diese als sein eigenes Gedankengut ausgibt, hat so dreist abgeschrieben, dass die meisten Prüfer wohl von einer klaren Täuschungsabsicht ausgehen werden. Anders gestaltet sich die Situation jedoch häufig, wenn paraphrasiert wurde und der Autor seine Quellen nicht immer zu 100 Prozent korrekt gekennzeichnet hat. Gerade dann, wenn es nur wenige solcher Textstellen gibt, gehen nicht alle Prüfer von einer Täuschungsabsicht aus.

Liegt keine Täuschungsabsicht vor, so ist eine Titelaberkennung nicht zwingend erforderlich. Das soll jedoch nicht heißen, dass die Absolventen ihren Titel einfach behalten können. Vielmehr ist eine Überarbeitung der eigenen Abschlussarbeit wohlmöglich erforderlich, um das Kriterium der wissenschaftlichen Güte, welches für die Titelvergabe vorausgesetzt wird, weiterhin zu erfüllen. Wem ein Plagiat mit dreister Täuschungsabsicht nachgewiesen werden kann, der darf hingegen davon ausgehen, dass er seinen Titel bald los ist. Einige Universitäten, wie zum Beispiel die Universität der Stadt Münster, haben darüber hinaus einen Strafkatalog eingeführt, welcher hohe Geldstrafen vorsieht. Den Absolventen wird nicht nur ihre Prüfungsleistung aberkannt und sie können auch keine überarbeitete Abschlussarbeit zum Titelerwerb einreichen. Vielmehr müssen sie mit Geldstrafen von maximal 50.000 Euro rechnen. Diese Ordnungsstrafen setzen die Universitäten nur selten durch. Allerdings wollen sie damit ein klares Zeichen gegen Plagiate setzen.

Gleichzeitig handelt es sich bei einem Plagiat auch um einen Verstoß gegen das Urheberrecht, der nicht nur von den Universitäten selbst verfolgt und geahndet werden kann. Einen Strafantrag wird die zuständige Staatsanwaltschaft allerdings nur in den Fällen stellen, die von öffentlichem Interesse sind. Wer nicht als hochrangiger Spitzenpolitiker, Dekan einer Universität oder eine große Persönlichkeit aus der Wirtschaft tätig ist, muss ein Einschreiten durch die zuständige Strafverfolgungsbehörde meist nicht fürchten. Bei einem erfolgreichen Strafverfahren können allerdings weitere hohe Geldbußen auf den Angeklagten zukommen.

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