HomeManipulation oder sinnvolle Strategie: Framing in der politischen Rede

Manipulation oder sinnvolle Strategie: Framing in der politischen Rede

Laut herkömmlicher Meinung geht politisches Denken objektiv, bewusst und rational von Statten. Das bedeutet, dass sich die Anhänger bestimmter Parteien, Politiker und Ideologien ziemlich sicher sind, dass sie aus freien Stücken zu ihrer politischen Meinung gelangt sind. Diese Einstellung wird dadurch verstärkt, dass es sich bei der Politik um einen Bestandteil der Gesellschaft handelt, der auf Fakten beruhen sollte. Mittlerweile hat die moderne Kognitionsforschung herausgefunden, dass längst nicht alles auf Vernunft basiert. Nicht immer sind es Fakten, welche die Politik dominieren. Vielmehr sind es kognitive Deutungsrahmen, welche politische Entscheidungen bedingen. Diese Deutungsrahmen werden in der Wissenschaft Frames genannt. Es stellt sich also zu Recht die Frage, ob das Framing in der politischen Rede in der Lage ist, die Meinungen, Einstellungen und Verhaltensweisen der Wähler zu manipulieren. Die Kognitionsforschung ist sich in dieser Frage einig: Sprache bestimmt die Politik.
Demnach kann das Framing in der politischen Rede das Denken und Handeln bestimmen. Besonders aktuelle politische Debatten werden über die Sprache beherrscht und gesteuert.

Sprache ist mehr als Worte

Doch warum ist das Framing in der politischen Rede so erfolgreich? Ein kurzer Ausflug in die Gehirnforschung kann die Frage beantworten. Bei der Sprache handelt es sich nicht um ein abstraktes Gerüst. Vielmehr versteckt sich hinter Wörtern eine Bedeutung. Das Gehirn aktiviert zur Erfassung dieser Bedeutung das gespeicherte Wissen. Dazu gehören auch sinnliche Eindrücke, wie Gefühle, Gerüche und Bilder. Demnach kann der Mensch durchaus durch Worte in eine politische Richtung getrieben werden, ohne dass er sich darüber bewusst ist. Beim Framing in der politischen Rede werden Frames genutzt, die den Zuhörern einen Deutungsrahmen vorgeben. Durch die in der Welt gesammelten Erfahrungen befinden sich im Gehirn zahlreiche Frames. Mit diesen erfolgt die Bewertung und Einordnung von Fakten. Frames werden durch Wörter aktiviert. Dabei kann ein Satz mit dem gleichen Inhalt, je nach Aufbereitung völlig anderes gedeutet werden. Daraus ergibt sich, dass es nicht allein die Fakten sind, welche den Wähler zu einer Meinung bringen, denn kein Wort wird außerhalb von Frames gedacht.

Bekannte Frames in der politischen Rede

Welche Frames werden häufig für das Framing in der politischen Rede genutzt und welche Auswirkungen haben diese Frames? Dass die politische Sprache eine bestimmte Sicht auf die Welt impliziert zeigen beispielsweise die Begriffe „Mindestlohn“ und „Lohnuntergrenze“. Der Begriff Mindestlohn spiegelt die Sicht der Sozialdemokraten wieder. Dabei wird die Perspektive des Lohnempfängers dargestellt. Mindestlohn bedeutet, dass der Mitarbeiter mit dem mindesten „abgespeist“ wird, was ihm für die Tätigkeit zustehen könnte. Demnach möchte der Mitarbeiter die Gehaltsleiter emporsteigen. Ganz anders zeigt sich die Bedeutung eines Wortes bei der „Lohnuntergrenze“. Die Lohnuntergrenze beschreibt die Perspektive desjenigen der den Lohn zahlt. Dieser möchte möglichst wenig zahlen. Dennoch ist alles, was nicht unterhalb der Grenze liegt, in Ordnung. Hier spiegeln sich die Zielgruppen der jeweiligen Parteien wieder. Die sozialdemokratische Partei wendet sich an die Arbeitnehmer, indem sie deren Perspektive einnimmt. Anders ist es bei der christdemokratischen Partei. Diese vertritt mit dem Gebrauch des Begriffes „Lohnuntergrenze“ die Arbeitgeber.

Zu den bekanntesten Frames in der politischen Rede gehört das Wort „Euro-Rettungsschirm“. Bei einem Schirm denkt jeder Mensch an Schutz vor dem Regen. Wenn der Regen vorbei ist, wird der Schirm wieder weggepackt. Ein Schirm ist daher ein nützliches Utensil. Der Regen selbst ist ein Phänomen der Natur, welches sich nicht beeinflussen lässt. Vorsicht! Hier zeigt sich die bewusste Manipulation durch das Wort: Die Finanzkrise wurde nicht durch eine Laune der Natur ausgelöst, sondern durch bewusstes Wegsehen der Finanzakteure. Demnach blendet der Begriff „Euro-Rettungsschirm“ die Verursacher der Krise aus. Diese werden auch nicht zur Verantwortung gezogen. Der Begriff stärkt konservative und neoliberale Denkmuster.
Doch nicht nur in Deutschland werden Frames in der politischen Rede genutzt. Nach dem Anschlag vom 11. September sprach der damalige Präsident George W. Busch innerhalb weniger Stunden nicht mehr von „Opfern“ oder „Toten“, sondern von „Gefallenen“. Damit befand sich das Land im Kriegszustand. Der Anschlag vom 11. September wurde als Kriegsangriff gedeutet und mit Hilfe vom Framing in der politischen Rede an das Volk vermittelt.

Abschießend kann ausgeführt werden, dass es sich beim Framing in der politischen Rede um eine Strategie handelt, die dazu dient, die Wähler vom jeweiligen Standpunkt der Partei zu überzeugen. Das geht häufig mit Manipulation einher.

Sprache bestimmt die Politik