Kritische Theorie in der Bachelorarbeit & Masterarbeit

Adorno, Horkheimer und Habermas: So wenden Sie Ideologiekritik, Kulturindustrie-Analyse und die Theorie des kommunikativen Handelns in Ihrer Thesis an – mit konkreter Operationalisierung, Analyseschritten und Abgrenzung zwischen erster und zweiter Generation der Frankfurter Schule. Begleitet von Soziologen und Philosophen mit Expertise in kritischer Gesellschaftstheorie.

Ideologiekritik
Kulturindustrie
Kommunikatives Handeln
System vs. Lebenswelt
Anerkennungstheorie (Honneth)

Die Kritische Theorie ist der einzige große soziologische Theorierahmen, der explizit normativ argumentiert – und genau darin liegt die Schwierigkeit für die Thesis: Normativität muss begründet, nicht behauptet werden, und die Kritik muss auf empirisches Material angewendet werden, statt im Philosophischen zu bleiben. Die Autoren von Business And Science haben Ideologiekritik nach Adorno, Kolonialisierungsanalysen nach Habermas und Anerkennungsanalysen nach Honneth in eigenen Forschungsprojekten durchgeführt. Sie übersetzen den normativen Anspruch der Frankfurter Schule in ein konkretes Forschungsdesign – mit transparentem Maßstab, empirischer Fundierung und methodischer Strenge.

1. Die Frankfurter Schule: Drei Generationen

1. Generation: Adorno, Horkheimer, Marcuse

Kernidee: Vernunft ist ambivalent – sie kann befreien, aber auch zur Herrschaft werden (instrumentelle Vernunft). Kulturindustrie standardisiert Bewusstsein. Ideologiekritik entlarvt scheinbare Selbstverstaendlichkeiten als Herrschaftsverhaeltnisse.

Schluesseltexte: Dialektik der Aufklaerung (1947), Negative Dialektik (1966), Der eindimensionale Mensch (Marcuse, 1964).

2. Generation: Habermas

Kernidee: Verstaendigung ist in der Sprache selbst angelegt – jeder Sprechakt erhebt Geltungsansprueche (Wahrheit, Richtigkeit, Wahrhaftigkeit). System (Geld, Macht) kolonisiert die Lebenswelt (kommunikative Verstaendigung). Kommunikatives Handeln als Gegenprinzip.

Schluesseltexte: Theorie des kommunikativen Handelns (1981), Strukturwandel der Oeffentlichkeit (1962).

3. Generation: Honneth, Fraser, Forst

Kernidee: Soziale Kaempfe sind Kaempfe um Anerkennung (Honneth) oder um Gerechtigkeit (Fraser: Umverteilung + Anerkennung). Missachtungserfahrungen als Motor sozialen Wandels.

Schluesseltexte: Kampf um Anerkennung (Honneth, 1992), Umverteilung oder Anerkennung? (Fraser/Honneth, 2003).

Drei Generationen mit fundamental unterschiedlichen Grundannahmen – Adornos Pessimismus, Habermas' Vertrauen in kommunikative Vernunft, Honneths Fokus auf Anerkennungskämpfe. Sich innerhalb der Frankfurter Schule zu positionieren und die Wahl im Theorieteil zu begründen, ist eine der ersten Weichenstellungen, bei denen unsere Ghostwriter den Unterschied machen: Die richtige Generation für Ihre Fragestellung auswählen, statt alle drei oberflächlich zu referieren.

Kritische Theorie vs. Critical Theory (anglophone Tradition)

Im deutschsprachigen Raum meint „Kritische Theorie" die Frankfurter Schule (Adorno, Habermas, Honneth). Im anglophonen Raum ist „Critical Theory" ein Oberbegriff fuer alle herrschaftskritischen Ansaetze – inklusive Postkolonialismus, Gender Studies, Critical Race Theory und Poststrukturalismus. Diese Traditionen ueberschneiden sich teilweise, sind aber nicht identisch. In der Thesis: Definieren Sie im Theorieteil praezise, welche Tradition Sie meinen. Wenn Sie Habermas mit Butler oder Spivak kombinieren: die unterschiedlichen Grundannahmen transparent machen.

2. Adorno & Horkheimer: Ideologiekritik operationalisieren

Ideologiekritik ist das zentrale Verfahren der ersten Generation: Sie zeigt, wie gesellschaftliche Verhaeltnisse als natuerlich, unveraenderlich oder alternativlos dargestellt werden – obwohl sie historisch gewachsen und veraenderbar sind. Das Ziel: den Schein der Selbstverstaendlichkeit durchbrechen.

Ideologiekritik in der Thesis: 4 Analyseschritte

  • 1. Selbstverstaendlichkeiten identifizieren: Was wird in Ihrem Material als „natuerlich", „normal" oder „alternativlos" dargestellt? Welche Annahmen werden nicht hinterfragt? Beispiel: „Wachstum ist notwendig fuer Wohlstand" – wird als Naturgesetz behandelt, ist aber eine historisch spezifische Annahme.
  • 2. Historisch situieren: Seit wann gilt diese Annahme? Unter welchen Bedingungen ist sie entstanden? Wer hat sie etabliert? Welche alternativen Vorstellungen gab es (und warum haben sie sich nicht durchgesetzt)?
  • 3. Interessengebundenheit zeigen: Wem nutzt diese „Selbstverstaendlichkeit"? Welche Machtverhaeeltnisse werden durch sie stabilisiert? Wer profitiert – und wer verliert?
  • 4. Alternativen aufzeigen: Was waere anders denkbar? Welche unterdrueckten Moeglichkeiten werden durch die Ideologie unsichtbar gemacht? (Das ist der utopische Ueberschuss der Kritischen Theorie.)

Selbstverständlichkeiten identifizieren, historisch situieren, Interessengebundenheit aufzeigen, Alternativen benennen – vier Schritte, die in der Theorie schlüssig klingen, in der Praxis aber häufig daran scheitern, dass Studierende den kritischen Maßstab nicht transparent machen oder in bloße Meinungsäußerung abrutschen. Unsere Autoren operationalisieren Ideologiekritik so, dass sie auf konkretem empirischem Material aufsetzt und methodisch nachvollziehbar bleibt.

Kulturindustrie-Analyse in der Thesis

Adornos und Horkheimers Kulturindustrie-These (1947) ist ueberraschend aktuell: Die standardisierte Produktion kultureller Gueter erzeugt Scheinindividualitaet und verhindert kritisches Bewusstsein. Fuer die Thesis kann die Kulturindustrie-These auf aktuelle Phaenomene angewendet werden: Streaming-Plattformen und algorithmische Kuration (Standardisierung des Geschmacks), Influencer-Kultur (Individualitaet als Marke), Gamification (Spass als Kontrollinstrument). Aber Vorsicht: Aktualisieren Sie Adorno, statt ihn nur zu referieren. Die Medienwelt von 2025 ist nicht die von 1947 – was hat sich veraendert, was ist gleich geblieben?

3. Habermas: Kommunikatives Handeln & Diskursethik

Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns (TkH, 1981) ist der am besten operationalisierbare Ansatz der Kritischen Theorie – und deshalb fuer Abschlussarbeiten besonders geeignet.

Kommunikatives vs. strategisches Handeln

Kommunikatives Handeln: Verstaendigungsorientiert – die Beteiligten erheben Geltungsansprueche (Wahrheit, Richtigkeit, Wahrhaftigkeit), die kritisierbar sind und im Diskurs eingeloest werden koennen.

Strategisches Handeln: Erfolgsorientiert – die Beteiligten versuchen, den anderen zu beeinflussen (durch Anreize, Drohungen, Manipulation), ohne auf echte Verstaendigung zu zielen.

Fuer die Thesis: Analysieren Sie Kommunikation in Ihrem Material: Wird verstaendigungsorientiert oder strategisch gehandelt? Wo werden Geltungsansprueche erhoben – und wo werden sie systematisch unterdrueckt?

System vs. Lebenswelt

System: Handlungsbereiche, die ueber die Steuerungsmedien Geld (Wirtschaft) und Macht (Verwaltung/Politik) integriert werden – ohne auf Verstaendigung angewiesen zu sein.

Lebenswelt: Der Bereich kommunikativer Verstaendigung – geteilte Hintergrundueberzeugungen, Normen, Werte.

Kolonialisierung der Lebenswelt: Wenn systemische Imperative (Geld, Macht) in die Lebenswelt eindringen und kommunikative Verstaendigung durch strategisches Handeln ersetzen.

Fuer die Thesis: Der staerkste analytische Einsatz: Zeigen Sie in Ihrem empirischen Material, wie systemische Logiken lebensweltliche Bereiche ueberformen – z.B. Oekonomisierung der Bildung, Buerokratisierung der Pflege, Verrechtlichung von Beziehungen.

Kommunikatives von strategischem Handeln unterscheiden, Geltungsansprüche im Material identifizieren, die Kolonialisierung der Lebenswelt an konkreten Fällen nachweisen – das sind die analytischen Schritte, mit denen Habermas' Theorie empirisch wirksam wird. Unsere Ghostwriter setzen diese Schritte in Interviews, Dokumentenanalysen und Policy-Texten um und formulieren die Ergebnisse so, dass der normative Maßstab sichtbar, aber nicht predigend ist.

Praxisbeispiel: Habermas in einer Masterarbeit

Thema: „Oekonomisierung der Hochschule: Kolonialisierung der akademischen Lebenswelt?" Analyse: Wie verdraengen Kennzahlen (Drittmittelquote, Publikationszaehlung, Rankingpositionen) die verstaendigungsorientierte Kommunikation in der Wissenschaft? Material: Interviews mit Wissenschaftler:innen + Policy-Dokumente (Exzellenzstrategie, Zielvereinbarungen). Theoretisch: System (Geld/Macht durch Drittmittellogik und ministerielle Steuerung) kolonisiert Lebenswelt (freie Forschung und Lehre als kommunikative Verstaendigung).

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4. Honneth: Anerkennungstheorie in der Thesis

Axel Honneths Anerkennungstheorie (Kampf um Anerkennung, 1992) bietet einen empirisch gut anschlussfahigen Rahmen: Soziale Konflikte werden als Kaempfe um Anerkennung analysiert. Missachtungserfahrungen motivieren Widerstand und sozialen Wandel.

AnerkennungsformSphareBeziehungsmusterMissachtungsformThesis-Anwendung
Liebe / ZuwendungPrimaerbeziehungen (Familie, Freundschaft)Emotionale Zuwendung, SorgeMisshandlung, VernachlaessigungFamiliensoziologie, Kinderschutz, Care-Arbeit
Recht / RespektRechtsverhaeltnisseGleiche Rechte, moralische ZurechnungsfaehigkeitEntrechtung, DiskriminierungMigrationsforschung, Behinderung, Menschenrechte
Solidaritaet / WertschaetzungWertgemeinschaft (Gesellschaft, Arbeit)Soziale Wertschaetzung von Faehigkeiten und BeitraegenEntwuerdigung, Stigmatisierung, UnsichtbarkeitArbeitssoziologie, Ehrenamt, Profession, Identitaet

Liebe, Recht, Solidarität – drei Anerkennungsformen, die als Analysekategorien für qualitative Interviews ebenso funktionieren wie als Kodierrahmen für Dokumentenanalysen. Unsere Autoren setzen Honneths Kategorien auf Ihr empirisches Material an und arbeiten Missachtungserfahrungen in den drei Sphären heraus – so wird die Anerkennungstheorie vom theoretischen Referenzrahmen zum analytischen Werkzeug.

Honneth in der Thesis: Der Vorteil

Honneths Anerkennungstheorie ist empirisch besonders gut operationalisierbar, weil die drei Anerkennungsformen als Analysekategorien fuer qualitative Daten funktionieren: Analysieren Sie Interviewmaterial nach Anerkennungs- und Missachtungserfahrungen in den drei Sphaeren. Oder verwenden Sie die Missachtungsformen als Kodierung fuer Dokumentenanalysen (z.B. politische Debatten: Werden bestimmte Gruppen entrechtet, stigmatisiert, unsichtbar gemacht?). Verbindung zu Bourdieu: Symbolisches Kapital (Anerkennung) und symbolische Gewalt (Missachtung) – die Verbindung ist theoretisch begruendbar.

5. Methodische Zugaenge zur Kritischen Theorie

Die Kritische Theorie hat keine eigene Methode im engeren Sinne – sie ist ein theoretischer Rahmen, der mit verschiedenen Methoden verbunden werden kann. Entscheidend: Die Methode muss zum kritischen Anspruch passen.

MethodeVerbindung zur Kritischen TheorieTypische Anwendung
DiskursanalyseIdeologiekritik: Welche Selbstverstaendlichkeiten werden diskursiv produziert? Welche Herrschaftsverhaeltnisse stabilisiert?Medienanalyse, Policy-Analyse, oeffentliche Debatten
Qualitative InterviewsMissachtungserfahrungen (Honneth), Kolonialisierungserfahrungen (Habermas) aus der Perspektive der Betroffenen rekonstruierenArbeitssoziologie, Bildungsforschung, Migrationsforschung
Immanente Kritik (Textanalyse)Texte an ihren eigenen Anspruechen messen: Widerspricht sich der Text selbst? Realisiert er, was er verspricht?Analyse von Programmatiken, Leitbildern, Grundsatzdokumenten
Quantitative AnalyseUngleichheitsstrukturen empirisch belegen, die die Kritische Theorie theoretisch beschreibt (Habermas: Kolonialisierung, Honneth: Entrechtung)Sekundaeranalyse von Ungleichheitsdaten (SOEP, ALLBUS)
Ethnographie / BeobachtungAlltagspraktiken beobachten, in denen sich Herrschaft und Widerstand zeigenInstitutionenanalyse (Schule, Krankenhaus, Arbeitsplatz)

Diskursanalyse für Ideologiekritik, qualitative Interviews für Missachtungserfahrungen, immanente Kritik für Programmatik-Analysen, Sekundäranalyse für Ungleichheitsbelege – die Methodenwahl bestimmt, wie der kritische Anspruch empirisch eingelöst wird. Unsere Ghostwriter beraten bei dieser Entscheidung und stellen sicher, dass Methode und Theorierahmen zusammenpassen: Eine Kolonialisierungsanalyse nach Habermas braucht anderes Material als eine Anerkennungsanalyse nach Honneth.

6. Typische Anwendungsfelder

Medien & Oeffentlichkeit

  • Strukturwandel der Oeffentlichkeit 2.0: Social Media und deliberative Demokratie
  • Kulturindustrie im Streaming-Zeitalter
  • Fake News und die Erosion von Geltungsanspruechen
  • Algorithmische Oeffentlichkeit: Filterblasen als Verstaendigungsbarrieren

Bildung & Wissenschaft

  • Oekonomisierung der Hochschule (Kolonialisierung)
  • Kompetenzorientierung als instrumentelle Vernunft
  • Bildungsgerechtigkeit und Anerkennungskaempfe
  • Wissenschaftsfreiheit vs. gesellschaftliche Verwertung

Arbeit & Wirtschaft

  • Entfremdung in der Plattformoekonomie (Adorno/Marx)
  • Anerkennung und Missachtung in der Care-Arbeit (Honneth)
  • New Work: Befreiung oder neue Herrschaftsform?
  • Grundeinkommen: Entkopplung von Arbeit und Anerkennung

Demokratie & Politik

  • Deliberative Demokratie: Sind Buergerforen herrschaftsfreie Diskurse?
  • Populismus als Pathologie der Kommunikation
  • Postdemokratie: Wenn systemische Imperative Demokratie aushoeihlen
  • Klimabewegung: Soziale Kaempfe als Anerkennungskaempfe

Ob Medienanalyse mit Adorno, Hochschulforschung mit Habermas, Care-Arbeit mit Honneth oder Demokratietheorie mit der Diskursethik – in jedem dieser Felder haben unsere Autoren bereits Thesen mit kritisch-theoretischem Rahmen begleitet. Sprechen Sie uns an, wenn Sie unsicher sind, ob eine normativ-kritische Perspektive zu Ihrem Thema passt – manchmal ist Foucaults analytische Machtbeschreibung die produktivere Wahl, und wir sagen das offen.

7. Haeufige Fehler bei der Anwendung der Kritischen Theorie in der Thesis

Nur philosophieren, nicht analysieren

30 Seiten ueber Adorno und Habermas, aber keine empirische Analyse. Die Kritische Theorie muss auf konkretes Material angewendet werden – Texte, Interviews, Daten. Philosophische Reflexion allein reicht nicht fuer eine empirische Abschlussarbeit.

Normativen Massstab nicht transparent machen

Es wird „kritisiert", aber der Massstab der Kritik bleibt unklar. Kritik braucht einen begruendeten normativen Bezugspunkt: herrschaftsfreier Diskurs (Habermas), Anerkennung (Honneth), Nicht-Identitaet (Adorno). Benennen Sie diesen Massstab explizit.

Adorno auf 2025 anwenden, ohne zu aktualisieren

Kulturindustrie-These von 1947 eins zu eins auf TikTok uebertragen – ohne die veraenderten Medienbedingungen zu reflektieren. Kritische Theorie muss aktualisiert werden: Was ist heute anders? Was bestaetigt sich, was nicht?

Generationen nicht unterscheiden

Adorno, Habermas und Honneth werden als einheitliche „Frankfurter Schule" behandelt. Die Generationen haben fundamental unterschiedliche Grundannahmen: Adorno ist pessimistischer als Habermas, Habermas rationalistischer als Honneth. Positionieren Sie sich.

Keine Primaerquellen

Nur Einfuehrungsliteratur (Honneth/Reemtsma, Brunkhorst). Gutachter erwarten Primaertexte: Habermas „Theorie des kommunikativen Handelns" (zumindest Bd. 2, Kap. 6–8), Horkheimer/Adorno „Dialektik der Aufklaerung" (Kulturindustrie-Kapitel), Honneth „Kampf um Anerkennung" (Kap. 5–8).

Kritische Theorie = Meinungsaufsatz

Unter dem Label „Kritische Theorie" wird ein politischer Essay geschrieben – ohne methodische Strenge, ohne empirische Grundlage, ohne theoretische Praezision. Kritische Theorie ist nicht „ich finde X schlecht" – sie ist eine systematische Analyse von Herrschaftsverhaeltnissen mit begruendetem normativem Massstab.

Nur philosophieren statt analysieren, den normativen Maßstab verschweigen, Adorno unaktualisiert übertragen, Generationen nicht unterscheiden, keine Primärquellen, Kritik mit Meinung verwechseln – sechs Fehler, die zusammen den Großteil aller Gutachterkritik an kritisch-theoretischen Arbeiten ausmachen. Unsere Autoren strukturieren Ihre Thesis so, dass der normative Maßstab transparent, die Empirie fundiert und die theoretische Positionierung innerhalb der Frankfurter Schule begründet ist.

Haeufig gestellte Fragen zur Kritischen Theorie in der Thesis

Kann ich Kritische Theorie in der Bachelorarbeit verwenden?

Ja – aber fokussiert. Empfehlung fuer die BA: Waehlen Sie ein Konzept und wenden Sie es konkret an. Zum Beispiel: Honneths drei Anerkennungsformen als Analysekategorien fuer Interviews. Oder: Habermas' Kolonialisierungsthese als Folie fuer eine Fallanalyse. Oder: Adornos Kulturindustrie-Konzept fuer eine Medienanalyse. Versuchen Sie nicht, die gesamte Frankfurter Schule von Horkheimer bis Honneth abzubilden. In der Masterarbeit: Ein differenzierterer Theorieteil mit Positionierung innerhalb der Kritischen Theorie ist erwartet.

Adorno oder Habermas – wen soll ich waehlen?

Das haengt von Ihrer Fragestellung und Ihrem Erkenntnisinteresse ab. Adorno wenn Sie: (1) Kulturphaenomene ideologiekritisch analysieren wollen (Medien, Kunst, Konsum), (2) an der Ambivalenz der Vernunft interessiert sind, (3) eine eher pessimistische/radikale Diagnose formulieren wollen. Habermas wenn Sie: (1) Kommunikation und Deliberation analysieren (oeffentliche Debatten, Partizipation, Demokratie), (2) die Beziehung System/Lebenswelt untersuchen (Oekonomisierung, Buerokratisierung), (3) einen konstruktiveren Ausblick formulieren wollen (kommunikative Vernunft als Emanzipationspotenzial). Honneth wenn Sie: soziale Konflikte, Diskriminierung, Identitaetspolitik oder Care-Arbeit analysieren – Missachtungserfahrungen als empirisch greifbare Kategorien.

Wie unterscheidet sich Kritische Theorie von Foucaults Machtanalyse?

Der zentrale Unterschied ist die Normativitaet. Die Kritische Theorie hat einen normativen Massstab: Sie beurteilt Gesellschaft an der Moeglichkeit eines besseren Lebens (herrschaftsfreier Diskurs, gelingende Anerkennung). Foucault lehnt einen solchen Massstab ab – er analysiert Macht, ohne zu sagen, dass Macht „schlecht" ist. Macht ist bei Foucault produktiv (sie erzeugt Wissen und Subjekte), bei Habermas verzerrend (sie unterdrueckt Verstaendigung). Fuer die Thesis: Wenn Sie eine normative Kritik formulieren wollen → Kritische Theorie. Wenn Sie beschreiben wollen, wie Macht funktioniert, ohne normativ zu urteilen → Foucault.

Was ist „immanente Kritik" und wie setze ich sie um?

Immanente Kritik misst einen Gegenstand an seinen eigenen Anspruechen – nicht an einem externen Massstab. Beispiel: Eine Universitaet behauptet, „exzellente Forschung und Lehre" zu foerdern (eigener Anspruch). Die immanente Kritik prueft: Wird dieser Anspruch tatsaechlich eingeloest – oder wird er durch Sparmassnnahmen, Ueberlast und Drittmittelabhaengigkeit systematisch unterlaufen? In der Thesis: (1) Formulieren Sie den Anspruch Ihres Gegenstands (aus Leitbildern, Programmatiken, Selbstbeschreibungen). (2) Analysieren Sie die Wirklichkeit (aus empirischem Material). (3) Zeigen Sie die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit – und erklaeren Sie sie. Das ist die staerkste Form der Kritik, weil sie den Gegenstand beim Wort nimmt.

Welche Primaertexte muss ich gelesen haben?

Fuer Adorno/Horkheimer (BA): Das Kulturindustrie-Kapitel aus der „Dialektik der Aufklaerung" (~40 Seiten). Fuer Habermas (BA): „Theorie des kommunikativen Handelns", Bd. 2, Kap. 6 (System und Lebenswelt) und Kap. 8 (Kolonialisierung). Alternativ: „Strukturwandel der Oeffentlichkeit" (kuerzer, zugaenglicher). Fuer Honneth (BA): „Kampf um Anerkennung", Kap. 5–8 (die drei Anerkennungsformen). MA: Zusaetzlich: Habermas „Faktizitaet und Geltung" (fuer Demokratietheorie), Horkheimer „Traditionelle und Kritische Theorie" (Programmschrift 1937). Einfuehrung: Wiggershaus „Die Frankfurter Schule" (umfassend), Jaeggi/Wesche (Hrsg.) „Was ist Kritik?" (aktuell und praegnant).

Kann ich Kritische Theorie mit Bourdieu kombinieren?

Ja – und die Kombination ist in der Bildungs-, Kultur- und Ungleichheitssoziologie verbreitet. Verbindungen: (1) Bourdieu + Honneth: Symbolisches Kapital als institutionalisierte Anerkennung. Symbolische Gewalt als systematische Missachtung. (2) Bourdieu + Habermas: Schwieriger, weil Bourdieu Habermas' Verstaendigungsmodell kritisiert hat (Sprache als Herrschaftsinstrument, nicht als Verstaendigungsmedium). Aber: Bourdieus Feldtheorie kann Habermas' Kolonialisierungsthese empirisch fundieren. (3) Bourdieu + Adorno: Kulturelles Kapital und Kulturindustrie – wie wird kultureller Geschmack durch Industrie produziert und durch Klassenposition strukturiert? Begruenden Sie die Kombination theoretisch – die Autoren haben unterschiedliche Gesellschaftsbilder.

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crossmenu