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Ghostwriter von Otto Wels

Otto Wels war seit dem Ende des Kaiserreiches bis zum Machtantritt der NSDAP in Deutschland Vorsitzender der SPD und gleichzeitig auch Abgeordneter des Reichstags. Berühmt wurde Otto Wels jedoch vor allem durch seine Rede in der Krolloper, die als die letzte freie Reichstagsrede vor Hitlers Machtantritt gilt und in welcher er am 23. März 1933 in bewegten Worten gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten polemisierte. In der Folge wurde ihm dann die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt und er starb im Exil in Paris. Wenig bekannt ist allerdings bislang, dass auch Otto Wels einen professionellen Redenschreiber hatte. Als der Ghostwriter von Otto Wels fungierte nämlich Friedrich Stampfer.

Der Ghostwriter von Otto Wels war Redakteur der „Leipziger Volkszeitung“

Friedrich Stampfer wurde im Jahre 1874 in Brünn geboren. Ehe er schließlich der Ghostwriter von Otto Wels werden sollte, studierte er zunächst Volkswirtschaft in Wien und Leipzig und wirkte in den Jahren zwischen 1900 und 1902 als Redakteur der bekannten und beliebten „Leipziger Volkszeitung“. Ab 1902 lebte Friedrich Stampfer als freier Schriftsteller in Berlin und betätigte sich unter anderem auch als Redakteur der sozialdemokratischen Zeitschrift „Vorwärts“ sowie als Herausgeber verschiedener sozialdemokratischer Publikation. Am Ersten Weltkrieg nahm Friedrich Stampfer als Soldat der österreichischen Armee teil. Nach Kriegsende wurde er sogleich zum Chefredakteur des „Vorwärts“ berufen, eine Position, welche er dann bis zum Reichstagsbrand innehaben sollte. Als Mitglied des zentralen Parteivorstands und Mitglied der Programmkommission der SPD wurde er schließlich auch zum Ghostwriter von Otto Wels, dem Parteivorsitzenden.