Bachelorarbeit als Literaturarbeit schreiben

Eine Literaturarbeit analysiert und synthetisiert bestehende Forschung, ohne eigene Daten zu erheben. Hier erfahren Sie, wie Sie systematisch vorgehen, Literatur auswerten und eine wissenschaftlich fundierte Argumentation entwickeln.

Keine Datenerhebung nötig
Systematische Methodik
Synthese & Argumentation
Praxisnahe Anleitung

1. Was ist eine Literaturarbeit?

Definition: Eine Literaturarbeit (auch: theoretische Arbeit, Literaturreview, Literature Review) ist eine wissenschaftliche Arbeit, die ausschließlich auf der Analyse und Synthese bestehender Literatur basiert, ohne eigene empirische Datenerhebung durchzuführen.

Kernmerkmale einer Literaturarbeit

  • Keine eigene Datenerhebung: Keine Umfragen, Interviews, Experimente oder Beobachtungen
  • Systematische Literaturanalyse: Strukturiertes Suchen, Auswählen und Bewerten von Quellen
  • Kritische Auseinandersetzung: Analyse, Vergleich und Bewertung verschiedener Positionen
  • Synthese & Argumentation: Zusammenführung der Erkenntnisse zu neuen Einsichten
  • Forschungsfrage beantworten: Durch Auswertung existierender Studien und Theorien

Abgrenzung: Literaturarbeit vs. Empirische Arbeit

Aspekt Literaturarbeit Empirische Arbeit
Datenquelle Bestehende Forschung (Bücher, Artikel, Studien) Selbst erhobene Daten (Umfragen, Interviews, Experimente)
Methodik Literaturrecherche, Analyse, Synthese Forschungsdesign, Datenerhebung, Auswertung
Forschungsfrage "Was sagt die Forschung zu...?", "Wie wird... theoretisch erklärt?" "Gibt es einen Zusammenhang zwischen...?", "Wie wirkt sich... aus?"
Zeitaufwand Mittelhoch (intensive Lektüre erforderlich) Hoch (Erhebung + Auswertung zeitintensiv)
Eigene Leistung Kritische Analyse, Synthese, neue Perspektive Forschungsdesign, Datenerhebung, neue Erkenntnisse
Ergebnis Zusammenfassung, Vergleich, Bewertung des Forschungsstands Neue empirische Befunde, Hypothesentests

Empirische Arbeit schreiben | Theoretische Arbeit

💡 Wichtig zu verstehen

Eine Literaturarbeit ist NICHT einfach eine Zusammenfassung von Texten! Sie erfordert:

  • Kritische Analyse: Stärken und Schwächen verschiedener Ansätze erkennen
  • Systematisches Vorgehen: Nachvollziehbare Auswahl und Bewertung von Quellen
  • Synthese: Verbindungen zwischen verschiedenen Studien herstellen
  • Eigene Argumentation: Position entwickeln und begründen

Eine gute Literaturarbeit bietet durch ihre Synthese einen Mehrwert gegenüber den Einzelquellen!

2. Vorteile & Nachteile einer Literaturarbeit

Vorteile

✅ Keine Datenerhebung nötig

Größter Vorteil:

  • Keine Umfragen erstellen und durchführen
  • Keine Interviews führen und transkribieren
  • Keine Experimente planen und durchführen
  • Spart mehrere Wochen Zeit!

✅ Ortsunabhängig durchführbar

Flexibilität:

  • Von überall aus arbeitbar (Bibliothek, Zuhause)
  • Keine Abhängigkeit von Probanden oder Laboren
  • Perfekt für Remote-Arbeit
  • Keine Terminkoordination nötig

✅ Geringere Kosten

Budgetfreundlich:

  • Keine Incentives für Teilnehmer
  • Keine Laborkosten oder Materialien
  • Keine Transkriptionssoftware nötig
  • Meist nur Druck- und Bindekosten

✅ Zugang zu breitem Wissensstand

Umfassender Überblick:

  • Viele Studien und Perspektiven nutzbar
  • Internationale Forschung einbeziehbar
  • Historische Entwicklung nachvollziehbar
  • Verschiedene Theorien vergleichbar

✅ Schnellere Umsetzung möglich

Zeitvorteil:

  • Bei guter Vorbereitung in 3-4 Wochen machbar
  • Keine Wartezeiten auf Probanden
  • Keine Abhängigkeit von externen Faktoren
  • Zeitplan besser planbar

Bachelorarbeit in 3 Wochen

✅ Ideal für theoretische Themen

Themenvielfalt:

  • Perfekt für Konzeptanalysen
  • Geeignet für Theorienvergleiche
  • Gut für historische Betrachtungen
  • Optimal für Meta-Analysen

Nachteile

❌ Keine eigenen Daten

Einschränkung:

  • Abhängig von existierender Forschung
  • Kann keine neuen empirischen Befunde generieren
  • Forschungslücken nicht selbst füllen
  • Manche Prüfer bevorzugen Empirie

❌ Hoher Leseaufwand

Zeitintensiv:

  • 30-60 Quellen müssen gelesen werden
  • Intensive Auseinandersetzung nötig
  • Zeitaufwand oft unterschätzt
  • Konzentration über lange Phasen nötig

❌ Synthesefähigkeit gefordert

Anspruchsvoll:

  • Verbindungen zwischen Studien herstellen
  • Widersprüche analysieren und auflösen
  • Eigene Perspektive entwickeln
  • Nicht alle können gut synthetisieren

❌ Gefahr der Oberflächlichkeit

Qualitätsrisiko:

  • Versuchung, nur zusammenzufassen
  • Kritische Analyse wird oft vergessen
  • Eigene Leistung nicht klar erkennbar
  • Notensabzug bei fehlender Tiefe

⚠️ Nicht für jedes Thema geeignet

Eine Literaturarbeit eignet sich NICHT für:

  • Themen mit wenig existierender Forschung (neue Phänomene)
  • Praxisorientierte Fragestellungen, die Feldforschung erfordern
  • Hypothesentests, die neue Daten brauchen
  • Sehr spezialisierte Nischen ohne ausreichende Literatur

Prüfen Sie vorab: Gibt es mindestens 30-40 relevante wissenschaftliche Quellen zu Ihrem Thema?

3. Aufbau & Struktur einer Literaturarbeit

Eine Literaturarbeit folgt einer klaren Struktur:

Klassischer Aufbau (40-60 Seiten)

  1. Einleitung (4-6 Seiten, ~10%)
    • Problemstellung und Relevanz
    • Forschungsfrage und Zielsetzung
    • Abgrenzung des Themas
    • Aufbau der Arbeit
  2. Theoretischer Rahmen (10-15 Seiten, ~25%)
    • Zentrale Begriffe definieren
    • Relevante Theorien vorstellen
    • Konzeptioneller Rahmen entwickeln
  3. Methodik der Literaturrecherche (6-8 Seiten, ~15%)
    • Suchstrategie dokumentieren (Datenbanken, Suchbegriffe)
    • Ein- und Ausschlusskriterien begründen
    • Anzahl und Auswahl der Quellen darstellen
    • Analysemethode beschreiben
  4. Systematische Literaturanalyse (15-20 Seiten, ~35%)
    • Darstellung des Forschungsstands strukturiert nach Themen/Aspekten
    • Kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Positionen
    • Vergleich und Bewertung von Studien
    • Identifikation von Gemeinsamkeiten, Widersprüchen, Lücken
  5. Diskussion & Synthese (6-8 Seiten, ~15%)
    • Zusammenführung der Erkenntnisse
    • Beantwortung der Forschungsfrage
    • Implikationen für Theorie und Praxis
    • Kritische Reflexion
  6. Fazit (4-6 Seiten, ~10%)
    • Zusammenfassung der Hauptergebnisse
    • Beantwortung der Forschungsfrage
    • Limitationen benennen
    • Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf

Gliederung erstellen | Einleitung schreiben | Fazit schreiben

Besonderheit: Das Methodik-Kapitel

Bei einer Literaturarbeit beschreibt die Methodik NICHT die Datenerhebung (gibt es ja nicht!), sondern die Literaturrecherche und -auswahl:

✓ Was muss ins Methodik-Kapitel?

  • Suchstrategie: Welche Datenbanken? (z.B. Google Scholar, JSTOR, Web of Science)
  • Suchbegriffe: Welche Keywords? (inkl. Synonyme, Kombinationen)
  • Zeitraum: Publikationen der letzten X Jahre?
  • Sprache: Deutsch, Englisch, andere?
  • Publikationstypen: Peer-reviewed Journals, Bücher, Konferenzbeiträge?
  • Einschlusskriterien: Was wurde ausgewählt? (z.B. empirische Studien, theoretische Arbeiten)
  • Ausschlusskriterien: Was wurde ausgeschlossen? (z.B. nicht peer-reviewed, Duplikate)
  • Anzahl Quellen: Wie viele Treffer? Wie viele nach Filterung übrig?
  • Analysemethode: Wie wurden Quellen ausgewertet? (thematische Analyse, Kategorienbildung)

Methodik schreiben

4. Schritt-für-Schritt-Anleitung

So gehen Sie systematisch vor:

1

Forschungsfrage präzise formulieren

Der wichtigste erste Schritt!

Gute Forschungsfragen für Literaturarbeiten:

  • "Wie wird das Konzept X in der Forschung definiert und operationalisiert?"
  • "Welche Faktoren beeinflussen laut Forschung Y?"
  • "Wie hat sich die Theorie Z in den letzten 20 Jahren entwickelt?"
  • "Was sind die zentralen Kontroversen zur Thematik A?"

Tipp: Frage sollte durch Literaturanalyse beantwortbar sein!

Forschungsfrage entwickeln

2

Systematische Literaturrecherche durchführen

Strukturiert vorgehen spart Zeit!

Vorgehen:

  • Suchbegriffe festlegen (inkl. Synonyme, englische Begriffe)
  • Mehrere Datenbanken nutzen (Google Scholar, JSTOR, EBSCO, etc.)
  • Schneeballsystem: Literaturverzeichnisse durchsehen
  • Mindestens 40-60 Quellen sammeln (nicht alle werden verwendet!)
  • Dokumentieren: Was wurde wo gesucht?

Literaturrecherche durchführen

3

Literatur selektieren & bewerten

Qualität vor Quantität!

Auswahlkriterien anwenden:

  • Relevanz für Forschungsfrage (wichtigstes Kriterium!)
  • Qualität der Quelle (peer-reviewed?)
  • Aktualität (bevorzugt letzte 5-10 Jahre)
  • Methodische Güte (bei empirischen Studien)
  • Zitationshäufigkeit (Impactfaktor)

Ziel: 30-40 hochwertige Quellen für die finale Analyse

4

Literatur lesen & exzerpieren

Systematisch auswerten!

Exzerpt-Technik:

  • Für jede Quelle: Bibliographische Angaben, Forschungsfrage, Methodik, Hauptergebnisse, Kritik
  • Wichtige Zitate mit Seitenzahl notieren
  • Eigene Gedanken und Verbindungen festhalten
  • Kategorien/Themen zuordnen

Exzerpte anfertigen

5

Thematische Struktur entwickeln

Literatur ordnen und strukturieren!

Strukturierungsoptionen:

  • Thematisch: Nach Aspekten/Dimensionen der Forschungsfrage
  • Chronologisch: Nach Entwicklung der Forschung über Zeit
  • Theoretisch: Nach verschiedenen theoretischen Ansätzen
  • Methodisch: Nach Forschungsmethoden (qualitativ, quantitativ, mixed)

Tipp: Meist ist thematische Struktur am sinnvollsten!

6

Literaturanalyse schreiben

Das Herzstück Ihrer Arbeit!

Wichtig: Nicht chronologisch "Autor X sagt..., Autor Y sagt..." schreiben!

Besser: Thematisch strukturieren:

  • Kapitel nach Themen/Aspekten gliedern
  • Pro Thema: Verschiedene Positionen gegenüberstellen
  • Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten
  • Kritisch bewerten: Stärken und Schwächen
  • Eigene Einschätzung entwickeln
7

Synthese & Diskussion entwickeln

Ihre eigene Leistung!

Was gehört in die Synthese?

  • Zusammenführung der Einzelerkenntnisse
  • Beantwortung der Forschungsfrage
  • Identifikation von Mustern, Trends, Lücken
  • Theoretische und praktische Implikationen
  • Eigene kritische Einordnung

Diskussion schreiben

8

Überarbeiten & Qualität sichern

Der Feinschliff zählt!

Prüfen Sie:

  • Roter Faden erkennbar? Führt alles zur Beantwortung der Forschungsfrage?
  • Kritische Analyse vorhanden? (nicht nur Wiedergabe!)
  • Synthese erkennbar? (nicht nur Aneinanderreihung!)
  • Alle Quellen korrekt zitiert?
  • Methodik nachvollziehbar dokumentiert?

Roter Faden prüfen | Lektorat

5. Literaturauswahl & -bewertung

Die Qualität Ihrer Arbeit steht und fällt mit der Auswahl der Literatur:

Qualitätskriterien für Quellen

Kriterium Sehr gut geeignet Bedingt geeignet Nicht geeignet
Publikationstyp Peer-reviewed Journals, Monographien Konferenzbeiträge, Sammelbandbeiträge Wikipedia, Blogs, Hausarbeiten
Aktualität Letzte 5 Jahre 5-10 Jahre (bei Klassikern auch älter) Sehr veraltet (>20 Jahre ohne Klassiker-Status)
Zitierhäufigkeit Häufig zitiert, hoher Impact Moderate Zitationen Gar nicht oder kaum zitiert
Autor Renommierte Forscher, Professoren Doktoranden, Postdocs Unbekannte Autoren ohne akademische Affiliation
Methodische Güte Klare Methodik, valide Ergebnisse Kleinere methodische Schwächen Keine/unklare Methodik, nicht nachvollziehbar

Top-Quellen: Peer-reviewed Journals

Die besten wissenschaftlichen Quellen:

  • Durchlaufen strenges Review-Verfahren
  • Hohe Qualitätsstandards
  • Von Experten geprüft
  • International anerkannt

Beispiele: Journal of Marketing, Psychological Bulletin, etc.

Gute Quellen: Monographien & Handbücher

Für Überblick und Vertiefung:

  • Umfassende Darstellung von Themen
  • Von Experten geschrieben
  • Oft als Standardwerke anerkannt
  • Gut für theoretischen Rahmen

Ergänzung: Graue Literatur

Mit Vorsicht nutzen:

  • Working Papers, Forschungsberichte
  • Statistische Berichte (z.B. Destatis)
  • Regierungsdokumente
  • Nur wenn glaubwürdig und relevant!

Nicht verwenden: Nicht-wissenschaftliche Quellen

Ungeeignet:

  • Wikipedia (nur als Einstieg, nicht zitieren!)
  • Blogs, Foren, Social Media
  • Nicht peer-reviewed Artikel
  • Hausarbeiten, Abschlussarbeiten

💡 Literatursättigung: Wann haben Sie genug?

Sie haben ausreichend Literatur, wenn:

  • Neue Quellen keine wesentlichen neuen Erkenntnisse mehr bringen
  • Immer wieder die gleichen Autoren und Studien auftauchen
  • Sie alle wichtigen Perspektiven und Debatten abdecken
  • Mindestens 30-40 hochwertige Quellen vorhanden sind

6. Synthese & Argumentation: Das Herzstück

Eine Literaturarbeit ist mehr als eine Aneinanderreihung von Zusammenfassungen – Sie müssen synthetisieren!

Was bedeutet "Synthese"?

Synthese = Verschiedene Erkenntnisse zu etwas Neuem verbinden

Konkret bedeutet das:

  • Gemeinsamkeiten identifizieren: "Alle Studien zeigen, dass..."
  • Unterschiede herausarbeiten: "Während X behauptet..., argumentiert Y..."
  • Widersprüche auflösen: "Dieser Unterschied lässt sich durch Z erklären..."
  • Muster erkennen: "Es zeigt sich ein Trend in Richtung..."
  • Lücken benennen: "Bisher wurde Aspekt A vernachlässigt..."
  • Eigene Position entwickeln: "Basierend auf der Literatur lässt sich argumentieren, dass..."

Schlechte vs. gute Synthese im Vergleich

Aspekt ❌ Schlechte Literaturarbeit (Aneinanderreihung) ✅ Gute Literaturarbeit (Synthese)
Struktur "Müller (2020) sagt..., Schmidt (2019) sagt..., Weber (2021) sagt..." Thematische Kapitel: "Faktor X wird von mehreren Autoren diskutiert. Während Müller... betont, sehen Schmidt und Weber..."
Verbindungen Keine Verbindungen zwischen Studien "Diese Befunde ergänzen sich mit denen von...", "Im Gegensatz dazu zeigt..."
Kritik Nur Wiedergabe, keine Bewertung "Ein Schwachpunkt dieser Studie ist...", "Methodisch überzeugender ist..."
Eigenleistung Keine erkennbare eigene Leistung Eigene Einordnung, Bewertung, Schlussfolgerungen

Strategien für gute Synthese

Strategie 1: Thematisch gruppieren

Nicht chronologisch, sondern thematisch!

  • Identifizieren Sie 3-5 Hauptthemen
  • Ordnen Sie Studien diesen Themen zu
  • Diskutieren Sie pro Thema verschiedene Perspektiven

Strategie 2: Vergleichende Analyse

Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten:

  • Was haben alle Studien gemeinsam?
  • Wo unterscheiden sie sich?
  • Wie lassen sich Unterschiede erklären?

Strategie 3: Kritische Bewertung

Stärken und Schwächen benennen:

  • Methodische Qualität bewerten
  • Limitationen identifizieren
  • Übertragbarkeit einschätzen

Strategie 4: Integration & Gesamtbild

Das große Ganze sehen:

  • Was ist der Konsens der Forschung?
  • Wo gibt es Kontroversen?
  • Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?

⚠️ Häufigster Fehler: Keine Synthese!

Viele Studierende machen den Fehler: Sie schreiben Kapitel für Kapitel "Autor X sagt das, Autor Y sagt jenes" – ohne Verbindungen herzustellen!

Das Ergebnis: Eine Arbeit, die wie ein Katalog wirkt, nicht wie eine wissenschaftliche Analyse. Die Konsequenz: Notenabzug!

Lösung: Denken Sie in Themen, nicht in Autoren! Fragen Sie sich immer: "Was ist die Verbindung? Wo ist der Widerspruch? Was bedeutet das?"

7. Qualitätskriterien einer guten Literaturarbeit

Woran erkennt man eine qualitativ hochwertige Literaturarbeit?

✓ Checkliste: Qualitätsmerkmale

  • Systematisches Vorgehen: Literaturrecherche und -auswahl nachvollziehbar dokumentiert
  • Breite Literaturbasis: Mindestens 30-40 wissenschaftliche Quellen verschiedener Autoren
  • Aktuelle Literatur: Schwerpunkt auf den letzten 5-10 Jahren (+ relevante Klassiker)
  • Hochwertige Quellen: Überwiegend peer-reviewed Journals und Monographien
  • Kritische Analyse: Nicht nur Wiedergabe, sondern Bewertung und Vergleich
  • Erkennbare Synthese: Verbindungen zwischen Studien, Mustererkennnung, Gesamtbild
  • Eigene Argumentation: Entwicklung einer begründeten Position
  • Roter Faden: Klare Struktur, die zur Beantwortung der Forschungsfrage führt
  • Wissenschaftliche Sprache: Präzise, sachlich, korrekt zitiert
  • Forschungslücken identifiziert: Was fehlt noch in der Forschung?
  • Implikationen abgeleitet: Was bedeuten die Erkenntnisse für Theorie/Praxis?
  • Limitationen reflektiert: Grenzen der Literaturauswahl und Aussagekraft

Was Prüfer bei Literaturarbeiten besonders bewerten

1. Methodische Transparenz

Sehr wichtig!

  • Ist nachvollziehbar, wie Literatur gesucht wurde?
  • Sind Ein-/Ausschlusskriterien klar?
  • Wird die Auswahl begründet?

→ Ohne transparente Methodik: Notenabzug!

2. Analytische Tiefe

Kernkriterium!

  • Geht die Arbeit über Wiedergabe hinaus?
  • Werden Studien kritisch hinterfragt?
  • Werden Widersprüche diskutiert?

→ Oberflächliche Darstellung = maximal 3,0!

3. Syntheseleistung

Eigenleistung erkennbar?

  • Werden Verbindungen hergestellt?
  • Entsteht ein Gesamtbild?
  • Gibt es neue Erkenntnisse durch die Zusammenschau?

→ Gute Synthese = Aufwertung zur 2,0 oder besser!

4. Wissenschaftliche Güte

Formale Anforderungen:

  • Korrekte Zitation durchgängig?
  • Präzise wissenschaftliche Sprache?
  • Logischer Aufbau?

Richtig zitieren | Formatierung

8. Typische Fehler bei Literaturarbeiten

Diese Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden:

1

Fehler: Nur zusammenfassen, nicht analysieren

Häufigster und schwerwiegendster Fehler!

Problem: Studierende schreiben "Müller sagt X, Schmidt sagt Y, Weber sagt Z" ohne kritische Einordnung.

Folge: Arbeit wirkt wie Katalog, keine wissenschaftliche Leistung erkennbar → Note 3,0-3,7

Lösung: Immer bewerten, vergleichen, einordnen! "Während Müller X betont, vernachlässigt er Aspekt Y, den Schmidt hervorhebt..."

2

Fehler: Unsystematische Literaturauswahl

Fehlende Nachvollziehbarkeit

Problem: Quellen scheinen willkürlich ausgewählt, Methodik nicht dokumentiert.

Folge: Prüfer können Auswahl nicht nachvollziehen → Methodenabzug

Lösung: Im Methodik-Kapitel genau dokumentieren: Wo gesucht? Mit welchen Begriffen? Welche Kriterien?

3

Fehler: Zu wenig oder zu alte Literatur

Quantität und Aktualität mangelhaft

Problem: Nur 15-20 Quellen, viele davon älter als 15 Jahre.

Folge: Unvollständiger Forschungsstand → Bewertung "nicht ausreichend recherchiert"

Lösung: Mindestens 30-40 Quellen, Schwerpunkt auf letzten 5-10 Jahren

4

Fehler: Keine erkennbare Struktur

Chaotischer Aufbau

Problem: Literatur wird unsortiert präsentiert, kein roter Faden erkennbar.

Folge: Arbeit schwer lesbar, Argumentation nicht nachvollziehbar → Strukturabzug

Lösung: Thematische Gliederung entwickeln! Jedes Kapitel einem Aspekt der Forschungsfrage widmen.

5

Fehler: Zitierfehler und Plagiate

Formale Mängel

Problem: Inkonsistente Zitation, fehlende Quellenangaben, zu viele wörtliche Zitate.

Folge: Im schlimmsten Fall Plagiatsverdacht → Arbeit wird nicht bewertet!

Lösung: Konsequent direkt beim Schreiben zitieren, Literaturverwaltung nutzen!

Plagiatsprüfung

6

Fehler: Keine Synthese im Diskussionsteil

Fehlende Eigenleistung

Problem: Diskussion wiederholt nur die Literaturanalyse, bringt keine neuen Einsichten.

Folge: Eigenleistung nicht erkennbar → maximale Note 2,7-3,0

Lösung: In der Diskussion: Gesamtbild entwickeln, Forschungsfrage explizit beantworten, Implikationen ableiten!

7

Fehler: Zu breites oder unklares Thema

Fehlender Fokus

Problem: Thema zu breit gewählt → kann nicht in Tiefe behandelt werden.

Folge: Oberflächliche Behandlung vieler Aspekte statt tiefgehende Analyse weniger Aspekte

Lösung: Thema eingrenzen! Lieber ein Aspekt ausführlich als zehn Aspekte oberflächlich.

8

Fehler: Fehlende kritische Distanz

Unkritische Übernahme

Problem: Alle Studien werden als gleichermaßen valide dargestellt, keine Kritik geübt.

Folge: Keine wissenschaftliche Reflexion erkennbar

Lösung: Methodische Schwächen benennen, Limitationen diskutieren, Studienvariationen erklären!

9. Beispiele & Themenideen

Beispiele für geeignete Forschungsfragen

Beispiel BWL / Marketing

Forschungsfrage:

"Welche Faktoren beeinflussen laut aktueller Forschung die Kundenloyalität im E-Commerce?"

Struktur:

  • Kapitel 3: Theoretischer Rahmen (Customer Loyalty, E-Commerce-Besonderheiten)
  • Kapitel 4: Methodik (Literaturrecherche in Marketing-Journals 2015-2025)
  • Kapitel 5: Einflussfaktoren (unterteilt nach: Produktbezogen, Servicebezogen, Technologisch, Psychologisch)
  • Kapitel 6: Diskussion (Konsens, Kontroversen, Forschungslücken)

Marketing-Themen | BWL-Themen

Beispiel Psychologie

Forschungsfrage:

"Wie wird der Zusammenhang zwischen Social Media-Nutzung und psychischem Wohlbefinden in der Forschung erklärt?"

Struktur:

  • Kapitel 3: Theoretische Ansätze (Verschiedene Erklärungsmodelle)
  • Kapitel 4: Methodik (Systematische Literatursuche, Einschlusskriterien)
  • Kapitel 5: Positive Effekte vs. Negative Effekte (Gegenüberstellung der Befunde)
  • Kapitel 6: Moderatoren und Mediatoren (Welche Faktoren beeinflussen die Wirkung?)
  • Kapitel 7: Diskussion (Synthese, Implikationen für Prävention)

Psychologie-Themen

Beispiel Soziale Arbeit

Forschungsfrage:

"Welche Ansätze zur Prävention von Jugendkriminalität werden in der Literatur diskutiert und wie werden sie bewertet?"

Struktur:

  • Kapitel 3: Theoretischer Hintergrund (Ursachen von Jugendkriminalität)
  • Kapitel 4: Methodik (Literaturrecherche sozialwissenschaftlicher Datenbanken)
  • Kapitel 5: Präventionsansätze nach Typ (Primär-, Sekundär-, Tertiärprävention)
  • Kapitel 6: Wirksamkeit und Evaluation (Was zeigt die Forschung?)
  • Kapitel 7: Diskussion (Best Practices, Forschungslücken)

Soziale Arbeit Themen

Weitere Themenideen nach Fachbereich

Betriebswirtschaftslehre

  • Digitalisierung im Mittelstand: Erfolgsfaktoren laut Forschung
  • Mitarbeitermotivation in Remote-Work: Literaturüberblick
  • Corporate Social Responsibility: Theorien und Wirkungsforschung
  • Künstliche Intelligenz im Personalmanagement: Stand der Forschung

Controlling | Personal

Erziehungswissenschaften

  • Inklusion in der Grundschule: Konzepte und Herausforderungen
  • Digitale Medien im Unterricht: Chancen und Risiken laut Forschung
  • Elterliche Erziehungsstile: Klassifikation und Wirkung

Medizin / Gesundheit

  • Burnout-Prävention bei Pflegekräften: Interventionsansätze
  • Telemedizin: Akzeptanz und Barrieren in der Literatur
  • Chronischer Schmerz: Psychologische Einflussfaktoren

Medizinische Themen

Germanistik / Literaturwissenschaft

  • Darstellung von Migration in deutscher Gegenwartsliteratur
  • Rezeption von Kafka: Forschungslinien im Überblick
  • Entwicklung der Genderrollen in Kinder- und Jugendliteratur

Germanistik-Themen

10. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist eine Literaturarbeit einfacher als eine empirische Arbeit?

Jein – es kommt darauf an! Eine Literaturarbeit spart Zeit bei der Datenerhebung, erfordert aber intensive Lektüre und gute Synthesefähigkeit. Manche finden Empirie einfacher (klare Methodik), andere bevorzugen Literatur (keine Probanden nötig). Es ist unterschiedlich schwierig, nicht grundsätzlich einfacher.

Wie viele Quellen brauche ich?

Mindestens 30-40 wissenschaftliche Quellen sollten Sie verwenden. Davon sollten 80% aus den letzten 5-10 Jahren stammen, der Rest können relevante Klassiker sein. Wichtig: Qualität vor Quantität – lieber 35 hochwertige als 60 mittelmäßige Quellen!

Muss ich ein Methodik-Kapitel schreiben?

Ja, unbedingt! Auch bei Literaturarbeiten ist ein Methodik-Kapitel wichtig. Dort dokumentieren Sie Ihre Literaturrecherche: Welche Datenbanken? Welche Suchbegriffe? Welche Ein-/Ausschlusskriterien? Das macht Ihre Arbeit transparent und nachvollziehbar.

Darf ich auch ältere Literatur verwenden?

Ja, aber mit Bedacht! Klassische Werke oder Grundlagentheorien dürfen auch älter sein (z.B. Adam Smith, Sigmund Freud). Der Großteil Ihrer Quellen (80%) sollte aber aus den letzten 5-10 Jahren stammen, um den aktuellen Forschungsstand abzubilden.

Wie verhindere ich, dass meine Arbeit eine bloße Zusammenfassung wird?

Durch kritische Analyse und Synthese! Schreiben Sie nicht "Autor X sagt das, Autor Y sagt jenes", sondern: "Während X behauptet..., argumentiert Y... Diese Unterschiede lassen sich durch Z erklären..." Immer bewerten, vergleichen, einordnen!

Kann ich auch nicht-wissenschaftliche Quellen verwenden?

Nur sehr begrenzt! Wikipedia, Blogs und Zeitungsartikel sind NICHT geeignet als wissenschaftliche Quellen. Ausnahme: Wenn Sie z.B. Medienberichterstattung analysieren. Basis Ihrer Arbeit müssen peer-reviewed Journals und wissenschaftliche Bücher sein.

Wie finde ich relevante Literatur?

Systematisch vorgehen! (1) Google Scholar mit Ihren Keywords durchsuchen, (2) Datenbanken Ihres Fachbereichs nutzen, (3) Literaturverzeichnisse relevanter Studien durchsehen (Schneeballprinzip), (4) Zitierhäufigkeit beachten. → Literaturrecherche

Wie lange dauert eine Literaturarbeit?

Mit guter Vorbereitung: 6-8 Wochen sind realistisch. Davon etwa 2 Wochen für Literaturrecherche und Lesen, 3-4 Wochen für Schreiben, 1-2 Wochen für Überarbeitung. Bei Zeitdruck auch in 3-4 Wochen machbar, wenn Literatur schon bekannt ist. → 3 & 4 Wochen

Brauche ich professionelle Hilfe?

Kann sinnvoll sein! Ein Lektorat verbessert Sprache und Zitation. Coaching hilft bei Strukturfragen und Synthese. Ghostwriter-Bachelorarbeit kann als Orientierung oder bei absoluter Zeitnot dienen – nutzen Sie es verantwortungsvoll!

Wie zitiere ich richtig in einer Literaturarbeit?

Konsequent und konsistent! Wählen Sie einen Zitierstil (APA, Harvard, Chicago) und nutzen Sie ihn durchgängig. Wichtig: Bei Literaturarbeiten viele indirekte Zitate (Paraphrasen), wenige wörtliche Zitate. Nutzen Sie Literaturverwaltung (Citavi, Zotero)! → Richtig zitieren

Welche Note kann ich erwarten?

Abhängig von Ihrer Synthese-Leistung! Oberflächliche Zusammenfassungen: maximal 3,0. Mit kritischer Analyse: 2,3-2,7. Mit guter Synthese und eigener Argumentation: 1,7-2,0. Exzellente Arbeiten mit innovativer Perspektive: 1,0-1,3. Der Schlüssel ist die analytische Tiefe!

Gibt es Vorlagen oder Beispiele?

Ja, orientieren Sie sich an publizierten Literature Reviews! Suchen Sie in Ihrer Fachdisziplin nach "Literature Review" oder "Systematic Review" – das sind professionelle Literaturarbeiten in Journal-Form. Schauen Sie sich Struktur und Vorgehensweise an. Aber: NIEMALS kopieren!

Professionelle Unterstützung für Ihre Literaturarbeit

Eine Literaturarbeit erfordert systematisches Vorgehen, intensive Lektüre und Synthesefähigkeit. Wir unterstützen Sie mit Coaching zur Strukturentwicklung, Lektorat für sprachliche Qualität oder kompletter Ghostwriting-Unterstützung. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Angebot!

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