Akademische Expertise in der Geschichte des Mittelalters – von der Urkundenlehre über die Handschriftenkunde bis zur Verfassungsgeschichte.
Die Mittelalterforschung (Mediävistik) ist durch besondere methodische Anforderungen geprägt: die Arbeit mit handschriftlicher Überlieferung, die Notwendigkeit der Lateinkenntnisse und die enge Verzahnung mit den historischen Hilfswissenschaften. Unsere Ghostwriter für Geschichte sind promovierte Mediävisten, die lateinische Quellen im Original lesen und paläographisch erschließen können.
Die traditionelle Epochenabgrenzung des Mittelalters – von der Völkerwanderung (ca. 375/476) bis zur Reformation bzw. Entdeckung Amerikas (1492/1517) – ist eine Konstruktion der Neuzeit. Der Begriff "medium aevum" (mittleres Zeitalter) wurde von humanistischen Gelehrten geprägt, die sich von dieser "dunklen" Epoche abgrenzten. Moderne Forschung betont stattdessen die Eigenständigkeit und die Transformationsprozesse dieser Zeit.
Im Vergleich zur Neuzeit ist die mittelalterliche Überlieferung fragmentarisch. Der "Überlieferungszufall" bestimmt, welche Quellen erhalten blieben – meist Texte aus kirchlichem Kontext. Die Arbeit mit dem Erhaltenen erfordert methodische Reflexion: Was ist überliefert? Was fehlt? Welche Verzerrungen entstehen durch die selektive Überlieferung?
Die Mediävistik erfordert Lateinkenntnisse – Mittellatein unterscheidet sich dabei vom klassischen Latein. Für bestimmte Regionen sind weitere Sprachen relevant: Mittelhochdeutsch, Altfranzösisch, Altenglisch, Altnordisch. Die Fähigkeit, Quellen im Original zu lesen, ist für wissenschaftliche Arbeiten unerlässlich.
Das Mittelalter wird traditionell in drei Phasen unterteilt, die jeweils eigene Charakteristika, Quellencorpora und Forschungstraditionen aufweisen.
Die Zeit der Transformation von der Spätantike zur mittelalterlichen Ordnung: Völkerwanderung, Entstehung der germanischen Königreiche, Aufstieg des Papsttums, Christianisierung, Karolingische Renaissance. Die Quellenlage ist am dünnsten; Gregor von Tours, Beda Venerabilis und Einhard sind zentrale Autoren.
Die "klassische" Epoche des Mittelalters: Investiturstreit, Kreuzzüge, Aufstieg der Städte, Blüte der Scholastik, Entstehung der Universitäten. Die Überlieferung wird dichter; Urkunden, Chroniken und erste volkssprachliche Literatur (Minnesang, Heldenepik) sind erhalten.
Eine Epoche der Krisen und Transformationen: Pest (Schwarzer Tod), Hundertjähriger Krieg, Großes Schisma, Konziliarismus, Hussitenkriege. Gleichzeitig: Aufstieg der Territorien, Hanse, Frühkapitalismus. Die Quellenlage ist am dichtesten; Verwaltungsschriftgut und städtische Überlieferung nehmen zu.
Die Mediävistik ist traditionell eurozentrisch ausgerichtet, öffnet sich aber zunehmend für globale Perspektiven und Verflechtungsgeschichte. Die Forschung unterscheidet verschiedene Teilbereiche:
West- und Mitteleuropa unter päpstlicher Oberhoheit: Deutsches Reich, Frankreich, England, Italien, Iberische Halbinsel.
Das Oströmische Reich bis 1453: Konstantinopel, orthodoxe Kirche, byzantinische Kultur und ihr Einfluss auf Osteuropa.
Wikingerzeit, Christianisierung, Entstehung der skandinavischen Königreiche. Besondere Quellenlage: Sagas, Runeninschriften.
Polen, Böhmen, Ungarn: Landesausbau, deutsche Ostsiedlung, Personalunionen. Wachsendes Forschungsfeld.
Die mittelalterliche Überlieferung umfasst verschiedene Quellengattungen, die jeweils eigene methodische Zugänge erfordern. Die Monumenta Germaniae Historica (MGH) und die Regesta Imperii sind zentrale Editionsreihen.
Rechtlich relevante Dokumente mit Beweisfunktion: Königs- und Kaiserurkunden, Papsturkunden, Privaturkunden. Die Urkundenlehre (Diplomatik) hat elaborierte Methoden der Echtheitsprüfung und Edition entwickelt. Die MGH Diplomata sind die maßgebliche Edition für Herrscherurkunden.
Geschichtsschreibung des Mittelalters: Annalen (jahresweise Aufzeichnungen), Chroniken (zusammenhängende Darstellungen), Gesta (Tatenberichte), Vitae (Heiligenleben). Die Unterscheidung von Überrest und Tradition ist hier zentral – was wollte der Autor berichten?
Heiligenviten, Mirakelberichte, Translationsberichte, Martyrologien: Diese Quellen dokumentieren nicht nur religiöses Leben, sondern auch Alltagsgeschichte, Mentalitäten und soziale Strukturen. Die hagiographische Methodik hat eigene Regeln der Quellenkritik entwickelt.
Register, Rechnungsbücher, Urbare (Güterverzeichnisse), Lehnsbücher, Zinsregister: Besonders für das Spätmittelalter wird das Verwaltungsschriftgut dichter. Diese Quellen ermöglichen quantifizierende Ansätze und Einblicke in wirtschaftliche und soziale Strukturen.
Leges (Stammesrechte), Kapitularien, Rechtsbücher, Stadtrechte, Weistümer: Die Rechtsgeschichte ist eng mit der Mediävistik verbunden. Der Sachsenspiegel und das Corpus Iuris Canonici sind zentrale Texte für das Verständnis mittelalterlicher Ordnungsvorstellungen.
Päpstliche Register, Formelsammlungen, literarische Briefsammlungen: Briefe sind sowohl Überrest (Kommunikationsmittel) als auch Tradition (bewusste Überlieferung). Die Editionen der MGH Epistolae erschließen zentrale Korrespondenzen.
Architektur, Kunstwerke, archäologische Funde, Münzen, Siegel: Die Zusammenarbeit mit Archäologie und Kunstgeschichte ist für die Mediävistik zentral. Materielle Quellen können schriftliche Überlieferung ergänzen oder korrigieren.
Sakramentare, Pontifikale, Nekrologe, Gebetsverbrüderungen, scholastische Summen: Diese Quellen erschließen religiöse Praktiken, Frömmigkeit und intellektuelle Traditionen. Die Nekrologe (Totengedächtnisbücher) sind für die Prosopographie unverzichtbar.
Die Mediävistik ist untrennbar mit den historischen Hilfswissenschaften verbunden – sie bilden das methodische Handwerkszeug für die Arbeit mit mittelalterlichen Quellen.
Die Wissenschaft von den alten Schriften: Lesen, Datieren und Lokalisieren von Handschriften. Die Entwicklung der Schriftformen – von der spätantiken Unziale über die karolingische Minuskel bis zur gotischen Kursive – ermöglicht die zeitliche und räumliche Einordnung von Manuskripten.
Analyse und Kritik von Urkunden: Echtheitsprüfung, Formularanalyse, Kanzleigeschichte. Die Diplomatik untersucht äußere Merkmale (Schrift, Siegel, Beschreibstoff) und innere Merkmale (Protokoll, Kontext, Eschatokoll) und kann Fälschungen identifizieren.
Erforschung der Siegel: Siegelbilder, Umschriften, Materialien und deren rechtliche Bedeutung. Siegel waren im Mittelalter Authentizitätszeichen und Herrschaftssymbole; ihre Analyse gibt Aufschluss über Rechtsverhältnisse und Selbstdarstellung.
Die Lehre von den Wappen: Blasonierung, Entwicklung des Wappenwesens, Wappen als Identitätszeichen. Wappen identifizieren Personen, Familien und Institutionen und sind für die Prosopographie und Genealogie unverzichtbar.
Erforschung von Münzen: Ikonographie, Münztypen, Münzstätten, Geldumlauf. Münzen sind wichtige Quellen für Wirtschaftsgeschichte, Herrschaftsrepräsentation und – durch Münzfunde – für Handelsbeziehungen.
Die Lehre von der Zeitrechnung: Umrechnung mittelalterlicher Datierungen (Inkarnationsjahr, Indiktion, Regierungsjahre, Heiligenfeste) in das moderne Kalendersystem. Die Osterberechnung (Komputistik) und regionale Unterschiede sind zu beachten.
Kollektive Biographik: Systematische Erfassung von Personengruppen (Bischöfe, Domkapitel, Stadträte). Die prosopographische Methode erschließt soziale Netzwerke, Karrieremuster und Rekrutierungsmechanismen.
Rekonstruktion historischer Raumstrukturen: Grenzen, Verwaltungseinheiten, Verkehrswege, Siedlungsmuster. Die historische Geographie arbeitet heute oft mit GIS (Geographischen Informationssystemen).
Die Mediävistik hat vielfältige Forschungsfelder hervorgebracht, die von traditionellen Schwerpunkten bis zu neueren kulturgeschichtlichen Ansätzen reichen.
Königtum, Kaisertum, Papsttum: Die Frage nach der Legitimation und Ausübung von Herrschaft prägt die Mediävistik seit ihren Anfängen. Konzepte wie "Personenverbandsstaat" (Theodor Mayer), "Königsherrschaft ohne Staat" (Gerd Althoff) und die Ritualforschung haben das Verständnis mittelalterlicher Herrschaft transformiert.
Papsttum, Mönchtum, Frömmigkeit, Reform: Die Kirchengeschichte ist für das Mittelalter unverzichtbar. Die Gregorianische Reform, Ordensgründungen (Cluny, Cîteaux, Bettelorden), Kreuzzüge, Häresien und Inquisition sind zentrale Themen.
Adelsforschung, Ministerialität, Rittertum: Die Sozialgeschichte des Adels untersucht Familienstrukturen, Erbpraktiken, Memoria, Selbstverständnis. Die "Krise des Adels" im Spätmittelalter und der Aufstieg neuer Eliten sind vieldiskutierte Themen.
Stadtentstehung, Kommunebewegung, städtische Verfassung, Hanse: Die Stadtgeschichte ist ein klassisches Feld der Mediävistik. Die Frage "Was ist eine mittelalterliche Stadt?" (Max Weber) und die Bedeutung städtischer Freiheit werden intensiv diskutiert.
Klosterschulen, Universitäten, Scholastik, Wissenstransfer: Die Bildungsgeschichte untersucht die Institutionen und Praktiken der Wissensvermittlung. Der Transfer antiken Wissens über arabische Vermittlung und die Entstehung der Universitäten sind Schwerpunkte.
Grundherrschaft, Fernhandel, Geldwirtschaft, Agrargeschichte: Die Wirtschaftsgeschichte untersucht materielle Grundlagen und wirtschaftliche Verflechtungen. Die Debatte um die "kommerzielle Revolution" des Hochmittelalters und die Krise des Spätmittelalters sind zentral.
Kreuzzüge, Reconquista, Kulturtransfer: Die Forschung zu Kulturkontakten – Christen, Muslime, Juden – hat sich von älteren Konfliktnarrativen gelöst. Konvivenz, Translation arabischer Wissenschaft und mediterrane Verflechtungen sind neue Schwerpunkte.
Rituale, Feste, Emotionen, Körpergeschichte: Die Kulturgeschichte des Mittelalters hat sich in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt. Ansätze der Historischen Anthropologie, Ritualforschung und Emotionengeschichte eröffnen neue Perspektiven.
Von der Hausarbeit bis zur Dissertation – unser Expertenpool aus erfahrenen Ghostwritern unterstützt Sie mit Lateinkenntnissen und paläographischer Expertise.
Lateinkenntnisse sind unverzichtbar – die meisten mittelalterlichen Quellen sind auf Latein verfasst. Je nach Thema können weitere Sprachen relevant sein: Mittelhochdeutsch (deutsche Geschichte), Altfranzösisch (Kreuzzüge, höfische Kultur), Mittelenglisch, Altnordisch (Wikinger). Für das Spätmittelalter wird auch frühneuhochdeutsche Überlieferung wichtig.
Zentrale Editionsreihen sind die Monumenta Germaniae Historica (MGH) für das Reich, die Rolls Series für England, die Recueil des Historiens für Frankreich. Die Regesta Imperii bieten Urkundenregesten. Für den Einstieg empfehlen sich die Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters (www.geschichtsquellen.de) und das Repertorium fontium historiae medii aevi.
Geeignet sind Themen mit guter Quellenlage und klarer Fragestellung: Einzelne Herrscher oder Herrschaften, Bistums- und Klostergeschichte, Stadtgeschichte, Rezeptionsgeschichte. Die Arbeit mit unedierten Quellen ist für Masterarbeiten und Dissertationen reizvoll, erfordert aber paläographische Kompetenz.
Für Seminar- und Bachelorarbeiten können Sie in der Regel auf gedruckte Editionen zurückgreifen. Für Masterarbeiten und Dissertationen ist die Fähigkeit, Handschriften zu lesen, oft erforderlich – insbesondere bei Archivarbeiten. Paläographiekurse werden an den meisten historischen Instituten angeboten.
Die historischen Hilfswissenschaften – Paläographie, Diplomatik, Chronologie etc. – sind das methodische Fundament der Mediävistik. Ohne sie ist die kritische Arbeit mit Originalquellen nicht möglich. Kenntnisse in Paläographie und Diplomatik werden in mediävistischen Seminaren vorausgesetzt oder vermittelt.
Ja, unsere Mediävisten verfügen über die erforderlichen Lateinkenntnisse und können lateinische Quellen im Original lesen, übersetzen und analysieren. Dies gilt für mittellateinische Texte ebenso wie für spätmittelalterliche Urkunden und Chroniken. Auch paläographische Transkriptionen sind möglich.
Unsere promovierten Mediävisten beraten Sie zu Quelleneditionen, lateinischen Texten und wissenschaftlichen Arbeiten – mit der Quellenkenntnis, die die Epoche verlangt.
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