Parodontologie: Parodontitis, Regeneration & Rezessionsdeckung

Akademische Expertise in der Parodontologie – von der Biofilm-Pathogenese über die regenerative Therapie bis zur plastischen Parodontalchirurgie.

Parodontitistherapie
Regenerative Verfahren
Rezessionsdeckung
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Grundlagen der Parodontologie

Die Parodontologie befasst sich mit dem Parodont – dem Zahnhalteapparat bestehend aus Gingiva, Desmodont (Parodontalligament), Wurzelzement und Alveolarknochen. Das Fach umfasst Prävention, Diagnostik und Therapie parodontaler Erkrankungen sowie die plastische Parodontalchirurgie. Zahnmedizin-Ghostwriter haben wissenschaftliche Expertise in der Parodontologie.

Anatomie des Parodonts

Das Parodont bildet eine funktionelle Einheit: Die Gingiva (mastikatorische Mukosa) schützt das darunterliegende Gewebe und bildet den Sulkus (0,5–3 mm). Das Saumepithel verbindet sich über Hemidesmosomen mit der Zahnoberfläche. Das Desmodont (0,15–0,4 mm) verbindet Wurzelzement und Alveolarknochen über kollagene Faserbündel (Sharpey-Fasern) und ermöglicht physiologische Zahnbeweglichkeit.

Ätiologie parodontaler Erkrankungen

Parodontitis ist eine biofilminduzierte, chronisch-entzündliche Erkrankung mit multifaktorieller Ätiologie. Der dentale Biofilm (Plaque) ist notwendig, aber nicht hinreichend – die Wirtsreaktion bestimmt das Ausmaß der Destruktion. Risikofaktoren modifizieren die Wirtsantwort: Rauchen (OR 2–8), Diabetes mellitus (OR 2–3), genetische Faktoren (IL-1-Polymorphismus), Stress, Adipositas.

Pathogenese

Die Dysbiose des oralen Mikrobioms führt zur Aktivierung des angeborenen und erworbenen Immunsystems. Proinflammatorische Zytokine (IL-1β, IL-6, TNF-α) und Matrixmetalloproteinasen (MMPs) vermitteln die Gewebsdestruktion. RANKL aktiviert Osteoklasten und führt zum Alveolarknochenverlust. Die Entzündung wird durch unzureichende Resolution perpetuiert.

💡 Wissenschaftlicher Hinweis: Die Parodontologie bietet vielfältige Forschungsansätze: Mikrobiom-Analysen, Biomarker (GCF, Speichel), Genetik, Regenerative Therapien, Parodontitis-Systemerkrankungen-Interaktion (Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen), Implantologie-Schnittstelle. Für Dissertationsthemen in der Zahnmedizin ist dieser Bereich besonders ergiebig.

Klassifikation Parodontaler Erkrankungen 2018

Die neue Klassifikation (AAP/EFP 2018) ersetzt die Klassifikation von 1999 und unterscheidet Parodontitis nach Stadien (Schweregrad/Komplexität) und Graden (Progressionsrate/Risiko).

🟡 Gingivitis

Biofilminduzierte Gingivitis ist reversibel und geht ohne Attachmentverlust einher. Nicht-biofilminduzierte gingivale Erkrankungen umfassen genetische, virale, pilzbedingte und traumatische Läsionen.

Biofilminduzierte Gingivitis:

  • Intaktes Parodont
  • Reduziertes Parodont (stabile Parodontitis)

Klinische Zeichen:

BOP ≥10%, keine Attachmentverlust, keine röntgenologische Knochenreduktion

🔴 Parodontitis

Definition: Interdentaler Attachmentverlust an ≥2 nicht benachbarten Zähnen ODER bukkaler/oraler Attachmentverlust ≥3 mm mit Sondierungstiefe >3 mm an ≥2 Zähnen (nicht traumatisch/apikal bedingt).

Stadien (Staging) – Schweregrad & Komplexität:

Stadium I CAL 1–2 mm, Knochenverlust <15%
Stadium II CAL 3–4 mm, Knochenverlust 15–33%
Stadium III CAL ≥5 mm, Knochenverlust >33%, ≤4 Zahnverluste
Stadium IV Wie III + Mastikationsdysfunktion, ≥5 Zahnverluste

📊 Grading – Progressionsrate

Das Grading schätzt die Progressionsrate und das Ansprechen auf Therapie. Primäres Kriterium: Knochenverlust/Alter (% RBL/Alter).

Grad A Langsam %RBL/Alter <0,25, nichtraucher, hba1c <7%
Grad B Moderat %RBL/Alter 0,25–1,0, <10 Zig./Tag, HbA1c 7–8%
Grad C Rapid %RBL/Alter >1,0, ≥10 Zig./Tag, HbA1c ≥8%

📋 Weitere Kategorien

Nekrotisierende Parodontalerkrankungen

Nekrotisierende Gingivitis (NUG), Nekrotisierende Parodontitis (NUP), Nekrotisierende Stomatitis. Charakteristisch: Papillennekrose, Pseudomembran, Schmerz, Foetor ex ore.

Parodontitis als Manifestation systemischer Erkrankungen

Genetische Erkrankungen (Down-Syndrom, Papillon-Lefèvre), hämatologische Erkrankungen, Immundefekte.

Parodontale Abszesse & Endo-Paro-Läsionen

Klassifikation nach primärer Ätiologie: Endo-Läsion, Paro-Läsion, kombinierte Läsion (mit/ohne Kommunikation).

📐 Extension & Verteilung

Zusätzlich wird die Extension angegeben:

Lokalisiert <30% der zähne betroffen
Generalisiert ≥30% der Zähne betroffen
Molar-Inzisiven-Muster Spezifisches Befallsmuster

Parodontale Diagnostik

Die systematische parodontale Befunderhebung ist Grundlage für Diagnose, Therapieplanung und Erfolgskontrolle. Sie umfasst klinische und radiologische Parameter.

📏

Sondierungsparameter

Die Sondierung mit standardisierter Kraft (0,2–0,25 N) erfasst die parodontalen Taschen an 6 Stellen pro Zahn.

Sondierungstiefe (ST/PPD)

Abstand Gingivarand – Taschenboden. Normal: 1–3 mm.

Klinischer Attachmentlevel (CAL)

Abstand Schmelz-Zement-Grenze – Taschenboden. Maß für Attachmentverlust.

Rezession (REC)

Abstand Schmelz-Zement-Grenze – Gingivarand. CAL = ST + REC.

🩸

Blutung & Entzündung

Blutung auf Sondierung (BOP) ist der wichtigste klinische Entzündungsparameter und Prädiktor für Progression.

BOP (Bleeding on Probing)

Positiv innerhalb 30 Sekunden nach Sondierung. Ziel: BOP <10% (stabile verhältnisse).

Suppuration

Eiteraustritt aus der Tasche. Zeichen aktiver Infektion.

PISA (Periodontal Inflamed Surface Area)

Quantifizierung der entzündeten Taschenoberfläche in mm².

🦷

Weitere klinische Parameter

  • Furkationsbefall: Grad I (horizontal <3 mm), II (>3 mm, nicht durchgängig), III (durchgängig)
  • Zahnlockerung: Grad 0–III (nicht fühlbar → horizontal >1 mm → zusätzlich axial)
  • Gingivale Rezession: Miller-Klassifikation (I–IV) oder Cairo (RT1–RT3)
  • Keratinisierte Gingiva: Breite in mm (Schmelz-Zement-Grenze bis mukogingivale Grenze)
  • Plaque-Index (PI): Mundhygienekontrolle
📷

Radiologische Diagnostik

Röntgenbilder zeigen den knöchernen Attachmentverlust, können aber die aktuelle Krankheitsaktivität nicht beurteilen.

Röntgenstatus (14 Aufnahmen)

Goldstandard für parodontale Diagnostik. Knochenverlust, Furkationsbefall, Wurzelanatomie.

OPG (Panoramaschichtaufnahme)

Übersicht, aber weniger Detail. Für Screening geeignet.

Knochenverlust-Beurteilung

Horizontal (gleichmäßig) vs. vertikal (angulär, intraossärer Defekt). Prozentual zur Wurzellänge.

📊 PSI (Parodontaler Screening-Index)

Der PSI ermöglicht ein schnelles parodontales Screening mit der WHO-Sonde. Dokumentation des höchsten Codes pro Sextant.

Code 0 Gesund
Code 1 Blutung auf Sondierung
Code 2 Supra-/subgingivaler Zahnstein, überstehende Restaurationsränder
Code 3 Sondierungstiefe 3,5–5,5 mm
Code 4 Sondierungstiefe >5,5 mm

Nicht-chirurgische Parodontitistherapie

Die nicht-chirurgische Therapie (auch: antiinfektiöse Therapie, Stufe 1–2 nach S3-Leitlinie) ist die Grundlage jeder Parodontitisbehandlung. Ziel ist die Elimination des subgingivalen Biofilms und die Schaffung biofilmfreier Wurzeloberflächen.

Stufe 1

Verhaltensänderung & Risikofaktorkontrolle

  • Mundhygieneinstruktion (MHI) und -motivation
  • Professionelle mechanische Plaquereduktion (PMPR)
  • Raucherentwöhnung (wichtigster modifizierbarer Risikofaktor)
  • Diabeteseinstellung (HbA1c-Optimierung)
  • Supragingival Scaling, Entfernung iatrogener Faktoren
Stufe 2

Subgingivale Instrumentierung

Systematische subgingivale Biofilmentfernung und Wurzeloberflächenbearbeitung. Reevaluation nach 3–6 Monaten.

Scaling & Root Planing (SRP)

Handinstrumente (Gracey-Küretten) und/oder maschinelle Instrumente (Ultraschall, Schall). Systematisch, quadrantenweise oder Full-Mouth.

Full-Mouth-Konzepte

Full-Mouth Scaling (FMS), Full-Mouth Disinfection (FMD) mit CHX. Innerhalb 24 h. Vergleichbare Ergebnisse zu konventionellem Vorgehen.

Adjuvante Therapien

Systemische Antibiotika (nur Stadium III/IV Grad C), lokale Adjuvantien (CHX-Chips, Doxycyclin-Gel), photodynamische Therapie (PDT), Laser.

💊 Systemische Antibiotika

Indikation nur bei Stadium III/IV Grad C (generalisiert, junge Patienten, rapid progredient). Nach Leitlinie: Amoxicillin + Metronidazol (je 500 mg 3×/Tag für 7 Tage). Bei Penicillinallergie: Metronidazol mono oder Azithromycin.

Wichtig: Antibiotika nur adjuvant zur mechanischen Therapie, nie als Monotherapie. Resistenzentwicklung beachten.

💡 Forschungsperspektive: Die Effektivität verschiedener Therapiekonzepte (FMS vs. konventionell), adjuvanter Therapien (Laser, PDT, Probiotika) und die Antibiotikaverordnung sind aktive Forschungsgebiete. Beispiele für Dissertationen finden Sie in unserer Übersicht zu Doktorarbeiten in der Zahnmedizin.

Chirurgische Parodontitistherapie (Stufe 3)

Nach erfolgreicher nicht-chirurgischer Therapie und Reevaluation ist die chirurgische Intervention indiziert bei persistierenden Taschen ≥6 mm mit BOP. Ziel: Zugang für Reinigung, Defektkorrektur oder Regeneration.

🔪 Zugangslappen (Open Flap Debridement)

Lappenbildung zur verbesserten Instrumentierung unter Sicht. Kein gezielter Knochenaufbau, aber verbesserte Reinigung in tiefen Taschen und Furkationen.

Modifizierter Widman-Lappen

Intrasulkuläre Inzision, minimale Knochenexposition. Standard-Zugangslappen.

Papillenerhaltende Lappen

MPPT (Modified Papilla Preservation Technique), SPPF (Simplified Papilla Preservation Flap). Bessere Weichgewebsheilung.

✂️ Resektive Verfahren

Entfernung von Knochen oder Weichgewebe zur Tascheneliminierung. Heute seltener aufgrund von Attachmentverlust und ästhetischen Konsequenzen.

Gingivektomie/Gingivoplastik

Entfernung hyperplastischen Gewebes. Nur bei Pseudotaschen (keine Attachmentverlust).

Knochenresektion (Osteoplastik/Ostektomie)

Angleichung der Knochenarchitektur. Osteoplastik (nicht-tragend) vs. Ostektomie (tragend). Ästhetisch ungünstig.

Furkationsplastik

Odontoplastik, Tunnelierung, Wurzelamputation/-resektion, Hemisektion, Prämolarisierung.

🔀 Furkationstherapie

Furkationsbefall verschlechtert die Prognose erheblich. Therapie abhängig von Grad und Zahn.

Grad I

Scaling/Root Planing, gute Prognose

Grad II

Regeneration (GTR) möglich, v.a. UK-Molaren

Grad III

Tunnelierung, Resektion, Extraktion

🧵 Nahttechniken

Präzise Nahttechnik ist essenziell für primären Wundverschluss und Lappenadaptation, besonders bei regenerativen Eingriffen.

  • Einzelknopfnaht
  • Horizontale/vertikale Matratzennaht
  • Modifizierte Matratzennaht nach Laurell
  • Papillennaht (z.B. Double-Sling-Suture)

Material: Nicht-resorbierbar (Prolene, Gore-Tex) für primären Verschluss, resorbierbar (Vicryl) für sekundäre Heilung.

Regenerative Parodontaltherapie

Ziel der regenerativen Therapie ist die Wiederherstellung des verlorenen Parodonts: Wurzelzement, Desmodont und Alveolarknochen. Dies unterscheidet sich von der Reparation (langes Saumepithel ohne funktionelle Regeneration).

🛡️ GTR (Guided Tissue Regeneration)

Membran als Barriere verhindert das Einwachsen von Epithelzellen und ermöglicht die selektive Repopulation durch parodontale Ligamentzellen.

Membranen:

Nicht-resorbierbar

e-PTFE (Gore-Tex), Titan-verstärkt. Zweiter Eingriff zur Entfernung. Höhere Komplikationsrate.

Resorbierbar

Kollagen (Bio-Gide®), Polylaktid. Kein Zweiteingriff. Aktueller Standard.

Indikation:

Intraossäre Defekte (2-/3-wandig), Furkationsdefekte Grad II (v.a. UK). Beste Ergebnisse bei tiefen, engen Defekten.

💜 Schmelzmatrixproteine (EMD)

Amelogenine aus Schweinezahnkeimen (Emdogain®) imitieren die Zahnentwicklung und induzieren Zementogenese und Knochenregeneration.

Anwendung:

Wurzelkonditionierung mit EDTA (PrefGel®) → Trocknung → EMD-Applikation → Lappenreposition.

Evidenz:

Signifikanter CAL-Gewinn und Knochenfüllung. Vergleichbar mit GTR bei intraossären Defekten. Einfachere Handhabung als Membranen.

Kombination:

EMD + Knochenersatzmaterial (z.B. DBBM) bei breiten Defekten zur Raumschaffung.

🦴 Knochenersatzmaterialien

Osteokonduktive Materialien füllen den Defekt und schaffen ein Gerüst für die Knochenregeneration.

Autolog

Goldstandard (osteogen + osteokonduktiv + osteoinduktiv), aber limitierte Verfügbarkeit und Morbidität.

DBBM (Deproteinierter boviner Knochenmineral)

Bio-Oss®. Langsame Resorption, gute Raumerhaltung. Häufig in Kombination mit EMD.

Allogen

DFDBA, FDBA. Humaner Spenderknochen.

Alloplastisch

β-TCP, Hydroxylapatit, bioaktives Glas. Synthetisch, unbegrenzt verfügbar.

🧬 Wachstumsfaktoren & Biologika

Biologisch aktive Substanzen zur Stimulation der Regeneration.

rhPDGF-BB (GEM 21S®)

Rekombinanter Wachstumsfaktor. In den USA zugelassen, in Europa limitiert.

PRF / PRGF (Platelet-Rich Fibrin)

Autologe Thrombozytenkonzentrate mit Wachstumsfaktoren. Einfache Herstellung, variable Evidenz.

BMP (Bone Morphogenetic Proteins)

Osteoinduktiv, aber in der Parodontologie limitierte Anwendung.

📐 Defektmorphologie & Prognose

Die Defektanatomie bestimmt das Regenerationspotenzial entscheidend:

3-wandiger Defekt

Beste Prognose. Knochenwände stabilisieren Material.

2-wandiger Defekt

Gute Prognose. Kombination mit Membran sinnvoll.

1-wandiger Defekt

Schlechte Prognose. Schwierige Raumschaffung.

Horizontaler Defekt

Keine Regeneration möglich. Nur Attachment-Erhalt.

Plastische Parodontalchirurgie

Die plastische Parodontalchirurgie (Mukogingivalchirurgie) umfasst Verfahren zur Korrektur von Weichgewebsdefekten, v.a. gingivale Rezessionen, und zur Verbesserung der periimplantären Ästhetik.

📊 Rezessionsklassifikation

Die Klassifikation bestimmt die Prognose für vollständige Wurzeldeckung (Complete Root Coverage, CRC).

Cairo-Klassifikation (2011):

RT1 Kein interdentaler Attachmentverlust CRC möglich
RT2 Interdentaler Attachmentverlust ≤ bukkaler Partielle Deckung
RT3 Interdentaler Attachmentverlust > bukkaler Keine Deckung möglich

⬆️ Koronaler Verschiebelappen (CAF)

Standardtechnik zur Rezessionsdeckung. Der Lappen wird koronal des Schmelz-Zement-Grenze positioniert.

Varianten:

  • Klassischer CAF (de Sanctis, Zucchelli)
  • CAF + CTG (Bindegewebstransplantat) – Goldstandard
  • CAF + EMD (Emdogain®)
  • CAF + Kollagenmatrix (Mucograft®)

Erfolgsrate CRC:

CAF allein: 50–70%, CAF + CTG: 80–95% (bei RT1-Rezessionen)

🕳️ Tunneltechnik

Minimalinvasive Technik ohne vertikale Entlastungsinzisionen. Erhalt der Papillen, ästhetisch vorteilhaft.

Vorgehen:

Subperiostaler Tunnel über mehrere Zähne → CTG-Insertion → Koronale Fixierung durch Naht.

Varianten:

  • Modifizierte Tunneltechnik (Allen, VISTA)
  • Lateral geschlossener Tunnel

Vorteil:

Kein Nahtmaterial sichtbar, schnellere Heilung, weniger Narbenbildung.

🔴 Bindegewebstransplantat (CTG)

Das subepitheliale Bindegewebstransplantat ist der Goldstandard zur Wurzeldeckung und Gewebsaugmentation.

Entnahme:

  • Gaumen (Single-Incision, Trap-Door, FGG-Technik)
  • Tuberregion (dickeres Gewebe)

Vorteile:

Beste Wurzeldeckungsraten, Verdickung der Gingiva, gute Farbintegration.

Nachteile:

Zweites OP-Gebiet, Entnahmemorbidität, limitierte Verfügbarkeit.

🟦 Freies Schleimhauttransplantat (FGG)

Transplantation von keratinisierter Gingiva (Epithel + Bindegewebe) zur Verbreiterung der attached Gingiva.

Indikation:

Fehlende keratinisierte Gingiva, Vestibulumvertiefung, periimplantäres Weichgewebemanagement.

Technik:

Entnahme vom Gaumen (1,5–2 mm dick), Naht auf Empfängerbett (nach Deepithelisierung oder periostaler Fixierung).

Nachteil:

Farbunterschied zur umgebenden Mukosa (weißlich), ästhetisch ungünstiger als CTG.

🔬 Kollagenmatrices

Xenogene Kollagenmatrices als Alternative zu autologen Transplantaten – ohne Entnahmemorbidität.

Produkte:

  • Mucograft® (porcines Kollagen)
  • Fibro-Gide® (volumenstabile Kollagenmatrix)
  • Mucoderm® (dermal origin)

Evidenz:

CAF + Kollagenmatrix zeigt gute Ergebnisse bei RT1-Rezessionen, aber CTG bleibt überlegen für CRC.

📏 Augmentation keratinisierter Gingiva

Bei fehlender keratinisierter Gingiva (v.a. periimplantär) kann diese durch FGG, apikalen Verschiebelappen + FGG oder Kollagenmatrices augmentiert werden. Mindestens 2 mm keratinisierte Mukosa werden als vorteilhaft für die Hygienefähigkeit und Entzündungsresistenz angesehen.

Unterstützende Parodontitistherapie (UPT/Stufe 4)

Die UPT ist integraler Bestandteil der Parodontitistherapie und entscheidet über den Langzeiterfolg. Ohne regelmäßige Nachsorge kommt es zur Rekolonisation und Progression.

🔄 Recall-Intervalle

Individuell nach Risikoprofil (Stadium, Grad, Compliance). Typisch: 3–6 Monate. Höheres Risiko = kürzere Intervalle.

📋 Inhalte

  • Reevaluation der parodontalen Parameter
  • Remotivation und Reinstruktion
  • Professionelle mechanische Plaquereduktion (PMPR)
  • Subgingivale Instrumentierung bei Bedarf
  • Risikofaktorkontrolle

🎯 Ziele

  • BOP <10% (entzündungsfreiheit)
  • Keine Taschen ≥5 mm mit BOP
  • Stabiler Attachmentlevel
  • Zahnerhalt

Das sagen unsere Kunden

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Häufige Fragen zum Fachbereich Parodontologie

Welche Themen eignen sich für Dissertationen in der Parodontologie?

Die Parodontologie bietet vielfältige Dissertationsthemen: Mikrobiom-Analysen (16S-rRNA, Metagenomik), Biomarker in GCF und Speichel, Genetik der Parodontitis (IL-1-Polymorphismus), Vergleich regenerativer Techniken (GTR vs. EMD), Langzeitergebnisse plastischer Parodontalchirurgie, Parodontitis-Systemerkrankungen-Zusammenhang (Diabetes, KHK), Effektivität adjuvanter Therapien.

Was ist der Unterschied zwischen der alten und neuen Parodontitis-Klassifikation?

Die Klassifikation 2018 (AAP/EFP) ersetzt die Begriffe "chronische" und "aggressive" Parodontitis durch ein einheitliches System mit Stadien (I–IV, Schweregrad/Komplexität) und Graden (A–C, Progressionsrate/Risiko). Dies ermöglicht eine individuellere Einschätzung und berücksichtigt Risikofaktoren wie Rauchen und Diabetes systematisch.

Wann ist eine regenerative Parodontaltherapie indiziert?

Regenerative Verfahren (GTR, EMD) sind indiziert bei intraossären Defekten (idealerweise 2- oder 3-wandig, tief und eng) und Furkationsdefekten Grad II (v.a. UK-Molaren). Voraussetzung: erfolgreiche nicht-chirurgische Therapie, gute Mundhygiene, Nichtraucher. Horizontale Defekte sind nicht für Regeneration geeignet.

Was ist der Goldstandard für die Rezessionsdeckung?

Der koronale Verschiebelappen (CAF) mit Bindegewebstransplantat (CTG) gilt als Goldstandard mit den höchsten Raten für vollständige Wurzeldeckung (CRC) bei RT1-Rezessionen (80–95%). Alternativen wie CAF + Kollagenmatrix oder Tunneltechnik zeigen ebenfalls gute Ergebnisse, aber CTG bleibt überlegen.

Wann sind systemische Antibiotika bei Parodontitis indiziert?

Nach aktueller S3-Leitlinie nur bei Stadium III/IV Grad C (generalisiert, rapid progredient, junge Patienten). Standardregime: Amoxicillin + Metronidazol (je 500 mg 3×/Tag, 7 Tage). Immer nur adjuvant zur mechanischen Therapie, nie als Monotherapie. Bei Penicillinallergie: Metronidazol mono oder Azithromycin.

Können auch klinische Studien in der Parodontologie unterstützt werden?

Ja, wir unterstützen bei klinischen Studien: Studiendesign, Ethikantrag, Fallzahlplanung, statistische Auswertung (multilevel-Modelle für cluster-Daten, Überlebensanalysen), Publikation. Die Parodontologie bietet Möglichkeiten für Therapievergleichsstudien, Langzeitbeobachtungen und translationale Forschung.

Fragen zum Fachbereich Parodontologie?

Unsere Experten beraten Sie zu Dissertationsthemen, klinischen Studien und wissenschaftlichen Arbeiten – mit der Expertise, die die Parodontologie verlangt.

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