Pflegeprozess nach Krohwinkel:
Das ABEDL-Modell in der Hausarbeit

Das ABEDL-Modell ist die Grundlage jeder Fallarbeit in der Altenpflege und Pflegewissenschaft. Dieser Guide erklärt alle 13 ABEDL-Bereiche, zeigt wie eine vollständige Pflegeplanung strukturiert wird und wie man Pflegediagnosen wissenschaftlich korrekt formuliert.

Alle 13 ABEDL-Bereiche
Fallarbeit-Struktur
Pflegediagnosen NANDA
Ressourcen & Defizite
Musterformulierungen

ABEDL-Fallarbeiten gehören zu den häufigsten Auftragsarten, die uns aus der Pflegewissenschaft erreichen – und zu den Arbeiten, bei denen die Lücke zwischen Praxiswissen und akademischer Darstellung am größten ist. Studierende kennen den Pflegealltag, haben aber selten gelernt, eine PES-Pflegediagnose im NANDA-I-Format zu formulieren oder SMART-Ziele mit Barthel-Index-Bezug zu verschriftlichen. Genau diesen Übersetzungsschritt leisten unsere Pflegewissenschaft-Ghostwriter bei Business And Science – mit eigenem Fachstudium und Erfahrung aus über 12.000 Projekten seit 2012.

1. Das ABEDL-Modell: Grundlagen & Einordnung

Monika Krohwinkel entwickelte das Modell als deutschsprachige Erweiterung des britischen ATL-Modells (Roper/Logan/Tierney) und ergänzte es um die soziale Beziehungsdimension und existenzielle Erfahrungen. Die aktuelle Fassung (2008) umfasst 13 ABEDL-Bereiche und basiert auf einem humanistischen Pflegeverständnis: Der Mensch wird in seiner Ganzheitlichkeit betrachtet, Pflege zielt auf Erhalt und Förderung von Unabhängigkeit und Wohlbefinden.

ABEDL vs. ATL vs. AEDL: Die Unterschiede

ATLRoper/Logan/Tierney, britisch, 12 Aktivitäten, ohne Beziehungsdimension
AEDLKrohwinkel früh, 13 Bereiche, „Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen"
ABEDLKrohwinkel 2008, 13 Bereiche, ergänzt um „Beziehungen" – aktueller Standard

Wo ABEDL in der Hochschule verwendet wird

  • Pflegewissenschaft B.Sc./M.Sc.: Fallanalysen, Seminararbeiten
  • Pflegepädagogik: Unterrichtskonzepte, Fallarbeiten im Curriculumrahmen
  • Altenpflege-Ausbildung: Pflegeplanung, Praxisberichte
  • Pflegemanagement: Qualitätsdokumentationen, Praxisprojekte
  • Hinweis: Einige Hochschulen verwenden noch AEDL – immer Modulbeschreibung prüfen

2. Alle 13 ABEDL-Bereiche im Überblick

ABEDL 1

Kommunizieren können

Verbale/nonverbale Kommunikation, Sprachbarrieren, kognitive Einschränkungen (Demenz), Hilfsmittel (Hörgerät, Kommunikationsbuch)

ABEDL 2

Sich bewegen können

Mobilität, Transferfähigkeit, Sturzrisiko, Kontrakturen, Hilfsmittel (Rollator, Rollstuhl), Barthel-Index als Messinstrument

ABEDL 3

Vitale Funktionen aufrechterhalten

Atmung, Kreislauf, Körpertemperatur, Bewusstseinslage – inkl. Pflegemaßnahmen bei COPD, Herzinsuffizienz

ABEDL 4

Sich pflegen können

Körperpflege, Hautintegrität, Dekubitusrisiko (Braden-Skala), Mund- und Zahnpflege, Haarpflege

ABEDL 5

Essen und trinken können

Ernährungsstatus, Schluckstörungen (Dysphagie), Gewichtsverlauf, Flüssigkeitsbilanz, Appetitlosigkeit, PEG-Sonde

ABEDL 6

Ausscheiden können

Kontinenz/Inkontinenz (Typ, Grad), Stuhlgang, Stomapflege, Kontinenzförderung, DNQP-Expertenstandard

ABEDL 7

Sich kleiden können

Selbstständigkeit beim An-/Auskleiden, Kleidungsauswahl, Körpertemperaturregulation über Kleidung, Würde

ABEDL 8

Ruhen, schlafen, entspannen

Schlafqualität/-dauer, Tagesrhythmus, Schlafstörungen, Schmerzbedingte Ruhestörungen, Lagerungskonzepte

ABEDL 9

Sich beschäftigen können

Interessen, Hobbys, kognitive Aktivierung, Biographiearbeit, sinnvolle Alltagsgestaltung

ABEDL 10

Sich als Mann/Frau fühlen

Geschlechtsidentität, Sexualität, Körperbild, Selbstwertgefühl, Wahrung der Würde bei körperlichen Einschränkungen

ABEDL 11

Für sichere/fördernde Umgebung sorgen

Sturzprävention, Weglauftendenzen (Demenz), Medikamentensicherheit, häusliche Umgebungsgestaltung

ABEDL 12

Soziale Bereiche des Lebens sichern

Soziales Netz, Familienbeziehungen, Isolation, rechtliche Betreuung, Kontakt zu Mitbewohnern

ABEDL 13

Mit existenziellen Erfahrungen umgehen

Umgang mit Krankheit, Sterben und Tod, Sinnfragen, spirituelle Bedürfnisse, Abschiednehmen, Palliativpflege

Die Gewichtung der 13 Bereiche: Wo Studierende scheitern

In Fallarbeiten, die bei uns zur Überarbeitung eingehen, werden ABEDL 1–6 (die körpernahen Bereiche) regelmäßig ausführlich bearbeitet, während ABEDL 9–13 (Beschäftigung, Geschlechtsidentität, Sicherheit, Soziales, Existenzielles) nur mit einem Satz abgehandelt werden – auch wenn der Fallpatient dort zentrale Probleme hat. Unsere promovierten Ghostwriter gewichten die Bereiche nach der individuellen Relevanz des Falls und belegen die Problemeinschätzung mit validierten Assessments (Barthel, Braden, NRS). Zur Pflegewissenschaft-Seite.

⚠️ Nicht alle 13 Bereiche müssen immer ausführlich bearbeitet werden

Ein häufiger Fehler in Hausarbeiten: Alle 13 ABEDL-Bereiche werden auf gleichem Raum abgehandelt, unabhängig von ihrer Relevanz für den konkreten Fallpatienten. Die Fallarbeit muss die für den Patienten relevanten Bereiche tiefgehend analysieren – Bereiche ohne nennenswerten Befund dürfen mit einem Satz abgehandelt werden. Die Tiefe der Analyse sollte dem Schweregrad und der Relevanz des Problems entsprechen.

3. Aufbau einer Fallarbeit mit ABEDL

Eine vollständige Fallarbeit nach ABEDL folgt einem festen Aufbau, der sich an allen deutschsprachigen Pflegehochschulen wiederholt:

Standardgliederung einer ABEDL-Fallarbeit

  1. Einleitung: Vorstellung des Pflegemodells (Krohwinkel, 2008), Begründung der Modellwahl, Hinweis auf fiktiven/anonymisierten Fall
  2. Fallvorstellung: Biographische Angaben, medizinische Diagnosen, aktuelle Pflegesituation, Setting (stationär/ambulant)
  3. Pflegeanamnese nach ABEDL: Systematische Einschätzung aller 13 Bereiche – relevante Bereiche ausführlich mit Assessments, unauffällige Bereiche kurz
  4. Pflegediagnosen (PES): Pro relevantem Bereich eine oder mehrere Pflegediagnosen im NANDA-I-Format
  5. Pflegeziele & Maßnahmen: SMART-Ziele mit Nah-/Fernzieldifferenzierung, Maßnahmen mit Verantwortlichkeit und Zeitrahmen
  6. Evaluation/Reflexion: Welche Ziele wären evaluierbar? Welche Assessments würden den Fortschritt messen? Reflexion der Modelleignung

4. Pflegediagnosen im PES-Format formulieren

Eine Pflegediagnose nach NANDA-I-Format wird im PES-Schema formuliert: Problem – Etiologie (Ursache) – Symptome. Dieses Format macht die Diagnose klar, differenziert und handlungsleitend.

❌ Keine Pflegediagnose

„Der Patient kann nicht gut schlafen und braucht mehr Hilfe beim Essen."

✅ PES-Pflegediagnose

Beeinträchtigte körperliche Mobilität (Problem) in Verbindung mit progredienter Gonarthrose beidseitig und nachlassender Muskelkraft (Etiologie), erkennbar an dem Unvermögen, ohne Gehilfe mehr als 10 Meter zu gehen, sowie Schmerzangaben VAS 7/10 bei Belastung (Symptome)."

PES-Pflegediagnosen in dieser Präzision – mit NANDA-I-Terminologie, messbaren Symptomangaben und korrekter Etiologie-Zuordnung – fehlen in den meisten eingereichten Fallarbeiten. Unsere Ghostwriter formulieren jede Diagnose so, dass Problem, Ursache und Zeichen eindeutig voneinander getrennt sind und die Diagnose direkt in SMART-Ziele überführbar wird.

Häufige NANDA-I-Pflegediagnosen in Altenpflege-Fallarbeiten

  • Beeinträchtigte körperliche Mobilität
  • Sturzgefahr
  • Akuter/chronischer Schmerz
  • Mangelernährung
  • Flüssigkeitsdefizit (Risiko)
  • Beeinträchtigte verbale Kommunikation
  • Soziale Isolation
  • Selbstpflegedefizit (Baden/Körperpflege)
  • Dekubitusrisiko / Hautdefekt
  • Harninkontinenz (funktionell/Belastungs-)
  • Schlafstörung
  • Trauer / Hoffnungslosigkeit

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5. Ressourcen & Defizite: Die Balance

Eine gute ABEDL-Analyse erfasst nicht nur Probleme, sondern systematisch auch die Ressourcen eines Patienten. Die Ressourcenorientierung ist ein Kernprinzip des Krohwinkel-Modells – Pflege soll Selbstständigkeit fördern, nicht nur Defizite kompensieren.

Ressourcen erkennen und benennen

Was kann die Person selbst? Was motiviert sie? Welche sozialen Unterstützungssysteme existieren? Beispiel: „Frau K. zeigt hohe Eigenmotivation zur Mobilisation und verfügt über ein stabiles familiäres Netzwerk (täglicher Besuch der Tochter)." Ressourcen werden für jeden relevanten ABEDL-Bereich benannt.

Defizite differenziert beschreiben

Nicht „Patient kann sich nicht bewegen", sondern: „Herr M. benötigt für den Transfer Bett → Rollstuhl personelle Unterstützung einer Pflegefachkraft (Barthel-Index Transfer: 5/15)." Defizite werden mit Assessmentwerten belegt – das unterscheidet eine akademische Fallarbeit von einer Pflegedokumentation.

6. Pflegeziele & Maßnahmen: SMART und begründet

Pflegeziele müssen SMART sein: Spezifisch, Messbar, Attraktiv/Akzeptiert, Realistisch, Terminiert. Und sie müssen einer ABEDL-Pflegediagnose direkt zugeordnet sein.

Musterformulierung: Ziel + Maßnahme

Nahziel (4 Wochen): Herr M. ist in der Lage, mit Rollator und einmaliger Aufforderung selbstständig vom Bett in den Rollstuhl zu transferieren (Barthel-Index-Teilbereich Transfer: 5 von 10 Punkten). Fernziel (3 Monate): Herr M. erreicht einen Barthel-Gesamtwert von mindestens 60 Punkten. Maßnahmen: Aktivierendes Rollator-Training 2× täglich à 10 Minuten durch examinierte Pflegefachkraft; Physiotherapie gemäß ärztlicher VO 3× wöchentlich; Umgebungsadaptation (Haltegriffe, rutschfeste Matte im Bad) in Absprache mit Ergotherapie bis KW [Datum]."

Messbarkeit sicherstellen

Nutzen Sie validierte Assessmentinstrumente als Bezugspunkt: Barthel-Index (Mobilität), NRS/VAS (Schmerz), Braden-Skala (Dekubitus), MNA-SF (Ernährung), Norton-Skala (Dekubitusrisiko).

Nah- und Fernziel unterscheiden

Nahziele: erreichbar in 1–4 Wochen, beziehen sich auf Veränderungen des akuten Problems. Fernziele: 3–6 Monate, übergeordnete Rehabilitation oder Stabilisierung. Beide mit Datum versehen.

Patientenpräferenzen einbeziehen

Ziele sollen mit dem Patienten vereinbart, nicht über ihn bestimmt werden. In der Fallarbeit: „in Absprache mit Herrn M." oder „gemäß geäußertem Wunsch" schreibt man – das zeigt Patientenzentrierung.

7. Häufige Fehler in Fallarbeiten

① Alle 13 Bereiche gleich gewichtet

Jeder ABEDL-Bereich bekommt eine halbe Seite – unabhängig von der Relevanz für den Fall. Professioneller: relevante Bereiche mit 1–2 Seiten, unauffällige Bereiche mit einem Satz.

② Pflegediagnosen ohne PES-Format

„Patient hat Schmerzen" ist keine Pflegediagnose. Ohne Problem-Etiologie-Symptom-Struktur fehlt die Grundlage für zielgerichtete Maßnahmen.

③ Ziele nicht SMART formuliert

„Patient soll sich besser bewegen können" ist nicht messbar, nicht terminiert und nicht spezifisch. SMART-Ziele brauchen Assessmentwerte und Zeitangaben.

④ Ressourcen komplett ignoriert

Nur Defizite beschrieben, keine Ressourcen. Das widerspricht dem Krohwinkel-Modell, das explizit Selbstständigkeitsförderung fordert. Ressourcen sind kein Bonus – sie sind Pflicht.

Fehler ② und ③ zusammen führen dazu, dass eine Fallarbeit als „beschreibend statt analytisch" bewertet wird – die häufigste Rückmeldung von Gutachtern. Unsere Pflegewissenschaft-Ghostwriter formulieren jede PES-Diagnose und jedes SMART-Ziel so, dass die Verbindung zwischen Einschätzung, Diagnose, Ziel und Maßnahme lückenlos nachvollziehbar ist. Hier unverbindlich anfragen.

FAQ: ABEDL-Modell in der Pflegehausarbeit

Soll ich in der Hausarbeit alle 13 ABEDL-Bereiche bearbeiten?

Nicht notwendigerweise in gleicher Tiefe. Die Erwartung ist, dass Sie alle Bereiche in der Pflegeanamnese erfassen (d.h. kurz einschätzen), aber nur die für den konkreten Patienten relevanten Problembereiche ausführlich analysieren und mit Pflegediagnosen, Zielen und Maßnahmen belegen. Bereiche ohne relevante Einschränkung können in 1–2 Sätzen abgehandelt werden: „ABEDL 7 (Sich kleiden): Frau K. ist in der Lage, sich mit geringer Assistenz selbst zu kleiden. Keine Pflegediagnose erforderlich." Das ist professioneller als künstliche Probleme zu erfinden.

Muss ich für die Fallarbeit echte Patienten verwenden?

Nein – und in den meisten Fällen sollten Sie es nicht. Die meisten Hochschulen erwarten oder akzeptieren fiktive Fallpersonen, um Datenschutzprobleme zu vermeiden. Wenn Sie echte Patientenerfahrungen nutzen, sind alle personenidentifizierenden Daten vollständig zu anonymisieren. Fiktive Fälle sollten realistisch sein – basierend auf typischen Krankheitsverläufen (z.B. ältere Person mit Sturzereignis und Schenkelhalsfraktur, postoperativ in der Kurzzeitpflege). Abstimmung mit dem Betreuer vorab empfohlen.

Welches Literaturformat ist für Pflegearbeiten Standard – APA oder ein anderes?

In Pflegewissenschaft und Gesundheitsmanagement wird an deutschen Hochschulen meist APA 7 (American Psychological Association, 7. Auflage) oder eine hochschulinterne Zitiervorgabe verwendet. Einige Hochschulen mit medizin-nahen Studiengängen verwenden Vancouver. Immer zuerst das Modulhandbuch und die Formatvorgaben der Hochschule prüfen. Für DNQP-Expertenstandards als Quellenangabe: „Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (Hrsg.). (2020). Expertenstandard [Titel]. Fachhochschule Osnabrück."

Weitere Guides

Expertenstandards Pflege

DNQP-Standards in der Thesis: Dekubitus, Schmerz, Sturz.

→ Guide

Evidence-based Nursing

PIKE-Schema, 6-Schritte-EBN, GRADE-Evidenzlevels.

→ Guide

Qualitative Interviews

Phänomenologie, Ethikvotum, Datenschutz Patienten.

→ Guide

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