Der komplette Vergleich: Was ist der Unterschied? Welche Art ist für Ihre Abschlussarbeit geeignet? Vor- und Nachteile, Entscheidungshilfe und Beispiele
Empirische Arbeit: Sie erheben eigene Daten (durch Befragungen, Experimente, Interviews, Beobachtungen) und werten diese aus. Sie gehen "ins Feld" und sammeln neue Informationen.
Literaturarbeit: Sie arbeiten ausschließlich mit bereits existierender Literatur (Bücher, Fachzeitschriften, Studien). Sie synthetisieren, vergleichen und bewerten bestehendes Wissen, ohne selbst neue Daten zu erheben.
Forschungsansatz: "Ich generiere neues Wissen durch eigene Datenerhebung"
Forschungsansatz: "Ich strukturiere und synthetisiere bestehendes Wissen"
Beide Typen sind vollwertige wissenschaftliche Arbeiten – keine ist "besser" oder "schlechter". Die Wahl hängt von Ihrer Forschungsfrage, Ihren Ressourcen und den Anforderungen Ihres Fachbereichs ab. Beide erfordern gründliche Literaturrecherche, nur die empirische Arbeit geht darüber hinaus und erhebt zusätzlich eigene Daten.
Kompakte Übersicht: Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Bei einer empirischen Arbeit (auch: empirische Studie) führen Sie eigene Forschung durch, indem Sie Daten aus der Realität erheben und systematisch auswerten. "Empirisch" bedeutet "auf Erfahrung/Beobachtung beruhend" – Sie untersuchen die Wirklichkeit direkt.
Vertiefung: So funktionieren empirische Forschungsmethoden in der Praxis
Sie generieren originäres Wissen, das so noch nicht existiert.
Direkte Untersuchung realer Phänomene, oft höhere Relevanz für die Praxis.
Sie lernen wissenschaftliche Erhebungs- und Auswertungsmethoden hands-on.
Abwechslungsreich: Fragebogen entwickeln, Interviews führen, Daten auswerten.
Datenerhebung dauert oft 4-8 Wochen (Fragebogen verbreiten, Interviews koordinieren).
Was, wenn zu wenige Teilnehmer? Wenn Ergebnisse nicht signifikant sind?
Statistik, SPSS, Fragebogen-Design – erfordert Einarbeitung.
Mehr Arbeitspakete: Literatur + Empirie + Auswertung + Interpretation.
→ Mehr dazu: Empirische Arbeit schreiben | Methodik
Bei einer Literaturarbeit (auch: theoretische Arbeit, Desk Research) arbeiten Sie ausschließlich mit bereits veröffentlichter Literatur. Sie sammeln, analysieren, vergleichen und bewerten bestehende Forschung zu einem Thema, ohne selbst neue Daten zu erheben. Ihr Beitrag liegt in der Synthese und neuen Perspektive auf den Forschungsstand.
Kein separates Methodenkapitel (oder nur kurz: Literaturrecherche-Strategie)
Keine Abhängigkeit von Teilnehmern, Rücklauf, Interviewterminen – Sie bestimmen das Tempo.
Kann komplett von zu Hause/Bibliothek aus geschrieben werden. Ideal für Berufstätige.
Sie verschaffen sich umfassende Kenntnis über den Forschungsstand eines Themas.
Keine Sorge um zu wenige Teilnehmer oder nicht-signifikante Ergebnisse.
Viel lesen, schreiben, lesen, schreiben – weniger Abwechslung als bei Empirie.
100+ Quellen zu einem kohärenten Argumentationsstrang verbinden ist schwierig.
Oft als "theorielastiger" wahrgenommen, weniger direkter Bezug zur Realität.
Literatur nur zusammenfassen ohne Mehrwert ist zu wenig – kritische Analyse nötig.
Eine Literaturarbeit ist NICHT "einfacher" oder "weniger wert" als eine empirische Arbeit. Sie erfordert tiefgreifende Analyse, kritisches Denken und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu strukturieren. In manchen Fachbereichen (Philosophie, Jura, Theologie) sind Literaturarbeiten sogar der Standard.
→ Mehr dazu: Literaturarbeit schreiben | Theoretische Arbeit
Hier sehen Sie die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
| Kriterium | Empirische Arbeit | Literaturarbeit |
|---|---|---|
| Datengrundlage | Eigene Datenerhebung (Primärdaten) | Bestehende Literatur (Sekundärdaten) |
| Forschungsansatz | "Ins Feld gehen" – Realität untersuchen | Am Schreibtisch – Literatur analysieren |
| Typische Methoden | Fragebogen, Interview, Experiment, Beobachtung | Literaturrecherche, Vergleich, Synthese, kritische Analyse |
| Auswertung | Statistik (SPSS) oder qualitative Inhaltsanalyse | Argumentation, Gegenüberstellung, Bewertung |
| Zeitaufwand | Hoch (Datenerhebung 4-8 Wochen + Auswertung) | Mittel-Hoch (umfangreiche Literaturarbeit) |
| Planbarkeit | Unsicherer (abhängig von Teilnehmern, Rücklauf) | Gut planbar (Sie kontrollieren den Prozess) |
| Methodenkapitel | Umfangreich (2-4 Seiten): Forschungsdesign, Stichprobe, Erhebung, Auswertung | Kurz oder gar nicht (nur Literaturrecherche-Strategie) |
| Ergebnisse | Neue empirische Erkenntnisse (Zahlen, Zusammenhänge, Zitate) | Synthese bestehenden Wissens, neue Perspektive |
| Praxisbezug | Oft höher (direkte Untersuchung realer Phänomene) | Eher theoretisch (aber je nach Fragestellung auch praxisrelevant) |
| Häufigkeit nach Fach | Standard in Sozialwissenschaften, Psychologie, BWL, Medizin | Standard in Jura, Philosophie, Theologie, Geschichte |
Beide Typen haben gemeinsam:
Die Wahl zwischen empirischer Arbeit und Literaturarbeit hängt von mehreren Faktoren ab:
Manche Fachbereiche/Lehrstühle haben klare Präferenzen. Fragen Sie Ihren Betreuer!
Zeit? Zugang zu Teilnehmern? Software-Kenntnisse (SPSS)? Statistik-Vorkenntnisse?
Lieber "hands-on" Daten sammeln oder tiefes Eintauchen in Literatur?
Gibt es bereits viele Studien (→ Literaturarbeit möglich)? Oder ist das Feld noch wenig erforscht (→ Empirie sinnvoll)?
Sprechen Sie die Entscheidung frühzeitig mit Ihrem Betreuer ab! Manche Lehrstühle akzeptieren nur empirische Arbeiten, andere bevorzugen Literaturarbeiten. Klären Sie dies, bevor Sie mit der Arbeit beginnen.
In der Praxis gibt es auch Mischformen, bei denen theoretische und empirische Elemente kombiniert werden:
Beispiel: Sie entwickeln auf Basis bestehender Theorien Hypothesen, die Sie dann empirisch testen. Der Theorieteil ist umfangreich und fundiert, aber es folgt eine eigene Datenerhebung.
Beispiel: Sie erarbeiten eine theoretische Position aus der Literatur und führen ergänzend einige Experteninterviews, um die Praxisrelevanz zu prüfen.
Sie werten bestehende empirische Studien quantitativ aus (Meta-Analyse). Formal eine Literaturarbeit, aber Sie "erheben" Daten aus Studien und werten sie statistisch aus.
Achtung: Sehr aufwändig, eher für Masterarbeiten oder Dissertationen geeignet.
Die meisten Abschlussarbeiten in Sozialwissenschaften und BWL sind empirische Arbeiten mit Theorieteil. Reine Literaturarbeiten sind seltener, aber in bestimmten Fachbereichen (Jura, Philosophie) Standard. Sprechen Sie mit Ihrem Betreuer, was in Ihrem Fach üblich ist.
Hier sehen Sie konkrete Beispiele, wie das gleiche Thema empirisch oder als Literaturarbeit bearbeitet werden kann:
Titel: "Erfolgsfaktoren digitaler Transformation in KMU: Eine empirische Analyse"
Vorgehen: Fragebogen an 150 KMU-Geschäftsführer, statistische Auswertung, welche Faktoren (Budget, Mitarbeiter-Know-how, Unternehmenskultur) den Erfolg beeinflussen.
Titel: "Theoretische Modelle digitaler Transformation: Ein systematischer Vergleich"
Vorgehen: Analyse von 50+ Fachartikeln, Vergleich verschiedener Transformationsmodelle, Herausarbeitung gemeinsamer Erfolgsfaktoren.
Titel: "Belastungsfaktoren und Bewältigungsstrategien: Eine qualitative Studie mit Grundschullehrkräften"
Vorgehen: 12 Interviews mit Lehrkräften, qualitative Inhaltsanalyse, Identifikation von Hauptbelastungen und Coping-Strategien.
Titel: "Burnout im Lehrerberuf: Ein Überblick über Ursachen, Symptome und Interventionsansätze"
Vorgehen: Systematische Auswertung von 80+ Studien, Synthese der Forschungsergebnisse, Identifikation von Forschungslücken.
Titel: "Green Marketing: Einfluss nachhaltiger Werbeaussagen auf die Kaufbereitschaft"
Vorgehen: Experiment mit 200 Probanden, Vergleich von Werbeanzeigen mit/ohne Nachhaltigkeits-Claims, Messung der Kaufabsicht.
Titel: "Theoretische Grundlagen des Green Marketing: Eine konzeptionelle Analyse"
Vorgehen: Literaturanalyse zu Green Marketing-Theorien, Vergleich verschiedener Ansätze, Entwicklung eines integrativen Rahmenmodells.
Weitere Beispiele: Soziale Arbeit | BWL | Psychologie
Empirische Arbeit: Sie erheben eigene Daten (Fragebogen, Interviews, Experimente) und werten diese aus. Literaturarbeit: Sie arbeiten ausschließlich mit bestehender Literatur, ohne selbst Daten zu erheben. Sie analysieren, vergleichen und synthetisieren vorhandenes Wissen.
Keine ist "besser" – beide sind vollwertige wissenschaftliche Arbeiten. Die Wahl hängt von Ihrer Forschungsfrage, Ihren Ressourcen und den Anforderungen Ihres Fachbereichs ab. Empirische Arbeiten sind in Sozialwissenschaften/BWL häufiger, Literaturarbeiten in Jura/Philosophie Standard.
Nein! Eine gute Literaturarbeit erfordert tiefgreifende Analyse, kritisches Denken und die Fähigkeit, 50-100+ Quellen zu einem kohärenten Argumentationsstrang zu verbinden. Sie ist anders, aber nicht einfacher. Viele unterschätzen den Aufwand der Synthese und kritischen Bewertung.
Das wäre dann keine reine Literaturarbeit mehr, sondern eine Mischform. Möglich ist das, aber sprechen Sie es mit Ihrem Betreuer ab. Oft werden solche Arbeiten als "empirische Arbeit mit qualitativer Methode" kategorisiert.
Ja, unbedingt! Auch empirische Arbeiten haben einen umfangreichen Theorieteil (oft 30-40% der Arbeit). Sie müssen zeigen, dass Sie den Forschungsstand kennen, auf welchen Theorien Sie aufbauen und wie Ihre Hypothesen begründet sind. → Empirische Arbeit schreiben
Typischerweise 50-100+ Quellen für eine Abschlussarbeit (Bachelor/Master). Bei Literaturarbeiten tendenziell mehr als bei empirischen Arbeiten, da die Literatur Ihre Hauptdatengrundlage ist. Qualität vor Quantität!
Empirisch häufig: Psychologie, Soziologie, BWL, Medizin, Soziale Arbeit, Naturwissenschaften. Literatur häufig: Jura, Philosophie, Theologie, Geschichte, Literaturwissenschaft. Aber: In jedem Fach sind beide Typen möglich – fragen Sie Ihren Betreuer!
Empirische Arbeiten brauchen typischerweise 4-8 Wochen mehr für Datenerhebung (Fragebogen verbreiten, Interviews koordinieren, Rücklauf abwarten). Dafür geht die Literaturrecherche bei Literaturarbeiten länger. Insgesamt ähnlicher Zeitaufwand, aber anders verteilt.
Grundsätzlich ja, aber je früher, desto besser. Ein Wechsel nach Beginn der Datenerhebung ist schwierig. Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Betreuer, wenn Sie merken, dass die gewählte Form nicht passt.
Oft nein oder nur kurz (0,5 Seiten) zur Beschreibung der Literaturrecherche-Strategie. Bei empirischen Arbeiten ist das Methodenkapitel umfangreich (2-4 Seiten). → Methodik schreiben
Ein Systematic Review ist eine besondere Form der Literaturarbeit mit sehr strukturiertem Vorgehen: klare Ein-/Ausschlusskriterien für Quellen, vollständige Erfassung relevanter Studien, systematische Auswertung. Oft in Medizin und Psychologie. Aufwändiger als klassische Literaturarbeit.
Ja! Professionelle Ghostwriter beraten Sie bei der Wahl zwischen empirischer Arbeit und Literaturarbeit, unterstützen bei der Themenfindung und helfen bei der Umsetzung. Nutzen Sie die Expertise von Akademikern mit langjähriger Erfahrung.
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