Literaturrecherche Doktorarbeit – Der ultimative Guide

Systematische Literaturrecherche ist das Fundament jeder Doktorarbeit. Dieser Guide zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie effizient recherchieren, die richtigen Datenbanken nutzen und Ihre Literatur professionell verwalten.

7-Phasen-Methode
100+ Datenbanken
Boolean-Operatoren
Tool-Empfehlungen

Warum ist systematische Literaturrecherche entscheidend?

Eine gründliche Literaturrecherche ist keine lästige Pflicht, sondern der Schlüssel zum Erfolg Ihrer Doktorarbeit. Sie spart Zeit, verhindert Fehler und erhöht die Qualität Ihrer Forschung dramatisch.

Die 6 Hauptgründe für systematische Recherche

  1. Forschungslücken identifizieren: Nur wer den aktuellen Stand kennt, kann echte Lücken finden
  2. Doppelarbeit vermeiden: Nichts ist frustrierender als festzustellen, dass Ihre Idee bereits erforscht wurde
  3. Methodik entwickeln: Lernen Sie aus erfolgreichen (und gescheiterten) Studien
  4. Theoretisches Fundament: Solide Grundlage für Ihre Argumentation
  5. Glaubwürdigkeit aufbauen: Zeigen Sie, dass Sie den Forschungsstand kennen
  6. Zeit sparen beim Schreiben: Keine hektische Nachrecherche während des Schreibens

Literaturumfang nach Fachbereich

Fachbereich Typischer Literaturumfang Besonderheiten
Geisteswissenschaften 200-400 Quellen Viele Primärquellen, historische Texte
Sozialwissenschaften 150-300 Quellen Mix aus Theorie und empir. Studien
BWL/VWL 150-250 Quellen Viele empirische Studien, aktuelle Daten
Psychologie 120-250 Quellen Fokus auf peer-reviewed Journals
MINT-Fächer 100-200 Quellen Sehr aktuelle Literatur (< 5 Jahre)
Medizin 80-150 Quellen Hoher Anteil systematischer Reviews
Rechtswissenschaften 150-250 Quellen Urteile, Kommentare, Zeitschriften

⚠️ Qualität vor Quantität!

Mehr Quellen bedeuten nicht automatisch eine bessere Arbeit. 100 hochrelevante, gut ausgewählte Quellen sind wertvoller als 300 oberflächliche Zitate. Ihre Betreuer erkennen sofort, ob Sie die Literatur wirklich durchdrungen oder nur "gesammelt" haben.

Was sind wissenschaftliche Quellen?

Nicht alles, was Sie im Internet finden, ist für Ihre Dissertation geeignet. Sie müssen wissenschaftliche von unwissenschaftlichen Quellen unterscheiden können.

Wissenschaftliche Quellen (zitierfähig)

📚 Peer-Reviewed Journals (Gold-Standard)

Was ist das? Zeitschriftenartikel, die vor Veröffentlichung von unabhängigen Fachgutachtern geprüft wurden.

Warum wichtig? Höchste Qualitätssicherung, methodische Strenge

Beispiele: Nature, Science, JAMA, American Economic Review, Psychological Bulletin

Wie erkennen? Datenbank PubMed, Web of Science, Scopus → meist peer-reviewed

📖 Fachbücher & Monographien

Lehrbücher: Etabliertes Grundlagenwissen, gut für Theorieteil
Monographien: Tiefgehende Behandlung spezifischer Themen
Sammelbände: Verschiedene Perspektiven zu einem Thema
Handbücher: Umfassende Überblicke, oft international

Achten Sie auf: Renommierte Verlage (Springer, Elsevier, Oxford University Press, etc.)

🎓 Dissertationen & Habilitationen

Dissertationen: Zeigen methodisches Vorgehen, oft mit umfangreichen Literaturverzeichnissen
Habilitationen: Höchste akademische Qualifikation, besonders fundiert

Nutzen: Orientierung für eigene Arbeit, ausführliche Methodenbeschreibungen
Vorsicht: Nicht zitierfähig sind Bachelor-/Masterarbeiten (außer als Graue Literatur begründet)

Nicht-wissenschaftliche Quellen (NICHT zitierfähig)

❌ Diese Quellen sind NICHT zitierfähig

Wikipedia & Online-Enzyklopädien
Problem: Jeder kann editieren, keine Qualitätssicherung
Aber: Als Einstieg OK, um Grundbegriffe zu verstehen und erste Literaturhinweise zu finden

Blogs & persönliche Websites
Problem: Keine peer-review, oft subjektiv oder kommerziell
Ausnahme: Blogs von anerkannten Professoren (z.B. auf Uni-Websites) können als Sekundärquelle diskutiert werden

Social Media (Twitter, Facebook, LinkedIn)
Problem: Keine wissenschaftliche Prüfung
Ausnahme: Wenn Sie Social Media selbst erforschen (als Primärdaten)

Journalistische Medien (Zeitungen, Magazine)
Beispiele: FAZ, Spiegel, Zeit, Handelsblatt
Ausnahme: Bei historischer/politikwissenschaftlicher Forschung als Primärquellen oder für Diskussionssektionen

Kommerzielle/Unternehmenswebsites
Problem: Marketing-orientiert, parteiisch
Ausnahme: Geschäftsberichte, Pressemitteilungen als Primärquellen (aber kritisch diskutieren!)

YouTube, Podcasts
Problem: Keine wissenschaftliche Prüfung
Ausnahme: Offizielle Vorlesungsaufzeichnungen von Unis

✅ Qualitätskriterien prüfen

Bewerten Sie jede Quelle nach diesen 8 Kriterien:

  1. Autor: Anerkannter Experte? Professor? PhD?
  2. Peer-Review: Von Fachkollegen geprüft?
  3. Verlag/Journal: Renommiert? Impact Factor?
  4. Aktualität: < 10 Jahre (außer Klassiker)?
  5. Zitationen: Wird häufig zitiert (Google Scholar)?
  6. Methodik: Transparent und nachvollziehbar?
  7. Quellenangaben: Gute Belege vorhanden?
  8. Objektivität: Neutrale Darstellung oder tendenziös?

Die 7 Phasen der systematischen Literaturrecherche

Eine strukturierte Recherche für Ihre Doktorarbeit folgt diesem bewährten 7-Phasen-Modell. Jede Phase baut auf der vorherigen auf.

Phase 1: Fragestellung präzisieren

Ziel: Klare, forschbare Fragestellung definieren

Konkrete Schritte:

  • Kernfrage in 1-2 Sätzen formulieren
  • Unterfragen ableiten (3-5 Stück)
  • Scope definieren: Was gehört dazu? Was NICHT?
  • Relevante Fachbegriffe sammeln
  • Mit Betreuer besprechen und finalisieren

Beispiel gute vs. schlechte Fragestellung:

❌ Schlecht: "Wie funktioniert Marketing?"
→ Zu breit, keine Richtung, nicht forschbar

✅ Gut: "Welchen Einfluss haben personalisierte E-Mail-Kampagnen auf die Kauffrequenz von Millennials (25-40 Jahre) im deutschen E-Commerce?"
→ Spezifisch, messbar, eingegrenzt, forschbar

Zeitaufwand: 1-2 Wochen

Phase 2: Suchbegriffe systematisch aufstellen

Ziel: Umfassende Liste von Suchbegriffen in Deutsch UND Englisch

Vorgehen (PICO-Methode für empirische Arbeiten):

PICO-Strategie

P - Population: Wer wird untersucht?
I - Intervention: Was wird gemacht/verglichen?
C - Comparison: Womit wird verglichen?
O - Outcome: Was ist das Ergebnis/die Wirkung?

Beispiel:

PICO Deutsch Englisch Synonyme
P Millennials, 25-40-Jährige Millennials, Generation Y young adults, digital natives
I E-Mail-Marketing email marketing newsletter, email campaigns
C keine Werbung, generische Werbung no advertising, generic ads control group, placebo
O Kaufverhalten, Konversion purchase behavior, conversion buying patterns, sales

Weitere wichtige Schritte:

  • Synonyme sammeln (Thesaurus nutzen!)
  • Ober- und Unterbegriffe identifizieren
  • Abkürzungen notieren (KI vs. AI, ML, etc.)
  • Verschiedene Schreibweisen berücksichtigen (E-Mail vs. Email)

Zeitaufwand: 2-3 Tage

Phase 3: Datenbanken bestimmen

Ziel: 3-5 passende Datenbanken für Ihr Fachgebiet auswählen

Fachspezifische Empfehlungen:

  • Medizin / Biologie/: PubMed (kostenlos), EMBASE, Cochrane Library
  • Psychologie: PsycINFO, PsycARTICLES, PSYNDEX
  • BWL / VWL: EBSCO Business Source, JSTOR, EconLit, Google Scholar
  • Sozialwissenschaften: GESIS, SocINDEX, Web of Science
  • Rechtswissenschaften: Beck-Online, juris, HeinOnline
  • Geisteswissenschaften: JSTOR, Project MUSE, MLA International Bibliography
  • MINT: IEEE Xplore, Web of Science, Scopus, arXiv

Zeitaufwand: 1 Tag

Phase 4-7: Recherche durchführen

Phase 4: Einstiegsrecherche (explorative Suche, Treffer bewerten)
Phase 5: Schlagwörter ermitteln (MeSH, Thesauri nutzen)
Phase 6: Suchstrategie optimieren (Boolean-Operatoren, siehe unten)
Phase 7: Ergebnisse sichten & erweitern (Forward/Backward Search)

Gesamtzeitaufwand Recherche: 4-8 Wochen intensive Phase, dann kontinuierlich

Methoden: Schneeballsystem vs. Systematische Suche

Es gibt zwei grundlegende Recherchemethoden. Idealerweise kombinieren Sie beide!

❄️ Schneeballsystem (Backward Search)

So funktioniert's:

  1. Starten Sie mit 1-2 relevanten Artikeln (z.B. vom Betreuer empfohlen)
  2. Durchforsten Sie das Literaturverzeichnis
  3. Identifizieren Sie häufig zitierte "Klassiker"
  4. Besorgen Sie diese Werke
  5. Wiederholen Sie den Prozess mit den neuen Werken

✅ Vorteile:

  • Einfacher Einstieg
  • Findet etablierte Standardwerke
  • Gut für Theorieteil
  • Zeigt "Klassiker" des Feldes

❌ Nachteile:

  • Findet nur ÄLTERE Literatur
  • Gefahr von "Zitierzirkeln"
  • Unsystematisch, potentiell lückenhaft
  • Übersieht neueste Forschung
  • Abhängig von Startwerk

Wann nutzen? Zu Beginn der Recherche, für Grundlagenwerke

🔍 Systematische Datenbanksuche

So funktioniert's:

  1. Fragestellung formulieren (PICO)
  2. Suchbegriffe definieren
  3. Datenbanken auswählen
  4. Boolean-Operatoren nutzen (AND, OR, NOT)
  5. Filter anwenden (Jahr, Sprache, Typ)
  6. Ergebnisse systematisch screenen
  7. Dokumentieren!

✅ Vorteile:

  • Findet AKTUELLE Literatur
  • Vollständiger, weniger Lücken
  • Reproduzierbar
  • Findet auch abweichende Meinungen
  • Wissenschaftlich fundiert

❌ Nachteile:

  • Zeitaufwendig initial
  • Erfordert Datenbankkenntnis
  • Kann überwältigend sein (zu viele Treffer)
  • Nicht alle Datenbanken kostenlos

Wann nutzen? Hauptmethode für vollständige Recherche

💡 Best Practice: Kombinieren Sie beide Methoden!

Empfohlenes Vorgehen:

1. Start mit Schneeballsystem: Verschaffen Sie sich einen Überblick, identifizieren Sie 5-10 Kernwerke
2. Systematische Suche: Vollständige Datenbankrecherche für aktuellste Literatur
3. Forward Search: Wer zitiert die gefundenen Klassiker? (Google Scholar "Zitiert von")
4. Erneutes Schneeballsystem: Bei besonders relevanten neuen Funden

Resultat: Sowohl historische Tiefe als auch aktuellste Forschung!

Forward Search (Citation Tracking)

Was ist das? Sie suchen NICHT nach älteren Quellen, sondern nach neueren Arbeiten, die Ihren gefundenen "Klassiker" zitieren.

Wie geht das?
• Google Scholar: Bei jedem Artikel steht "Zitiert von: 123" → anklicken
• Web of Science: "Times Cited" Funktion
• Scopus: "Cited by" Funktion

Warum wichtig? Findet die AKTUELLSTE Forschung zu einem etablierten Werk!

Brauchen Sie Unterstützung bei Ihrer Literaturrecherche?

Eine umfassende Literaturrecherche kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Unsere erfahrenen Akademiker mit Doktortitel unterstützen Sie bei der systematischen Recherche, Literaturbewertung und -verwaltung für Ihre Doktorarbeit.

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✓ 500+ Ghostwriter mit Promotion | ✓ 9 Professoren | ✓ 200+ Doktoren | ✓ Alle Fachbereiche

Die wichtigsten Datenbanken im Überblick

🆓 Kostenlose Datenbanken (ohne Uni-Zugang nutzbar)

Datenbank Fachgebiet Umfang Besonderheiten
PubMed Medizin, Biologie 35+ Mio. Artikel Gold-Standard Medizin, MeSH-Thesaurus, kostenfrei
Google Scholar Alle Fächer Riesig (Mrd.) Einfach, findet oft Volltexte, Citation Tracking
BASE Alle Fächer 300+ Mio. Dokumente Bielefeld Academic Search Engine, Open Access
CORE Alle Fächer 200+ Mio. Artikel Open Access, wissenschaftliche Publikationen
arXiv Physik, Mathe, CS 2+ Mio. Preprints Aktuellste Forschung, noch nicht peer-reviewed!
SSRN Sozialwissenschaften 1+ Mio. Papers Working Papers, Preprints

💰 Kostenpflichtige Datenbanken (meist über Uni zugänglich)

Datenbank Fachgebiet Umfang Warum wichtig?
Web of Science Alle Fächer 90+ Mio. Artikel Impact Factor, Citation Index, sehr hochwertig
Scopus Alle Fächer 80+ Mio. Artikel Größter Abstract/Citation Index, Alternative zu WoS
EMBASE Medizin, Pharmazie 35+ Mio. Artikel Ergänzt PubMed, viele europäische Journals
PsycINFO Psychologie 5+ Mio. Artikel Gold-Standard Psychologie, APA Thesaurus
EBSCO Business Source BWL, VWL 4+ Mio. Artikel Führend in Business/Economics
IEEE Xplore Engineering, IT 5+ Mio. Dokumente Standard für Ingenieurwissenschaften
JSTOR Geistes-/Sozialwiss. 12+ Mio. Artikel Historisches Archiv, sehr umfassend
Beck-Online Jura Sehr umfangreich Standard Deutschland, Kommentare, Urteile

💡 Tipp: VPN der Universität nutzen!

Fast alle kostenpflichtigen Datenbanken sind über Ihre Universitätsbibliothek zugänglich – aber oft NUR im Uni-Netzwerk oder per VPN von zuhause.

So geht's:
1. VPN-Client Ihrer Uni herunterladen
2. Mit Uni-Login verbinden
3. Jetzt haben Sie Zugriff auf alle lizenzierten Datenbanken!

Kontakt: Universitätsbibliothek → IT-Services → VPN

Suchstrategien: Boolean-Operatoren & Co.

Mit den richtigen Suchoperatoren finden Sie in Minuten, wofür Sie sonst Stunden bräuchten.

Die 4 wichtigsten Boolean-Operatoren

1. AND (Schnittmenge)

Was macht es? Verknüpft Begriffe – BEIDE müssen vorkommen

Beispiel: diabetes AND exercise
→ Findet nur Artikel, die BEIDE Begriffe enthalten

Effekt: ⬇️ Weniger Treffer, aber relevanter

Wann nutzen? Um zu breite Suchen einzugrenzen

2. OR (Vereinigungsmenge)

Was macht es? Verbindet Synonyme – EINS muss vorkommen

Beispiel: elderly OR aged OR geriatric
→ Findet Artikel mit IRGENDEINEM dieser Begriffe

Effekt: ⬆️ Mehr Treffer

Wann nutzen? Um Synonyme einzuschließen

3. NOT (Ausschluss)

Was macht es? Schließt unerwünschte Begriffe aus

Beispiel: stroke NOT hemorrhagic
→ Findet "stroke" aber OHNE "hemorrhagic"

Effekt: ⬇️ Weniger Treffer, gezielter

Vorsicht: Kann relevante Artikel ausschließen!

4. Klammern (Reihenfolge)

Was macht es? Steuert die Reihenfolge der Verknüpfung

Beispiel: (heart OR cardiac) AND (failure OR insufficiency)

Effekt: Präzise Kombinationen

Wichtig: Wie in Mathe: Klammern zuerst!

Weitere wichtige Suchoperatoren

Operator Funktion Beispiel Ergebnis
* (Trunkierung) Findet Wortformen child* child, children, childhood, childish
? (Wildcard) Ersetzt 1 Zeichen wom?n woman, women
"..." (Phrase) Exakte Phrase "climate change" Nur diese exakte Wortkombination
NEAR/n Wörter nah beieinander diabetes NEAR/5 mellitus Begriffe max. 5 Wörter auseinander

🎯 Praxisbeispiel: Komplexe Suchstrategie

Forschungsfrage: "Welche Auswirkungen hat körperliche Aktivität auf Depression bei älteren Menschen?"

Schritt 1: Konzepte identifizieren

Konzept A: Körperliche Aktivität
Konzept B: Depression
Konzept C: Ältere Menschen

Schritt 2: Synonyme sammeln

A: exercise, physical activity, sport, training, fitness
B: depression, depressive disorder, mood disorder, melancholy
C: elderly, aged, older adults, geriatric, senior

Schritt 3: Suchstring bauen

(exercise OR "physical activity" OR sport* OR training OR fitness) AND (depression OR "depressive disorder" OR "mood disorder") AND (elderly OR aged OR "older adult*" OR geriatric OR senior*)

Schritt 4: Filter anwenden

  • Publikationsjahr: 2015-2025 (letzte 10 Jahre)
  • Publikationstyp: Clinical Trial, Randomized Controlled Trial
  • Sprache: Englisch, Deutsch
  • Volltext verfügbar: Ja

⚠️ Häufige Fehler bei der Suche

  • Zu spezifisch starten: Lieber breit beginnen, dann eingrenzen
  • Nur 1-2 Begriffe nutzen: Nutzen Sie Synonyme mit OR!
  • Keine Anführungszeichen bei Phrasen: "machine learning" findet Besseres als machine learning
  • Trunkierung vergessen: child* findet mehr als nur child
  • Nicht dokumentieren: Schreiben Sie Ihre Suchstrings auf!

Tools zur Literaturverwaltung

Bei 100-300 Quellen verlieren Sie ohne gutes Tool den Überblick. Diese Programme helfen bei Organisation, Zitation und Kollaboration.

Die 4 besten Literaturverwaltungsprogramme

Tool Preis Vorteile Nachteile Für wen?
Zotero Kostenlos (+ Speicher kostenpflichtig) • Open Source
• Browser-Plugin
• Word/LibreOffice Plugin
• Gruppen-Funktion
• PDF-Verwaltung
• Nur 300MB Cloud gratis
• Interface etwas altbacken
Budget-bewusste Doktoranden, alle Fächer
Citavi ~100€/Jahr (Studenten oft Uni-Lizenz!) • Sehr mächtig
• Wissensorganisation
• Aufgabenplanung
• Deutsche Zitationsstile
• Top Support
• Nur Windows
• Teuer ohne Uni-Lizenz
• Steile Lernkurve
Deutsche Unis, Geistes-/Sozialwissenschaften
Mendeley Kostenlos (Elsevier) • Kostenlos 2GB
• PDF-Annotation
• Social Features
• Mobile Apps
• Gute Integration
• Elsevier (Datenschutz)
• Weniger Zitationsstile
• Langsam bei vielen PDFs
MINT-Fächer, internationale Teams
EndNote ~120€/Jahr (oft Uni-Lizenz) • Sehr etabliert
• Mächtige Funktionen
• Große Datenbanken
• Professionell
• Teuer
• Komplizierte Bedienung
• Altmodisches UI
Medizin, etablierte Forscher, große Projekte

🏆 Unsere Empfehlung für Doktoranden

1. Wahl: Zotero (wenn kein Budget)
Kostenlos, Open Source, funktioniert einwandfrei, große Community

2. Wahl: Citavi (wenn Uni-Lizenz vorhanden)
Perfekt für deutsche Doktoranden, besonders in Geistes-/Sozialwissenschaften

3. Wahl: Mendeley (wenn viel Kollaboration)
Gut für Teams, kostenlos 2GB

Wichtig: Entscheiden Sie sich FRÜH und bleiben Sie dabei! Ein Wechsel mit 200 Einträgen ist mühsam.

Weitere hilfreiche Tools

📊 PDF-Annotation

Adobe Acrobat: Standard, aber teuer
PDF-XChange: Günstig, sehr gut
Foxit Reader: Kostenlos
Preview (Mac): Bereits installiert

🔍 Volltextsuche

Unpaywall: Browser-Plugin, findet legale Open Access Versionen
Google Scholar Button: Schnellzugriff auf Zitationen
Kopernio: Findet PDFs automatisch

📝 Notizen & Wissensmanagement

Obsidian: Verlinkte Notizen
Notion: All-in-One Workspace
OneNote: Microsoft, kostenlos
Evernote: Klassiker

🤖 KI-Assistenten

Elicit: KI-Literaturrecherche
Semantic Scholar: KI-basierte Relevanz
ChatGPT: Zusammenfassungen (Vorsicht: prüfen!)
Mehr dazu: KI-Tools in der Doktorarbeit

10 häufige Fehler bei der Literaturrecherche

1. Zu spät beginnen

Problem: Recherche erst beim Schreiben starten
Folge: Stress, Zeitdruck, Lücken
Lösung: Recherche ist Phase 1, nicht "nebenbei"!

2. Nur Google nutzen

Problem: Google Scholar allein reicht nicht
Folge: Wichtige Datenbanken werden übersehen
Lösung: Mind. 3-5 fachspezifische Datenbanken nutzen

3. Keine Suchstrategie

Problem: "Ich google mal..." ohne Plan
Folge: Unsystematisch, Lücken, nicht reproduzierbar
Lösung: PICO-Methode, Suchstrings dokumentieren

4. Synonyme ignorieren

Problem: Nur mit 1-2 Begriffen suchen
Folge: Viele relevante Artikel werden nicht gefunden
Lösung: OR-Verknüpfung für alle Synonyme nutzen

5. Zu schmale Literatur

Problem: Nur deutsche Quellen, nur ein Journal
Folge: Perspektive zu eng, "Tunnelblick"
Lösung: Internationale Literatur, verschiedene Quellen

6. Alles lesen wollen

Problem: Jeden Artikel komplett lesen
Folge: Zeitverschwendung, Überforderung
Lösung: Title → Abstract → Intro/Conclusion → Rest

7. Nicht dokumentieren

Problem: Keine Notizen zu Suchstrings und Strategie
Folge: Nicht nachvollziehbar, Duplikate
Lösung: Alles in Excel/Tool dokumentieren

8. Literaturverwaltung aufschieben

Problem: "Ordne ich später..."
Folge: Chaos mit 200 PDFs
Lösung: Ab Tag 1 Zotero/Citavi nutzen!

9. Qualität nicht prüfen

Problem: Alles zitieren was passt
Folge: Schlechte Quellen, Glaubwürdigkeit leidet
Lösung: Peer-review, Impact Factor, Methodik prüfen

10. Statische Recherche

Problem: Einmal recherchieren, dann fertig
Folge: Neue wichtige Literatur wird übersehen
Lösung: Alerts einrichten, kontinuierlich aktualisieren

Häufige Fragen zur Literaturrecherche

Wie viele Quellen brauche ich für meine Dissertation?

Kurze Antwort: 100-400 Quellen je nach Fachbereich

Detailliert: Der Umfang variiert stark:

  • Geisteswissenschaften: 200-400 (viele Primärquellen)
  • Sozialwissenschaften: 150-300
  • BWL/VWL: 150-250
  • Psychologie: 120-250
  • MINT: 100-200 (schnelllebig, aktuelle Literatur)
  • Medizin: 80-150 (Fokus auf Reviews und Studien)
  • Jura: 150-250 (Kommentare, Urteile, Zeitschriften)

Wichtig: Qualität > Quantität! Lieber 100 hochrelevante als 300 oberflächliche Quellen.

Wie lange dauert eine gründliche Literaturrecherche?

Intensive Phase: 4-8 Wochen Vollzeit

Kontinuierliche Phase: Während der gesamten Promotion

Zeitplan:

  • Woche 1-2: Fragestellung klären, Suchbegriffe sammeln, Datenbanken identifizieren
  • Woche 3-4: Systematische Suche durchführen, erste Screening-Runde
  • Woche 5-6: Volltexte beschaffen, detailliertes Screening
  • Woche 7-8: Forward/Backward Search, Recherche abrunden

Faustregel: 20-30% der gesamten Promotionszeit für Literaturarbeit einplanen

Darf ich Wikipedia für meine Doktorarbeit nutzen?

Zum Zitieren: NEIN

Wikipedia ist NICHT zitierfähig, weil:

  • Keine peer-review
  • Jeder kann editieren
  • Inhalt kann sich jederzeit ändern
  • Keine wissenschaftliche Qualitätssicherung

Aber als Einstieg: JA

  • ✓ Grundbegriffe verstehen
  • ✓ Ersten Überblick gewinnen
  • ✓ Literaturhinweise im Artikel finden
  • ✓ Dann die ORIGINALEN Quellen suchen und zitieren!
Was mache ich, wenn ich den Volltext nicht finde?

5-Stufen-Plan zur Volltextbeschaffung:

  1. Unpaywall Browser-Plugin: Prüft automatisch nach legalen Open Access Versionen
  2. Google Scholar: Oft gibt es PDF-Links rechts neben dem Ergebnis
  3. Uni-Bibliothek VPN: Verbinden Sie sich per VPN, viele Artikel sind über Uni-Lizenzen verfügbar
  4. Fernleihe: Über Ihre Uni-Bib bestellen (1-2 Wochen, 1,50€)
  5. Autor kontaktieren: Viele Autoren schicken PDFs gerne per E-Mail (ResearchGate nutzen!)
  6. Subito: Kommerzieller Lieferdienst (schnell, aber ~10-15€)

Legal: Niemals Sci-Hub oder ähnliche Piratenseiten nutzen (Urheberrechtsverletzung)!

Welches Literaturverwaltungsprogramm soll ich nutzen?

Empfehlungen nach Situation:

Wenn Budget knapp: Zotero (kostenlos, Open Source, sehr gut)

Wenn Uni-Lizenz vorhanden: Citavi (besonders gut in Deutschland, Geistes-/Sozialwissenschaften)

Wenn viel Teamarbeit: Mendeley (kostenlos, gute Collaboration-Features)

Wenn etabliert/Medizin: EndNote (Standard, aber teuer)

WICHTIG:

  • Entscheiden Sie sich FRÜH (Wechsel mit 200 Einträgen ist mühsam!)
  • Lernen Sie das Tool RICHTIG (1-2 Tage Tutorial lohnen sich)
  • Backup! Backup! Backup! (Cloud + lokale Kopie)
Wie erkenne ich qualitativ hochwertige Quellen?

8-Punkte-Checkliste:

  1. Peer-Review: Wurde der Artikel begutachtet? (PubMed, Web of Science → meist ja)
  2. Autor: Professor? Dr.? Anerkannter Experte? (Google den Namen!)
  3. Journal/Verlag: Renommiert? Impact Factor > 2? (Google "Journal Impact Factor")
  4. Zitationen: Wird oft zitiert? (Google Scholar: "Zitiert von: X")
  5. Aktualität: < 10 Jahre? (Außer Klassiker)
  6. Methodik: Klar beschrieben? Sample Size? Limitations diskutiert?
  7. Interessenkonflikte: Offengelegt? Von wem finanziert?
  8. Vollständigkeit: Gute Quellenangaben? Nachprüfbar?

Warnsignale (Predatory Journals):

  • Aufforderung Artikel einzureichen per Spam-Mail
  • Publikation gegen Gebühr ohne echte Review
  • Journal-Name ähnelt bekanntem Journal
  • Unrealistisch schnelle Publikation (< 1 Monat)
Wann ist meine Recherche "vollständig"?

Die Recherche ist NIE zu 100% vollständig. Sie ist fertig, wenn:

  1. Sättigung erreicht: Neue Suchen bringen keine neuen relevanten Treffer mehr
  2. Zirkuläre Zitationen: Neue Artikel verweisen immer auf dieselben Quellen, die Sie bereits kennen
  3. Klassiker identifiziert: Sie kennen die 10-20 "Must-Read" Werke Ihres Feldes
  4. Aktualität gesichert: Sie haben die neuesten Publikationen (letztes Jahr)
  5. Betreuer zufrieden: Rücksprache mit Doktorvater/-mutter

Faustregel: Lieber mit 80% "Vollständigkeit" anfangen zu schreiben als ewig zu recherchieren. Sie können WÄHREND des Schreibens gezielt nachrecherchieren!

Wie dokumentiere ich meine Recherche?

Was Sie dokumentieren sollten:

  • Suchstrings: Alle verwendeten Kombinationen
  • Datenbanken: Welche? Wann? Mit welchen Filtern?
  • Trefferanzahlen: Wie viele Hits pro Suche?
  • Screening-Prozess: Wie viele Titel → Abstract → Volltext?
  • Ein-/Ausschlusskriterien: Nach welchen Regeln haben Sie ausgewählt?
  • Datum: Wann wurde recherchiert?

Wie dokumentieren:

  • Excel-Tabelle (einfach, flexibel)
  • PRISMA-Flowchart (Standard für systematische Reviews)
  • Im Literaturverwaltungstool (Tags, Collections)

Warum wichtig:

  • Nachvollziehbarkeit für Betreuer/Prüfer
  • Sie können später weiterrecherchieren
  • Verhindert Duplikate
  • Zeigt Systematik (wichtig für Note!)

Professionelle Unterstützung für Ihre Literaturrecherche

Eine umfassende Literaturrecherche kann 4-8 Wochen Vollzeitarbeit erfordern. Unsere erfahrenen Akademiker mit Doktortitel (9 Professoren, 200+ Doktoren) unterstützen Sie bei der systematischen Recherche, kritischen Bewertung und professionellen Aufbereitung der Literatur für Ihre Doktorarbeit.

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