Die Einleitung ist das Aushängeschild Ihrer Dissertation – hier entscheidet sich, ob Prüfer weiterlesen oder das Interesse verlieren. Erfahren Sie, wie Sie eine überzeugende Einleitung schreiben, die von der ersten Seite an fesselt.
Die Einleitung Ihrer Dissertation ist Ihr wissenschaftlicher Elevator Pitch. In nur 15-25 Seiten müssen Sie Ihr Forschungsthema überzeugend präsentieren, die Relevanz begründen und einen klaren Fahrplan für die gesamte Arbeit liefern.
Die Einleitung ist oft das erste Kapitel, das Ihr Prüfer liest. Ein schwacher Einstieg kann den Eindruck von der gesamten Arbeit negativ beeinflussen – selbst wenn Hauptteil und Fazit exzellent sind. Investieren Sie ausreichend Zeit in dieses Kapitel!
Die Einleitung ist die Landkarte Ihrer Dissertation. Leser sollen verstehen: Wohin führt die Reise? Welche Route nehmen Sie? Was ist das Ziel?
Warum sollte jemand 300 Seiten Ihrer Arbeit lesen? Die Einleitung muss überzeugen, dass Ihr Thema relevant, spannend und wissenschaftlich wertvoll ist.
Hier zeigen Sie, dass Sie den Forschungsstand kennen, methodisch sauber arbeiten und einen originären Beitrag leisten.
Die Einleitung eröffnet den roten Faden, der sich durch die gesamte Arbeit zieht. Sie schreibt Schecks, die das Fazit einlösen muss.
Eine exzellente Dissertationseinleitung erfüllt sechs kritische Funktionen gleichzeitig. Fehlt eine davon, wirkt die Einleitung unvollständig.
Zweck: Den größeren Zusammenhang herstellen – gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz
Inhalt:
Stil: Überzeugend argumentieren, aber sachlich bleiben. Keine Übertreibungen ("das wichtigste Thema unserer Zeit").
✅ Gute Formulierungen:
❌ Zu vermeiden:
Zweck: Rechtfertigung Ihrer Forschung – warum ist Ihre Arbeit nötig?
Inhalt:
Stil: Kritisch, aber konstruktiv. Würdigen Sie bestehende Forschung, bevor Sie Lücken aufzeigen.
Strategien zur Lückendarstellung:
Zweck: Klare Zielsetzung definieren – was wollen Sie herausfinden?
Eine gute Forschungsfrage ist CLEAR:
Struktur Ihrer Forschungsfragen:
Zweck: Mehrwert Ihrer Arbeit verdeutlichen – was ist Ihre Originalität?
Inhalt:
Stil: Selbstbewusst, aber nicht überheblich. "Diese Arbeit trägt bei..." statt "Diese bahnbrechende Studie revolutioniert..."
Zweck: Glaubwürdigkeit etablieren – wie gehen Sie wissenschaftlich vor?
Inhalt:
Tipp: In der Einleitung reicht ein Überblick. Details gehören ins Methodenkapitel.
Zweck: Orientierung für den Leser – Was erwartet ihn wo?
Struktur:
✅ Gute Formulierung:
"Die Dissertation gliedert sich in sechs Kapitel. Nach dieser Einleitung entwickelt Kapitel 2 den theoretischen Rahmen auf Basis der Institutional Theory. Kapitel 3 erläutert das methodische Vorgehen, insbesondere die Fallstudienanalyse. Kapitel 4 präsentiert die empirischen Befunde..."
Kritisch: Einleitung und Fazit bilden einen Rahmen um Ihre Arbeit. Sie müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein:
Tipp: Schreiben Sie Einleitung und Fazit parallel am Ende. Checken Sie beide Kapitel gegenseitig ab!
Schreiben Sie die Einleitung NICHT am Anfang, sondern AM ENDE Ihres Schreibprozesses!
Die Einleitung ist paradox: Sie steht am Anfang, aber Sie können sie nur am Ende schreiben. Warum?
Wenn Sie die Einleitung zu Beginn schreiben:
Wenn Sie die Einleitung am Ende schreiben:
Schreiben Sie zuerst Ihre inhaltlichen Kapitel: Theorie, Methode, Empirie, Diskussion. Sammeln Sie währenddessen Stichpunkte für die Einleitung.
Nachdem der Hauptteil steht, schreiben Sie das Fazit. Jetzt wissen Sie, was Sie erreicht haben und können es zusammenfassen.
JETZT schreiben Sie die Einleitung. Mit Fazit und Hauptteil fertig können Sie präzise beschreiben, wohin die Reise führt.
Überarbeiten Sie Einleitung und Fazit parallel. Checken Sie, ob sie perfekt zusammenpassen. 3-5 Überarbeitungsrunden sind normal!
Manche Betreuer verlangen schon nach 1-2 Jahren einen Einleitungsentwurf. Das ist ok! Schreiben Sie eine vorläufige Version und kennzeichnen Sie sie klar:
"Einleitung (Entwurf, Stand: [Datum])"
Machen Sie sich und Ihrem Betreuer klar: Das ist nicht die finale Version. Sie werden sie am Ende komplett überarbeiten.
Legen Sie von Anfang an ein separates Dokument "Einleitung_Notizen.docx" an. Immer wenn Ihnen während des Schreibens ein Gedanke kommt "Das muss in die Einleitung!", notieren Sie ihn dort.
Typische Notizen:
Am Ende haben Sie 80% der Einleitung bereits in Stichpunkten. Sie müssen nur noch ausformulieren!
Für kürzere Einleitungen: Ein fortlaufender Text ohne Unterkapitel. Alle 6 Funktionen werden integriert behandelt.
Bei längeren Einleitungen: Unterkapitel schaffen Übersichtlichkeit. Hier drei bewährte Strukturen:
1 Einleitung (integriert: Hinführung, Relevanz, Forschungslücke, Forschungsfrage)
1.1 Ziele der Arbeit
1.2 Methodisches Vorgehen
1.3 Aufbau der Arbeit
1 Einleitung (integriert: Hinführung, Relevanz)
1.1 Forschungsstand und Forschungslücke
1.2 Forschungsfragen und Ziele
1.3 Theoretischer Rahmen
1.4 Methodisches Vorgehen
1.5 Aufbau der Arbeit
1 Einleitung (integriert: Hinführung, Problemstellung)
1.1 Forschungsfragen und Zielsetzung
1.2 Forschungsdesign
1.3 Gang der Untersuchung
Unsicher, was in Ihrem Fachbereich üblich ist?
Was ist das? Eine zusammenhängende, in sich abgeschlossene Arbeit (die klassische Form).
Einleitung:
Was ist das? 3-5 eigenständige Publikationen + Rahmenschrift (oft in Naturwissenschaften).
Einleitung:
Hinweis: Jedes Paper hat bereits eine eigene Einleitung. Die Rahmeneinleitung schafft den übergeordneten Kontext.
Der verflixte erste Satz! Viele Doktoranden kämpfen damit, die leere Seite zu füllen. Der Einstieg ist wichtig – er entscheidet, ob Leser neugierig werden oder abschalten.
Strategie: Beginnen Sie mit einer überraschenden Statistik oder Zahl.
"87% der deutschen KMU verfügen über keine Digitalisierungsstrategie (Bitkom, 2024). Diese Lücke gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit von 3,5 Millionen Unternehmen und macht systematische Forschung zu Implementierungsbarrieren dringend erforderlich."
Strategie: Verknüpfen Sie Ihr Thema mit einem aktuellen Ereignis oder Trend.
"Die COVID-19-Pandemie hat die Telemedizin binnen Monaten von einer Nischenlösung zum Mainstream katapultiert. Während 2019 nur 2% der Konsultationen digital stattfanden, waren es 2023 bereits 35% (DAK, 2023). Diese rasante Entwicklung wirft grundlegende Fragen zur rechtlichen Regulierung auf."
Strategie: Präsentieren Sie einen Widerspruch oder ein Paradox, das Ihre Forschung motiviert.
"Obwohl Deutschland über eines der fortschrittlichsten Recycling-Systeme weltweit verfügt, landen jährlich 300.000 Tonnen Elektroschrott im Hausmüll (UBA, 2024). Dieses Paradox zwischen regulatorischem Anspruch und faktischem Verhalten bildet den Ausgangspunkt dieser Dissertation."
Strategie: Beginnen Sie mit einem prägnanten Zitat einer Autorität – aber Vorsicht, nicht abgedroschen!
"'Daten sind das neue Öl' postulierte The Economist 2017. Doch während Öl verbraucht wird, vermehren sich Daten exponentiell. Diese Analogie greift zu kurz und verschleiert fundamentale Unterschiede, die diese Arbeit systematisch untersucht."
Strategie: Beschreiben Sie eine konkrete Situation, die Ihr Thema illustriert (nicht bei allen Fächern geeignet!).
"Am 15. März 2023 erschütterte der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank das globale Finanzsystem. Binnen 48 Stunden zogen Kunden 42 Milliarden Dollar ab – nicht am Bankschalter, sondern per Smartphone-App. Diese Episode demonstriert die disruptive Kraft digitaler Finanzinfrastrukturen, die im Zentrum dieser Dissertation stehen."
Strategie: Für sehr spezifische Themen – direkt zur Forschungslücke.
"Während die Auswirkungen von Mikroplastik auf marine Ökosysteme umfassend erforscht sind, bleiben terrestrische Systeme weitgehend unerforscht. Diese Dissertation schließt diese Lücke durch eine systematische Analyse von Bodenproben in 15 Landwirtschaftsregionen Deutschlands."
Sie finden einfach keinen Einstieg? Kein Problem!
Der Platzhalter-Satz ist wie ein Arbeitstitel – er hilft Ihnen, anzufangen, ohne perfekt sein zu müssen. Später ersetzen Sie ihn!
Eine gute Einleitung folgt der Trichter-Logik: Sie beginnt breit (allgemeine Relevanz) und verengt sich schrittweise bis zu Ihrer spezifischen Forschungsfrage.
Gesellschaftliche/wissenschaftliche Relevanz des Themenbereichs
Spezifischer Bereich innerhalb des Themas
Was ist noch unerforscht?
Ihr spezifischer Ansatz
[Stufe 1: Allgemein]
Die Digitalisierung transformiert alle Bereiche der Wirtschaft. Laut OECD (2024) investieren Unternehmen weltweit jährlich über 2 Billionen Dollar in digitale Technologien. Deutsche Unternehmen hinken jedoch hinterher: Nur 23% haben eine umfassende Digitalstrategie implementiert (Bitkom, 2024).
[Stufe 2: Spezifischer]
Besonders kritisch ist die Situation bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Während Großunternehmen durchschnittlich 4,2% ihres Umsatzes in Digitalisierung investieren, sind es bei KMU nur 1,8% (ifo Institut, 2023). KMU beschäftigen 60% aller Arbeitnehmer in Deutschland – ihre Digitalisierung ist volkswirtschaftlich entscheidend.
[Stufe 3: Forschungslücke]
Die bisherige Forschung konzentrierte sich primär auf Großunternehmen (z.B. Porter & Heppelmann, 2014; Westerman et al., 2014). Die spezifischen Barrieren, mit denen KMU konfrontiert sind – begrenzte Ressourcen, fehlende IT-Expertise, Risikoaversion – wurden kaum systematisch untersucht. Insbesondere fehlen Erkenntnisse zu erfolgreichen Implementierungsstrategien in ressourcenbeschränkten Kontexten.
[Stufe 4: Ihre Forschung]
Diese Dissertation analysiert Digitalisierungsbarrieren und Erfolgsfaktoren in deutschen KMU. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche organisationalen Faktoren ermöglichen erfolgreiche Digitalisierung in ressourcenbeschränkten mittelständischen Unternehmen? Basierend auf 45 Fallstudien entwickelt diese Arbeit ein KMU-spezifisches Reifegradmodell für digitale Transformation.
Problem: Manche Doktoranden springen direkt zu ihrer Forschungsfrage, ohne den Kontext aufzubauen.
Folge: Leser verstehen nicht, warum das Thema relevant ist. Der "So what?"-Faktor fehlt.
Lösung: Nehmen Sie sich 2-3 Absätze Zeit, um von allgemein zu spezifisch zu kommen. Der Trichter braucht Raum!
Nichts lehrt besser als konkrete Beispiele. Hier sehen Sie typische Fehler und wie man sie behebt:
Was wurde verbessert?
Was wurde verbessert?
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Jede Disziplin hat eigene Konventionen für Einleitungen. Hier die wichtigsten Unterschiede:
Typische Länge: 10-15 Seiten (kürzer!)
Besonderheiten:
Typische Länge: 8-12 Seiten (sehr kurz!)
Besonderheiten:
Typische Länge: 20-30 Seiten (länger!)
Besonderheiten:
Typische Länge: 15-20 Seiten
Besonderheiten:
Typische Länge: 12-18 Seiten
Besonderheiten:
Typische Länge: 12-18 Seiten
Besonderheiten:
Promovieren Sie in englischer Sprache? Beachten Sie:
Problem: 5 Seiten bei 300 Seiten Gesamt (zu kurz) oder 50 Seiten (zu lang)
Lösung: Faustregel: 8-10% der Gesamtarbeit. Bei 300 Seiten = 20-30 Seiten Einleitung.
Problem: 5 Seiten Geschichte des Themas, kein Bezug zur eigenen Arbeit
Lösung: Kommen Sie zügig vom Allgemeinen zum Spezifischen. Der Trichter darf nicht endlos breit sein!
Problem: In Einleitung steht "Kapitel 5 analysiert X", aber Kapitel 5 tut das nicht
Lösung: Schreiben Sie Einleitung AM ENDE. Checken Sie jeden Satz gegen die fertige Arbeit!
Problem: Keine Erwähnung, wie Sie vorgehen
Lösung: Methodisches Vorgehen ist PFLICHT in der Einleitung. Mindestens 1 Absatz (bei NaWi mehr).
Problem: "Es wird untersucht, wie..." ohne konkrete Frage
Lösung: Formulieren Sie 1 klare Hauptfrage + 2-4 Teilfragen. Nutzen Sie Fragewörter (Wie? Warum? Inwiefern?).
Problem: "Es wird davon ausgegangen..." "Man kann sagen..." "Es ist anzunehmen..."
Lösung: Aktiv statt Passiv! "Diese Arbeit zeigt..." statt "Es wird gezeigt..."
Problem: "Niemand hat das bisher untersucht" (oft faktisch falsch!)
Lösung: Würdigen Sie bestehende Forschung, dann zeigen Sie präzise, was fehlt. "Während X erforscht ist, bleibt Y unklar..."
Problem: Leser wissen nicht, was sie erwartet
Lösung: Letzter Abschnitt der Einleitung = IMMER Aufbau der Arbeit. 2-3 Sätze pro Kapitel.
Problem: Leser müssen ständig nachschlagen
Lösung: Führen Sie Fachbegriffe langsam ein. Erklären Sie beim ersten Mal. Erst ab 3. Nutzung abkürzen.
Problem: "Das Thema ist wichtig" ohne Begründung
Lösung: Zahlen, aktuelle Ereignisse, Widersprüche → konkret machen! "Warum sollte jemand das lesen?" beantworten.
Gehen Sie diese Liste durch, bevor Sie die Einleitung als "fertig" betrachten:
| Aspekt | Exposé | Einleitung |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | Vor/zu Beginn der Promotion | Am Ende der Promotion |
| Zweck | Planung, Betreuer überzeugen | Arbeit präsentieren |
| Zeitform | Zukunft ("wird untersucht") | Vergangenheit ("wurde untersucht") |
| Umfang | 5-15 Seiten | 15-30 Seiten |
| Inhalt | Vorhaben, Planung | Durchgeführte Forschung |
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