Syntheseplanung & Retrosynthese in der Bachelorarbeit & Masterarbeit

Von der retrosynthetischen Analyse nach Corey bis zur Dokumentation mehrstufiger Syntheserouten: So planen, begruenden und dokumentieren Sie Ihre Synthesestrategie in der Chemie-Thesis – mit Schutzgruppenlogik, Routenvergleich und korrekter Ausbeutenberechnung.

Retrosynthese
Schutzgruppen
Routenvergleich
Ausbeuten & Selektivitaet
Mechanismen

Unsere Autoren – darunter promovierte Synthesechemiker mit Erfahrung in Totalsynthese, Pd-katalysierten Kreuzkupplungen und stereoselektiver Synthese – begleiten Abschlussarbeiten von der retrosynthetischen Analyse und Routenplanung über die Schutzgruppenstrategie bis zum vollständig dokumentierten Experimentalteil mit Ausbeutenvergleich. Seit 2012 haben wir über 12.000 akademische Projekte realisiert, einen wachsenden Anteil davon in der präparativen organischen und pharmazeutischen Chemie.

1. Retrosynthese: Grundlagen & Denklogik

Die Retrosynthese denkt rueckwaerts: Vom Zielmolekuel (Target, TM) zu einfacheren Vorstufen, bis kommerziell erhaeltliche Startmaterialien erreicht sind. E.J. Corey formalisierte diesen Ansatz 1967 und erhielt dafuer 1990 den Nobelpreis fuer Chemie.

Zielmolekuel (TM)Komplex, nicht kaeufelich
Vorstufe AEinfacher, 1 Bindung weniger
Vorstufe BNoch einfacher
StartmaterialKaeufelich (Sigma-Aldrich, TCI)

Der Doppelpfeil ⇒ symbolisiert die retrosynthetische Transformation (Disconnection). In der Vorwaertssynthese wird die Reihenfolge umgekehrt.

Zentrale Begriffe der Retrosynthese

  • Disconnection (Bindungsbruch): Die gedankliche Zerlegung einer Bindung im Zielmolekuel. Jede Disconnection erzeugt zwei Synthone.
  • Synthon: Idealisiertes Fragment, das die Polaritaet des Bindungsbruchs zeigt (Nucleophil oder Elektrophil). Synthone sind oft nicht real – sie werden durch synthetische Aequivalente (Reagenzien) ersetzt.
  • Synthetisches Aequivalent: Das reale Reagenz, das die Funktion des Synthons uebernimmt. Beispiel: Synthon = R-CO+ (Acylkation), synthetisches Aequivalent = Saeurehalogenid R-COCl.
  • Transform: Die retrosynthetische Umkehrung einer bekannten Reaktion. Beispiel: Retro-Wittig, Retro-Aldol, Retro-Diels-Alder.
  • FGI (Functional Group Interconversion): Umwandlung einer funktionellen Gruppe in eine andere, die eine guenstigere Disconnection ermoeglicht.

Wie die Retrosynthese in die Thesis passt

Die Retrosynthese gehoert in den Ergebnisteil, typischerweise als erstes Unterkapitel vor der experimentellen Durchfuehrung. Sie zeigt dem Gutachter: (1) Sie haben die Synthese geplant, nicht nur ausgefuehrt. (2) Sie koennen die Routenwahl begruenden. (3) Sie verstehen die zugrundeliegende Reaktionschemie. In einer Bachelorarbeit genuegt oft ein retrosynthetisches Schema mit kurzer Erlaeuterung (1–2 Seiten). In einer Masterarbeit erwarten Gutachter einen Routenvergleich mit Begruendung der gewaehlten Strategie.

Genau diese strategische Denkleistung – vom Zielmolekül rückwärts zu einer realisierbaren Route mit begründeter Schutzgruppenwahl und dokumentierten Ausbeuten – ist der Anspruch, den unsere Autoren an jede Synthesearbeit stellen.

2. Bindungsbrueche & Synthone: Die Werkzeuge der Retrosynthese

Die Kunst der Retrosynthese liegt in der Wahl der richtigen Disconnections. Gute Disconnections fuehren zu bekannten, zuverlaessigen Reaktionen mit hohen Ausbeuten. Schlechte Disconnections erzwingen exotische Reaktionen mit unvorhersagbaren Ergebnissen.

BindungstypRetrosynthetische DisconnectionVorwaertsreaktionZuverlaessigkeit
C-C (neben C=O)Retro-Aldol, Retro-ClaisenAldolreaktion, Claisen-KondensationHoch – Standardreaktion mit vorhersagbarer Stereoselektivitaet
C=CRetro-Wittig, Retro-HWE, Retro-MetatheseWittig-Reaktion, Olefin-MetatheseHoch – E/Z-Selektivitaet kontrollierbar
C-C (Aromat)Retro-Suzuki, Retro-Heck, Retro-SonogashiraPd-katalysierte KreuzkupplungHoch – breite Substrattoleranz, gut dokumentiert
C-N (Amid)Retro-AmidierungPeptidkupplung, Amidbildung aus Saeure + AminHoch – Standardmethode (EDC, HATU, DCC)
C-O (Ester)Retro-VeresterungFischer-Veresterung, Steglich-VeresterungHoch – triviale Reaktion
C-C (Ring)Retro-Diels-AlderDiels-Alder-CycloadditionHoch – stereoselektiv, vorhersagbar (Woodward-Hoffmann)

Vergleichbare Syntheseprojekte begleiten wir regelmäßig – von der retrosynthetischen Analyse und Disconnection-Strategie über den Routenvergleich bis zur vollständigen Dokumentation im Experimentalteil mit Ausbeutenberechnung und Literaturabgleich. Wenn Sie bereits eine Syntheseroute erarbeitet haben, steigen unsere Autoren direkt in die Optimierung und Verschriftlichung ein.

Strategische Bindungsbrueche vs. taktische Bindungsbrueche

In der Thesis unterscheiden Gutachter zwischen strategischen Disconnections (sie vereinfachen das Molekuel fundamental – z.B. Ringschluss, Symmetrie-Ausnutzung) und taktischen Disconnections (sie loesen ein lokales Problem – z.B. Einfuehrung einer Seitenkette). Eine ueberzeugende Retrosynthese beginnt mit der strategischen Analyse: Gibt es Symmetrie? Wo ist der komplexeste Teil des Molekuels? Welche Ringe muessen geschlossen werden?

3. Schutzgruppenstrategien

Schutzgruppen sind in der mehrstufigen Synthese oft unvermeidbar – eine funktionelle Gruppe muss voruebergehend maskiert werden, damit eine andere selektiv reagieren kann. In der Thesis muessen Sie die Schutzgruppenwahl begruenden und die Entschuetzung dokumentieren.

SchutzgruppeSchuetztEinfuehrungEntfernungOrthogonalitaet
TBS (TBDMS)Alkohol (OH)TBSCl, Imidazol, DMFTBAF in THF oder HF·PyridinStabil gegen Basen, milde Saeure; labil gegen Fluorid
Bn (Benzyl)Alkohol (OH)BnBr, NaH, DMFH2/Pd-C (Hydrogenolyse)Stabil gegen Saeure/Base; labil gegen Hydrogenolyse
BocAmin (NH)Boc2O, BaseTFA/DCM oder HCl/DioxanStabil gegen Base, Hydrogenolyse; labil gegen Saeure
FmocAmin (NH)FmocCl, BasePiperidin (20% in DMF)Stabil gegen Saeure; labil gegen Base – orthogonal zu Boc
Ac (Acetyl)Alkohol (OH)Ac2O, PyridinK2CO3/MeOH oder LiOHStabil gegen milde Saeure; labil gegen Base
PMBAlkohol (OH)PMBCl, NaHDDQ oder CAN (oxidativ)Stabil gegen Saeure/Base/H2; labil gegen Oxidation

Unsere Autoren beherrschen sowohl die Auswahl orthogonaler Schutzgruppensysteme als auch deren Begründung im Kontext der Folgestufen – sprechen Sie uns an, wenn Sie Unterstützung bei der Schutzgruppenstrategie für mehrstufige Synthesen benötigen.

Orthogonalitaet in der Thesis erklaeren

Orthogonale Schutzgruppen koennen unabhaengig voneinander entfernt werden – die Entschuetzung der einen laesst die andere intakt. Beispiel: Boc (saurelabil) + Fmoc (basenlabil) + Bn (hydrogenolytisch) = dreifach orthogonales System. In der Thesis genuegt ein kurzer Satz: „Die orthogonale Schutzgruppenstrategie (Boc/Fmoc) ermoeglicht die selektive Entschuetzung des N-Terminus bei Erhalt der Seitenkettenschutzgruppe." Referenz: Wuts & Greene, „Greene's Protective Groups in Organic Synthesis", 5. Auflage (2014).

4. Syntheserouten vergleichen & begruenden

In der Masterarbeit (und oft auch in der Bachelorarbeit) erwarten Gutachter, dass Sie mindestens zwei moegliche Syntheserouten skizzieren und begruenden, warum Sie sich fuer eine bestimmte Route entschieden haben.

Kriterien fuer den Routenvergleich

  • Gesamtausbeute: Produkt der Einzelausbeuten aller Stufen. Eine 5-stufige Route mit je 90% Ausbeute liefert 59% Gesamtausbeute – eine 8-stufige Route mit je 90% nur noch 43%.
  • Stufenzahl: Kuerzere Routen sind effizienter – aber nicht immer realistisch. Eine „laengere" Route mit zuverlaessigen Reaktionen kann besser sein als eine „kurze" mit einer Schluesselreaktion mit 20% Ausbeute.
  • Verfuegbarkeit der Startmaterialien: Sind die Edukte kommerziell erhaeltlich? Zu welchem Preis? Wenn ein Startmaterial selbst in 4 Stufen synthetisiert werden muss, ist die Route laenger als sie aussieht.
  • Selektivitaet: Regio-, Chemo- und Stereoselektivitaet. Eine Route, die einen stereogenen Zentrum aufbaut, muss die Stereoselektivitaet der Schluesselreaktion diskutieren.
  • Skalierbarkeit: Funktioniert die Route im Gramm-Massstab? Chromatographische Reinigung nach jeder Stufe ist im Milligramm-Massstab akzeptabel, im Gramm-Massstab problematisch.
  • Literaturpraezedenz: Wurden die einzelnen Reaktionsschritte fuer aehnliche Substrate in der Literatur beschrieben? Literaturreferenzen staerken die Begruendung.
Formulierungsbeispiel Routenvergleich

Zwei retrosynthetische Routen zum Zielmolekuel wurden analysiert. Route A (6 Stufen, ausgehend von 4-Brombenzaldehyd) nutzt eine Suzuki-Kupplung als Schluesselschritt und liefert eine geschaetzte Gesamtausbeute von 28% basierend auf Literaturausbeuten vergleichbarer Substrate. Route B (4 Stufen, ausgehend von 4-Aminophenol) ist kuerzer, erfordert jedoch eine regioselektive Bromierung als kritischen Schritt mit erwarteter Ausbeute von nur 35–45%. Route A wurde gewaehlt, da die Suzuki-Kupplung fuer das Substratmuster gut dokumentiert ist (vgl. Miyaura & Suzuki, 1995; Schluesselreferenz fuer aehnliches Substrat: [Autor, Jahr]) und die hoehere Gesamtausbeute erwarten laesst.

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5. Katalyse & moderne Synthesemethoden in der Thesis

Moderne Synthesemethoden – insbesondere Uebergangsmetallkatalyse, Organokatalyse und Photokatalyse – sind in vielen Thesis-Arbeiten zentrale Methoden. Gutachter erwarten, dass Sie den Katalysecyclus verstehen und die Wahl des Katalysatorsystems begruenden.

Pd-katalysierte Kreuzkupplungen

Suzuki (ArB(OH)2 + ArX), Heck (Alken + ArX), Sonogashira (Alkin + ArX), Buchwald-Hartwig (Amin + ArX). In der Thesis: Katalysator (Pd-Quelle + Ligand), Base, Loesungsmittel, Temperatur, Atmosphaere (Inertgas) dokumentieren.

Nobelpreis 2010: Heck, Negishi, Suzuki.

Organokatalyse

Enamin-Katalyse, Iminium-Katalyse, H-Bruecken-Katalyse (Thioharnstoff), NHC-Katalyse. In der Thesis: Katalysatorbeladung (mol%), ee-Bestimmung (chirale HPLC), Substratbreite diskutieren.

Nobelpreis 2021: List, MacMillan.

Photokatalyse & Elektrochemie

Sichtbares Licht als Energiequelle: Ru(bpy)3, Ir-Katalysatoren, organische Farbstoffe. In der Thesis: Lichtquelle (LED-Wellenlaenge, Leistung), Reaktor, Reaktionszeit, Quantenausbeute diskutieren.

Mehr zu elektrochemischen Methoden im Elektrochemie-Guide.

Unsere Autoren kennen die gängigen Katalysesysteme – von Pd-katalysierten Kreuzkupplungen über asymmetrische Organokatalyse bis zur Photokatalyse – und dokumentieren Katalysatorwahl, Reaktionsbedingungen und Katalysecyclus auf dem Niveau aktueller Fachjournale.

Katalysecyclus in der Thesis zeigen

Gutachter bewerten, ob Sie den Mechanismus der Schluesselreaktion verstehen. In einer Masterarbeit ist ein schematischer Katalysecyclus (z.B. oxidative Addition → Transmetallierung → reduktive Eliminierung fuer Suzuki) im Theorieteil oder Ergebnisteil empfehlenswert. Zeichnen Sie den Cyclus in ChemDraw – nicht als Freihandskizze. Die Darstellung von Reaktionsmechanismen und -schemata wird im Abbildungen-Guide detailliert beschrieben.

6. Synthese in der Thesis dokumentieren

6.1 Syntheseschema (Ergebnisteil)

Jede mehrstufige Synthese wird als Syntheseschema (Scheme) dargestellt: Reaktionspfeile mit Bedingungen (Reagenzien ueber dem Pfeil, Loesungsmittel und Temperatur unter dem Pfeil), Verbindungsnummern (fettgedruckt), Ausbeuten in Klammern. Erstellt in ChemDraw (Standardsoftware, Campuslizenz).

Typisches Syntheseschema-Format

Verbindung 1 → [Reagenz, Kat., Loesungsmittel, Temperatur, Zeit] → Verbindung 2 (85%) → [naechster Schritt] → Verbindung 3 (72%). Jede Verbindung erhaelt eine fortlaufende Nummer (fett), die im gesamten Text konsistent verwendet wird.

6.2 Experimentalteil: Synthesevorschrift

Jede Synthese im Experimentalteil folgt einem standardisierten Aufbau. Details im Experimentalteil-Guide. Kernelemente:

1

Titel und Verbindungsnummer

IUPAC-Name oder Trivialname + Verbindungsnummer (fett). Bei neuen Verbindungen: Summenformel und Molmasse.

2

Edukte und Reagenzien

Mengen in mg oder g, mmol, Aequivalente (eq). Bezugsquelle und Reinheit bei kritischen Reagenzien. Loesungsmittel mit Volumen und ggf. Trocknung.

3

Durchfuehrung

Praeteritum Passiv. Reaktionsbedingungen: Temperatur, Atmosphaere (Argon, Stickstoff), Reaktionszeit, Zugabereihenfolge. DC-Kontrolle dokumentieren.

4

Aufarbeitung

Extraktion (Loesungsmittel, Anzahl), Waschen (mit was), Trocknen (Na2SO4, MgSO4), Einengen am Rotationsverdampfer.

5

Reinigung

Saeulenchromatographie (stationaere Phase, Eluent, Rf-Wert), Umkristallisation (Loesungsmittel, Temperatur) oder andere Methode.

6

Ausbeute und Erscheinungsbild

Masse (mg oder g), Ausbeute (%), Erscheinungsbild (z.B. „farbloser Feststoff", „gelbliches Oel").

7

Analytische Daten

Schmelzpunkt, 1H-NMR, 13C-NMR, IR, MS/HRMS, Elementaranalyse. Format: siehe Spektroskopie-Guide.

6.3 Ausbeuten korrekt berechnen

Isolierte Ausbeute

Ausbeute (%) = (n_Produkt / n_limitierendes Edukt) × 100. Nur das isolierte, gereinigte Produkt zaehlt. Rohausbeuten gehoeren nicht in die Thesis (es sei denn, Sie diskutieren Verluste bei der Reinigung). Aequivalente immer bezogen auf das limitierende Reagenz angeben.

Gesamtausbeute (mehrstufig)

Gesamtausbeute = Produkt aller Einzelausbeuten. Bei „Teleskop-Synthesen" (ohne Zwischenreinigung): Gesamtausbeute ueber alle Stufen angeben, Einzelausbeuten nur wo Zwischenprodukte isoliert wurden. Auch die laengste lineare Sequenz (longest linear sequence, LLS) angeben – das ist der Branchenstandard.

7. Haeufige Fehler bei der Syntheseplanung in der Thesis

Keine Retrosynthese gezeigt

Die Synthese wird durchgefuehrt und dokumentiert, aber die Planungslogik fehlt. Gutachter wollen sehen, dass Sie die Route geplant haben – nicht nur Literaturvorschriften reproduziert. Mindestens ein retrosynthetisches Schema gehoert in den Ergebnisteil.

Routenwahl nicht begruendet

Die Synthese wird durchgefuehrt, ohne zu erklaeren, warum genau diese Route gewaehlt wurde. Besonders problematisch, wenn offensichtliche Alternativen existieren. Mindestens einen Satz: „Route A wurde gewaehlt, weil [Begruendung]."

Schutzgruppenwahl nicht erklaert

TBS wird als Schutzgruppe eingesetzt, aber es wird nicht begruendet, warum TBS und nicht Bn, Ac oder TIPS. Die Schutzgruppenwahl haengt von den Reaktionsbedingungen der Folgestufen ab – das muss nachvollziehbar sein.

Ausbeuten ohne Kontext

„Die Ausbeute betrug 45%." – Ist das gut oder schlecht? Vergleichen Sie mit Literaturausbeuten fuer dieselbe oder eine aehnliche Reaktion. Diskutieren Sie, warum die Ausbeute ggf. niedriger war als erwartet (Nebenreaktionen, Verluste bei der Reinigung).

Mechanismen nur erwaehnt, nicht gezeigt

„Die Reaktion verlaeuft ueber einen SN2-Mechanismus." – Aber der Mechanismus wird nicht als Schema gezeigt. Mindestens fuer die Schluesselreaktion: Mechanismus zeichnen und im Text erlaeutern.

Fehlversuche verschwiegen

Gescheiterte Syntheseversuche werden nicht erwaehnt. In einer Masterarbeit und Dissertation zeigt die Diskussion von Fehlversuchen wissenschaftliche Reife: „Versuch einer Heck-Reaktion unter Standardbedingungen lieferte ausschliesslich das Protodehalogenierungsprodukt. Daher wurde auf die Suzuki-Kupplung umgestiegen."

Haeufig gestellte Fragen zur Syntheseplanung in der Thesis

Muss ich in der Bachelorarbeit eine vollstaendige Retrosynthese zeigen?

In der Bachelorarbeit genuegt ein einfaches retrosynthetisches Schema (1 Seite) mit kurzer Erlaeuterung der Disconnections. Eine ausfuehrliche Analyse mit Routenvergleich ist nicht erwartet, aber ein Plus. In der Masterarbeit ist ein Routenvergleich (mindestens 2 Routen mit Begruendung der gewaehlten) Standard. In der Dissertation erwarten Gutachter eine umfassende retrosynthetische Analyse mit Diskussion aller strategischen Entscheidungen.

Wie finde ich Syntheserouten in der Literatur?

SciFinder-n bietet eine Reaktionssuche und eine retrosynthetische Planungsfunktion – geben Sie die Zielstruktur ein und lassen Sie sich Routen vorschlagen. Reaxys ermoeglicht die Suche nach spezifischen Reaktionen und Substraten. Beide Tools sind ueber die Unibib verfuegbar. Ergaenzend: Organic Syntheses (orgsyn.org) fuer geprufte Synthesevorschriften, Synthesis und Organic Letters fuer aktuelle Methoden. Details im Literaturrecherche-Guide.

Was ist der Unterschied zwischen Atomoekonomie und Ausbeute?

Ausbeute gibt an, wie viel Prozent des theoretischen Maximums Sie tatsaechlich isoliert haben. Atomoekonomie (Trost, 1991) gibt an, wie viel Prozent der Atome der Edukte im Produkt landen – ein Mass fuer Nachhaltigkeit. Beispiel: Eine Diels-Alder-Reaktion hat 100% Atomoekonomie (alle Atome landen im Produkt), eine Wittig-Reaktion hat niedrige Atomoekonomie (Triphenylphosphinoxid als Abfall). In der Thesis: Atomoekonomie ist in der Diskussion ein starkes Argument fuer oder gegen eine Synthesestrategie – besonders in Arbeiten mit Nachhaltigkeitsbezug.

Wie dokumentiere ich stereoselektive Reaktionen?

Bei stereogenen Reaktionen muessen Sie angeben: Diastereomerenverhaeltnis (dr, bestimmt aus 1H-NMR-Integralverhaeltnis oder GC/HPLC-Peakflaechenverhaeltnis) und/oder Enantiomerenueberschuss (ee, bestimmt aus chiraler HPLC oder chiraler GC). Geben Sie die Bestimmungsmethode an und referenzieren Sie die Absolutkonfiguration (z.B. via Vergleich mit Literatur, Roentgenkristallstruktur oder Mosher-Ester-Methode). Stereochemie in ChemDraw: Keilbindungen (fett = nach vorn, gestrichelt = nach hinten) konsistent verwenden.

Wie gehe ich mit niedrigen Ausbeuten um?

Niedrige Ausbeuten sind kein automatischer Mangel – sie werden nur dann zum Problem, wenn sie nicht diskutiert werden. Im Ergebnisteil: Ausbeute nennen und mit Literatur vergleichen. In der Diskussion: Moegliche Gruende fuer die niedrige Ausbeute analysieren (Nebenreaktionen? Unvollstaendiger Umsatz? Verluste bei der Reinigung?). Optimierungsversuche dokumentieren: „Erhoehung der Reaktionstemperatur von 60 auf 80 °C steigerte die Ausbeute von 28 auf 45%, fuehrte jedoch zu verstaerkter Nebenproduktbildung." Diese Art der Diskussion zeigt wissenschaftliche Kompetenz.

Welche Software nutze ich fuer die Syntheseplanung?

ChemDraw (PerkinElmer/Revvity) ist der Standard fuer Reaktionsschemata, Retrosynthese-Darstellung und Mechanismen – Campuslizenz an vielen Unis, alternativ ChemDraw JS (Browser). SciFinder-n und Reaxys fuer die computergestuetzte Retrosynthese-Planung. ASKCOS (MIT, Open Source) fuer KI-gestuetzte Retrosynthese-Vorschlaege. Marvin Sketch (ChemAxon, kostenlos) als ChemDraw-Alternative. Fuer Mechanismen und Orbitaldarstellungen: ChemDraw oder Keynote/PowerPoint mit manueller Zeichnung.

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