Was ein Scoping Review ist, wie er sich vom systematischen Review unterscheidet, wie der korrekte Aufbau aussieht – und welche Fehler Studierende bei dieser Methode am häufigsten machen.
| Merkmal | Scoping Review | Systematischer Review |
|---|---|---|
| Ziel | Themenfeld kartieren, Konzepte und Lücken identifizieren | Klare Forschungsfrage beantworten (z.B. Wirksamkeit) |
| Fragestellung | „Was wurde zu X geforscht?" / „Welche Konzepte existieren?" | „Wirkt Intervention X bei Zielgruppe Y?" |
| Einschlusskriterien | Breit und explorativ | Eng und streng (PICO-Schema) |
| Qualitätsbewertung | Nicht zwingend erforderlich | Pflicht (Risk of Bias, GRADE) |
| Typische Abschlussarbeiten | Masterarbeit, Bachelorarbeit, Dissertation | Dissertation, Cochrane Reviews |
| Rahmenwerk | Arksey & O'Malley (2005), Levac et al. (2010), JBI | PRISMA, Cochrane Handbook |
Ein Scoping Review (auch: Scoping Study) ist eine Methode der systematischen Literaturrecherche, bei der ein Themenfeld breit kartiert wird. Der Begriff „Scoping" kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „den Umfang abstecken" oder „das Feld sondieren".
Im Gegensatz zum klassischen systematischen Review beantwortet ein Scoping Review keine eng gefasste Interventionsfrage, sondern kartiert: Was wurde zu einem Thema überhaupt geforscht? Welche Konzepte, Definitionen und Ansätze existieren? Wo gibt es Forschungslücken? Wer forscht dazu?
„A scoping review aims to map the key concepts underpinning a research area and the main sources and types of evidence available." – Arksey & O'Malley, 2005
Der Begriff beschreibt genau das, was die Methode tut: das Feld abstecken (to scope out). Ein Scoping Review beantwortet nicht, was besser wirkt – er beantwortet, was überhaupt vorhanden ist. Das macht ihn ideal für Themen, die noch wenig erforscht sind, für interdisziplinäre Felder mit uneinheitlicher Terminologie oder für den Einstieg in ein neues Forschungsgebiet.
Der Begriff wurde 2005 von Arksey und O'Malley geprägt. Seitdem wurde die Methodik durch Levac, Colquhoun & O'Brien (2010) erweitert und vom Joanna Briggs Institute (JBI) weiterentwickelt. Heute ist der Scoping Review im akademischen Bereich – besonders in Gesundheitswissenschaften, Sozialer Arbeit und Pädagogik – etabliert.
Viele Studierende verwechseln die drei zentralen Review-Typen. Die Unterschiede sind jedoch grundlegend – sie betreffen nicht nur die Methodik, sondern auch die Forschungsfrage und den Verwendungszweck.
| Merkmal | Narrativer Literaturreview | Scoping Review | Systematischer Review |
|---|---|---|---|
| Ziel | Überblick geben, Stand der Forschung beschreiben | Themenfeld kartieren, Konzepte und Lücken identifizieren | Klare Forschungsfrage beantworten (Evidenz synthetisieren) |
| Fragetyp | Breit und offen | Weit gefasst, explorativ | Eng und spezifisch (PICO) |
| Suchstrategie | Nicht systematisch dokumentiert | Systematisch und reproduzierbar | Hochgradig strukturiert und reproduzierbar |
| Qualitätsbewertung | Keine | Nicht zwingend | Pflicht (Risk of Bias) |
| Typischer Kontext | Seminararbeit, Theorieteil einer Bachelorarbeit | Bachelorarbeit, Masterarbeit, Projektberichte | Dissertation, Fachzeitschriften, Cochrane |
| Zeitaufwand | Niedrig | Mittel | Sehr hoch |
Wenn die Frage lautet: „Was weiß man überhaupt zu Thema X?" → Scoping Review.
Wenn die Frage lautet: „Wirkt Intervention X bei Zielgruppe Y besser als Z?" → Systematischer Review.
Wenn die Frage lautet: „Welche theoretischen Ansätze gibt es zu X?" → Narrativer Literaturreview.
Ein Scoping Review eignet sich besonders gut für Abschlussarbeiten, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. Gleichzeitig gibt es Kontexte, in denen andere Review-Formen besser passen.
Ja – ein Scoping Review kann durchaus als Methode für eine Bachelorarbeit gewählt werden, wenn das Thema und die Forschungsfrage passen. Der Aufwand ist geringer als bei einem vollständigen systematischen Review, der methodische Anspruch jedoch deutlich höher als bei einem narrativen Literaturreview. Die Wahl sollte mit dem Betreuer abgestimmt werden – nicht alle Studiengänge kennen den Scoping Review als anerkannte Methodik.
Ein Scoping Review folgt einer klar strukturierten Gliederung. Die Struktur ähnelt einer empirischen Arbeit, hat aber eigenständige Abschnitte, die den Review-Prozess transparent dokumentieren.
| Abschnitt | Inhalt | Typische Länge |
|---|---|---|
| Einleitung | Relevanz des Themas, Forschungslücke, Ziel des Reviews | 1–2 Seiten |
| Methodik | Suchstrategie, Datenbanken, Ein-/Ausschlusskriterien, Selektionsprozess (PRISMA-ScR) | 2–4 Seiten |
| Ergebnisse | Datenextraktion, Charakteristika der eingeschlossenen Studien, thematische Synthese | 8–15 Seiten |
| Diskussion | Interpretation, Forschungslücken, Limitationen des Reviews | 3–5 Seiten |
| Fazit | Zusammenfassung, Implikationen für Forschung und Praxis | 1 Seite |
| Anhang | Suchstrings, PRISMA-Flowchart, Extraktionstabelle | variabel |
Der entscheidende Unterschied zum narrativen Literaturreview: Die Suche muss so dokumentiert sein, dass eine andere Person dieselbe Suche durchführen und dieselben Treffer erhalten könnte. Suchstrings, Datenbanken, Zeitraum und Selektionskriterien müssen vollständig angegeben werden.
Das am häufigsten zitierte Rahmenwerk für Scoping Reviews stammt von Arksey und O'Malley (2005) und wurde von Levac et al. (2010) erweitert. Es umfasst sechs Schritte:
Die Frage muss weit gefasst, explorativ und auf Kartierung ausgerichtet sein. Nicht: „Wirkt X?" – Sondern: „Was weiß die Forschung über X?" Das Rahmenwerk PCC (Population, Concept, Context) hilft bei der Strukturierung.
„Welche Konzepte und Interventionen zur Sturzprävention bei älteren Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen sind in der Literatur dokumentiert?"
Entwicklung einer umfassenden Suchstrategie für mehrere Datenbanken. Zusätzlich: Handsuche in relevanten Zeitschriften, Suche in grauer Literatur (Berichte, Leitlinien). Suchbegriffe und Suchstrings vollständig dokumentieren.
Titel und Abstract werden nach vorab definierten Ein- und Ausschlusskriterien gescreent. Im zweiten Schritt folgt die Volltextprüfung. Der gesamte Prozess wird im PRISMA-ScR-Flowchart visualisiert.
Für jede eingeschlossene Studie werden relevante Informationen in einer Extraktionstabelle erfasst: Autor, Jahr, Land, Studiendesign, Stichprobe, Hauptbefunde. Diese Tabelle ist im Anhang vollständig beizufügen.
Die extrahierten Daten werden thematisch sortiert und synthetisiert. Keine Qualitätsbewertung der Studien erforderlich. Ergebnisse werden deskriptiv dargestellt: Was wurde gefunden, in welcher Häufung, mit welchem Fokus?
Der optionale sechste Schritt sieht vor, Expertinnen und Experten oder Betroffene zu konsultieren, um die Ergebnisse zu validieren. In Bachelorarbeiten und Masterarbeiten wird dieser Schritt häufig weggelassen.
Die Forschungsfrage ist der zentrale Ausgangspunkt. Beim Scoping Review hilft das PCC-Rahmenwerk (Population, Concept, Context) – im Gegensatz zum PICO-Schema des systematischen Reviews, das auf Interventionsvergleiche ausgerichtet ist.
Welche Personengruppe oder welches Setting wird betrachtet? Ältere Menschen, Studierende, stationäre Pflegeeinrichtungen, Grundschulen, KMU …
Welches Konzept, welches Phänomen, welche Intervention wird kartiert? Sturzprävention, Digital Leadership, Resilienz, KI-gestützte Diagnostik …
In welchem Kontext, welchem Setting oder welcher Region wird die Frage betrachtet? Deutschsprachiger Raum, stationäre vs. ambulante Versorgung, DACH …
„Welche Interventionen zur Förderung der Mundgesundheit bei pflegebedürftigen älteren Menschen in deutschen Pflegeheimen sind in der internationalen Literatur dokumentiert?"
„Welche Konzepte und Definitionen von Empowerment werden in der deutschen Fachliteratur der Sozialen Arbeit seit 2000 verwendet?"
„Welche Führungsmodelle werden in der Literatur zu Remote Leadership diskutiert, und welche Forschungslücken bestehen?"
„Welche digitalen Lernformate werden in der Literatur zur inklusiven Bildung auf Grundschulebene beschrieben?"
„Welche Messinstrumente zur Erfassung von Work-Life-Balance sind in der Forschungsliteratur seit 2010 eingesetzt worden?"
Die Suchstrategie eines Scoping Reviews umfasst mindestens zwei bis drei wissenschaftliche Datenbanken, ergänzt durch eine Handsuche und ggf. Suche in grauer Literatur. Die Wahl der Datenbanken hängt vom Fachbereich ab.
| Datenbank | Fachbereich | Besonderheit |
|---|---|---|
| PubMed / MEDLINE | Medizin, Gesundheitswissenschaften, Pflege | Größte biomedizinische Datenbank; kostenlos zugänglich |
| CINAHL | Pflegewissenschaft, Gesundheitsberufe | Spezifisch für Pflege und paramedizinische Berufe |
| PsycINFO | Psychologie, Pädagogik | Umfassendste psychologische Datenbank |
| PSYNDEX | Psychologie (deutschsprachig) | Deutschsprachige Psychologie-Literatur |
| SSOAR | Soziale Arbeit, Soziologie | Open Access; viele deutschsprachige Volltexte |
| ERIC | Pädagogik, Bildungswissenschaften | Größte pädagogische Forschungsdatenbank |
| Business Source Complete | BWL, Management, HR | Umfassend für Wirtschaftswissenschaften |
| Cochrane Library | Medizin, Gesundheit | Hochwertige systematische Reviews als Sekundärquelle |
| Web of Science / Scopus | Fächerübergreifend | Zitiertheit und Impact-Analyse |
| Google Scholar | Fächerübergreifend | Ergänzend für graue Literatur – kein Ersatz |
Für PubMed-Suchen wird der vollständige Suchstring mit allen MeSH-Terms und booleschen Operatoren im Methodenteil oder Anhang abgebildet. Beispiel: ("fall prevention"[MeSH] OR "falls"[tiab]) AND ("nursing home"[MeSH] OR "residential care"[tiab]) AND ("older adults"[MeSH]). Der Zugriffsdatum der Datenbanksuche muss angegeben werden.
PRISMA-ScR (Preferred Reporting Items for Systematic reviews and Meta-Analyses extension for Scoping Reviews) ist das offizielle Reporting-Framework für Scoping Reviews. Es wurde 2018 von Tricco et al. in JAMA veröffentlicht und hat sich seitdem als Standard etabliert.
Das PRISMA-Flowchart visualisiert den gesamten Selektionsprozess von der Datenbanksuche bis zu den eingeschlossenen Studien. Es zeigt vier Phasen: Identifizierung (Treffer aus Datenbanken + Handsuche), Screening (Entfernung von Duplikaten, Titel/Abstract-Screening), Eignung (Volltextprüfung) und Einschluss (endgültig eingeschlossene Studien). Dieses Flowchart gehört in den Methodenteil oder als Abbildung direkt in die Ergebnisse.
PRISMA (für systematische Reviews und Meta-Analysen) enthält spezifische Elemente zur Risikobewertung und Bias-Analyse – diese entfallen bei PRISMA-ScR. Für Scoping Reviews ist PRISMA-ScR die korrekte Vorlage. Die offizielle Checkliste ist unter prisma-statement.org abrufbar.
Der häufigste Fehler: Die Arbeit nennt sich „Scoping Review", ist aber ein unsystematischer narrativer Überblick ohne dokumentierte Suchstrategie. Ein Scoping Review braucht reproduzierbare Suchstrings, Selektionskriterien und ein PRISMA-Flowchart.
Wenn die Frage zu spezifisch ist (z.B. auf eine Intervention zugeschnitten), passt ein Scoping Review nicht. Die Frage muss kartierend und offen sein – nicht auf eine Wirksamkeitshypothese ausgerichtet.
Ein Scoping Review auf PubMed-Basis allein ist methodisch unvollständig. Mindestens zwei bis drei themenrelevante Datenbanken müssen durchsucht werden, ergänzt durch Handsuche und Prüfung grauer Literatur.
Wer PRISMA (für systematische Reviews) statt PRISMA-ScR verwendet oder das Flowchart ganz weglässt, verletzt die methodischen Standards. Betreuer an deutschen Hochschulen kennen den Unterschied.
Ein Scoping Review enthält keine formale Qualitätsbewertung (Risk of Bias) der eingeschlossenen Studien. Wer das trotzdem einbaut, vermischt die Methodik mit der eines systematischen Reviews.
Wie viele Treffer gab es? Wie viele wurden nach Titel/Abstract ausgeschlossen? Warum? Ohne lückenlose Dokumentation ist der Review nicht reproduzierbar – ein zentrales Qualitätsmerkmal dieser Methode.
Besonders verbreitet. Typische Datenbanken: PubMed, CINAHL, Cochrane. Rahmenwerk: JBI-Scoping-Review-Methodik. Häufig mit PICO verwechselt – das gilt nur für systematische Reviews.
Scoping Reviews kartieren Messinstrumente, Definitionen oder Konzeptentwicklungen. Datenbanken: PsycINFO, PSYNDEX. Zitierweise: APA 7.
Scoping Reviews zu Konzepten wie Empowerment, Inklusion, Resilienz. Datenbanken: SSOAR, Social Work Abstracts, ASSIA. Starke Orientierung an deutschsprachiger Literatur.
Reviews zu Bildungskonzepten, Lernmethoden, inklusiver Bildung. Datenbank: ERIC, PsycINFO. Oft breite Zeiträume und heterogene Studiendesigns.
Scoping Reviews zu Führungskonzepten, Digitalisierungsthemen, HR-Strategien. Datenbank: Business Source Complete, Web of Science. Zitierweise: APA 7.
Seltener eingesetzt; eher in interdisziplinären Bereichen wie Medizinrecht oder Sozialrecht. Juristische Datenbanken wie juris ergänzen die Standardsuche.
Ein systematischer Review beantwortet eine enge Forschungsfrage zur Wirksamkeit einer Intervention und beinhaltet eine formale Qualitätsbewertung der Studien (Risk of Bias). Ein Scoping Review kartiert ein Themenfeld – er beantwortet, was zu einem Thema überhaupt geforscht wurde, welche Konzepte existieren und wo Forschungslücken sind. Eine Qualitätsbewertung ist nicht zwingend erforderlich.
Ja, ein Scoping Review ist grundsätzlich als Methode für eine Bachelorarbeit geeignet, wenn das Thema und die Forschungsfrage passen. Der Aufwand ist höher als bei einem narrativen Literaturreview, aber geringer als bei einem vollständigen systematischen Review. Wichtig: Die Methode mit dem Betreuer vorab abstimmen, da nicht alle Studiengänge sie als anerkannte Methodik kennen.
Es gibt keine Mindestzahl. Die Anzahl hängt von der Forschungsfrage, dem Thema und der Breite der Suche ab. In Masterarbeiten sind typischerweise 15–50 eingeschlossene Studien realistisch; in Bachelorarbeiten mit enger gefasstem Thema auch weniger. Wichtiger als die Anzahl ist die systematische Begründung für Ein- und Ausschluss.
PRISMA-ScR (Preferred Reporting Items for Systematic reviews and Meta-Analyses extension for Scoping Reviews) ist das offizielle Reporting-Framework für Scoping Reviews. Es umfasst eine Checkliste und ein Flowchart, das den Selektionsprozess visualisiert. Die Verwendung ist methodisch geboten – Betreuer mit Kenntnissen in evidenzbasierter Forschung erwarten die Anwendung von PRISMA-ScR.
Verwende das PCC-Rahmenwerk: Population (Wer?), Concept (Was wird kartiert?), Context (In welchem Setting/Kontext?). Die Frage muss offen und explorativ sein – nicht auf eine Wirksamkeitshypothese ausgerichtet. Beispiel: „Welche Konzepte zur digitalen Transformation werden in der Fachliteratur des Bildungswesens seit 2015 diskutiert?"
Nein. Eine formale Qualitätsbewertung (z.B. Risk of Bias nach Cochrane) ist beim Scoping Review nicht zwingend erforderlich – das ist einer der wesentlichen Unterschiede zum systematischen Review. Einige Betreuer wünschen eine kurze Charakterisierung der Studiendesigns, aber ein formales Bias-Assessment ist nicht Teil der Methodik.
Die Datenbankwahl richtet sich nach dem Fachbereich: PubMed und CINAHL für Gesundheitswissenschaften und Pflege, PsycINFO für Psychologie, SSOAR für Soziale Arbeit, ERIC für Pädagogik, Business Source Complete für BWL und Management. Immer mindestens zwei bis drei Datenbanken kombinieren und Suchstrings vollständig dokumentieren.
Ein methodisch sauberer Scoping Review ist zeitaufwändig: Suchstrategie, Datenbankrecherche, Selektion, PRISMA-Flowchart, Extraktion, Synthese. Unsere erfahrenen Ghostwriter für Bachelorarbeiten und Masterarbeiten erstellen den vollständigen Scoping Review nach PRISMA-ScR-Standard – inkl. Suchstrings, Extraktionstabelle und thematischer Synthese.
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