Berlin hat das dichteste akademische Bibliotheksnetz Deutschlands – über 30 wissenschaftliche Bibliotheken, die Staatsbibliothek mit 12 Millionen Medieneinheiten und den KOBV als Verbundkatalog. Wer dieses Netz zu nutzen weiß, schreibt bessere Arbeiten. Wer es nicht kennt, verschenkt Qualität – und Punkte.
| Bibliothek | Schwerpunkt | Bestand | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Grimm-Zentrum (HU) | Geistes-, Sozialwiss., Jura | 2,5 Mio. Bände | Geschichtsquellen, Rechtskommentare, Archivalien |
| Philologische Bibliothek (FU) | Sprach-, Literatur-, Kulturwiss. | 700.000+ Bände | Primärtexte in Originalsprache, Germanistik, Romanistik |
| Staatsbibliothek (SBB) | Universalbestand, Pflichtexemplar | 12 Mio. Medieneinheiten | Seltene Werke, historische Zeitschriften, Nachlässe |
| DBTA / TU-Bibliothek | MINT, Ingenieurwiss., Technik | 2,4 Mio. Bände | DIN-Normen, technische Reports, Patente |
| Medizinische Bibliothek (Charité) | Human-, Zahn-, Veterinärmedizin | 800.000+ Bände | PubMed-Zugang, Journals, klinische Leitlinien |
| Bibliothek Sozialwiss./Osteuropa (FU) | Soziologie, Politikwiss., Osteuropa | 500.000+ Bände | OSI-Seminare, Transformationsforschung |
| JFK-Institut-Bibliothek (FU) | Nordamerikastudien | 200.000+ Bände | US-Politik, American Studies, Kulturvergleich |
Berlin hat drei Bibliotheken, die für die meisten Abschlussarbeiten relevant sind – unabhängig von der Hochschulzugehörigkeit. Jede hat ein eigenes Profil, einen eigenen Bestand und eigene Stärken. Wer weiß, wo er suchen muss, findet schneller – und besser.
Das Grimm-Zentrum ist das Herzstück der geisteswissenschaftlichen Recherche in Berlin. 2,5 Millionen Bände auf 6 Etagen, thematisch geordnet – von Altertumswissenschaften (Ebene 2) bis Theologie (Ebene 6). Besonders stark: Geschichtswissenschaften, Jura (kompletter Palandt, Schönfelder, Beck-Kommentare), Philosophie und Sozialwissenschaften. Tipp: Die Sonderkataloge im OPAC erschließen historische Bestände, die über Primus nicht auffindbar sind – Gold für Quellenanalysen.
Norman Fosters Architektur-Ikone in Dahlem: 700.000+ Bände als Freihandbestand, der das physische Browsing ermöglicht – benachbarte Regale liefern thematisch verwandte Werke, die in keiner Datenbank verknüpft sind. Schwerpunkt: Literaturwissenschaften, Sprachwissenschaften, Germanistik, Kulturwissenschaften. Ideal für Primärtextarbeit: Originalausgaben, kommentierte Editionen, Werkausgaben in Originalsprache.
Die größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands: 12 Millionen Medieneinheiten, Pflichtexemplar-Status, zwei Standorte. Was Sie hier finden und nirgendwo sonst: seltene Zeitschriften (vor 1945), Nachlässe, Handschriften, Karten, Musikhandschriften. Die SBB hat einen eigenen Lesesaal für Sonderbestände – mit Voranmeldung zugänglich. Für Studierende aller Berliner Unis kostenlos nutzbar. Unverzichtbar für zeitgeschichtliche und musikwissenschaftliche Arbeiten.
Berliner Prüfer erkennen an Ihrem Literaturverzeichnis, ob Sie die Bibliotheksinfrastruktur genutzt haben. Ein Verzeichnis voller Google-Scholar-PDFs signalisiert: „Ich habe am Laptop recherchiert." Ein Verzeichnis mit Monographien, Archivquellen und Fachzeitschriften signalisiert: „Ich kenne den Forschungsstand."
Der Kooperative Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) vernetzt über 50 Bibliotheken in der Region – und ist das Werkzeug, das die meisten Berliner Studierenden unterschätzen. Über den KOBV können Sie Bücher aus jeder Berliner Bibliothek bestellen und in Ihrer Heimatbibliothek abholen – kostenlos innerhalb Berlins, für 1,50 € bei Fernleihe aus anderen Bundesländern.
Schritt 1: Suche im KOBV-Portal (kobv.de) – zeigt Ihnen, welche Berliner Bibliothek das gesuchte Werk besitzt.
Schritt 2: Ist das Werk in einer anderen Berliner Bibliothek vorhanden, können Sie es vor Ort ausleihen (mit gültigem Bibliotheksausweis) oder per „Berliner Leihverkehr" an Ihre Bibliothek liefern lassen.
Schritt 3: Ist das Werk nirgends in Berlin vorhanden: Fernleihe über den KOBV. Bearbeitungszeit: 1–2 Wochen. Kosten: 1,50 €.
Tipp: Beginnen Sie die Literaturrecherche 4–6 Wochen vor Schreibbeginn, damit Fernleihen rechtzeitig eintreffen.
HU-Bibliotheksausweis: Zugang zu allen HU-Bibliotheken + SBB (mit gesonderter Anmeldung).
FU-Bibliotheksausweis (ZEDAT-Account): Zugang zu allen FU-Fachbibliotheken + Philologische Bibliothek.
TU-Bibliotheksausweis: Zugang zur DBTA und den TU-Fachbibliotheken.
Wichtig: Die SBB hat einen eigenen Ausweis – kostenlos für Studierende, aber separat zu beantragen. Die SBB ist keine Uni-Bibliothek, sondern eine Bundeseinrichtung. Wer sie nutzen will, muss sich vor Ort oder online registrieren.
Google Scholar ist ein Einstieg – aber kein Ersatz für Fachdatenbanken. Berliner Prüfer erwarten, dass Sie mindestens 2–3 fachspezifische Datenbanken nutzen und Ihre Suchstrategie im Methodenteil dokumentieren. Hier die wichtigsten Datenbanken nach Fachgebiet – alle über die Uni-Lizenzen (VPN) zugänglich.
| Fachgebiet | Datenbank(en) | Was Sie dort finden |
|---|---|---|
| Medizin | PubMed, Cochrane Library, Embase | Klinische Studien, Systematic Reviews, Leitlinien |
| Psychologie | PsycINFO, PsycARTICLES, PSYNDEX | Empirische Studien, Testverfahren, Metaanalysen |
| Jura | beck-online, juris, Wolters Kluwer | Kommentare, Rechtsprechung, Aufsätze |
| Sozialwiss. | IBSS, SSRN, Sociological Abstracts | Theoriearbeiten, Working Papers, Surveys |
| Geschichte | Historical Abstracts, JSTOR | Fachaufsätze, Primärquellen-Editionen |
| Literaturwiss. | MLA International Bibliography | Sekundärliteratur zu allen Literaturen und Sprachen |
| Wirtschaft | EconLit, Business Source Complete, Statista | Empirische Wirtschaftsforschung, Marktdaten |
| Informatik | IEEE Xplore, ACM Digital Library, dblp | Konferenzpaper, Standards, technische Reports |
| Chemie | SciFinder, Reaxys | Reaktionsdatenbanken, Substanzrecherche, Spektren |
| Pflege | CINAHL, Cochrane | Pflegestudien, Evidence-based Nursing |
| Übergreifend | Web of Science, Scopus | Zitationsanalyse, Impact Factor, interdisziplinäre Recherche |
An allen Berliner Universitäten gilt: Wer eine systematische Literaturrecherche durchführt, muss sie nachvollziehbar dokumentieren. Das bedeutet: Datenbank, Suchbegriffe, Bool'sche Operatoren, Trefferzahl, Filterkriterien (Zeitraum, Sprache, Peer-Review), Ein-/Ausschlusskriterien und die finale Anzahl der eingeschlossenen Quellen. Für medizinische und pflegewissenschaftliche Arbeiten ist ein PRISMA-Flowchart (→ Scoping Review) mittlerweile Standard. Auch in den Sozialwissenschaften wird eine dokumentierte Suchstrategie zunehmend erwartet.
Nicht jede Bibliothek ist gleich gut zum Arbeiten. Manche sind laut (Grimm-Zentrum Erdgeschoss), manche haben zu wenige Steckdosen (SBB Potsdamer Straße, obere Etagen), manche sind schlecht klimatisiert (Philologische Bibliothek im Sommer). Hier die Insider-Tipps:
Ebene 5 und 6 sind die ruhigsten – Ebene 6 (Theologie/Philosophie) ist unter der Woche oft fast leer. Vermeiden Sie Ebene 1 (Eingangsbereich, laut) und die Gruppen-Arbeitsräume im UG. Steckdosen: An den Fensterplätzen Ebene 3–6 gibt es Steckdosen an jedem Platz. Am Wochenende kommen Sie ohne Wartezeit rein – unter der Woche ab 10 Uhr oft Schlange.
Die FU-Bibliotheken in Dahlem sind generell ruhiger als das Grimm-Zentrum. Geheimtipp: Die Bibliothek des Lateinamerika-Instituts (Rüdesheimer Str.) hat selten mehr als 20 Leute – perfekt für konzentriertes Schreiben. Auch die Rechtswissenschaftliche Bibliothek der FU (Van't-Hoff-Str.) ist außerhalb der Klausurphasen angenehm leer.
Der Allgemeine Lesesaal Unter den Linden ist einer der schönsten Arbeitsräume Berlins – und überraschend ruhig. Großzügige Tische, gutes Licht, konzentrierte Atmosphäre. Nachteil: Bücher müssen aus dem Magazin bestellt werden (Wartezeit: 30–60 Min.). Vorteil: Sie können vorab online bestellen und die Bücher liegen bereit.
Während der Klausurphasen (Februar/März und Juli/August) sind das Grimm-Zentrum und die Philologische Bibliothek chronisch überfüllt. Planen Sie Alternativen ein: Die SBB, die Dahlem-Fachbibliotheken oder die TU-Bibliothek (DBTA) haben auch in Stoßzeiten Kapazitäten. Wer um 8 Uhr da ist, hat überall einen Platz – ab 10 Uhr wird es eng.
Eine gute Literaturrecherche ist keine Zufallssuche – sie folgt einer Strategie. Die folgenden 5 Schritte funktionieren für jede Fachrichtung und jede Berliner Universität.
Starten Sie mit einem Handbuch oder einer aktuellen Einführung zum Thema – in der Bibliothek, nicht bei Google. Das Literaturverzeichnis dieses Werks liefert die ersten 10–20 Schlüsselquellen. Ergänzen Sie durch einen Google-Scholar-Scan: Welche Autor:innen werden am häufigsten zitiert? Das sind Ihre Pflichtreferenzen.
Nutzen Sie 2–3 Fachdatenbanken (siehe Tabelle oben). Definieren Sie Suchbegriffe (deutsch + englisch), verwenden Sie Bool'sche Operatoren (AND, OR, NOT) und dokumentieren Sie die Suche. Filtern Sie nach Peer-Review, Zeitraum und Sprache. Exportieren Sie die Treffer in ein Literaturverwaltungsprogramm (Zotero, Citavi, Mendeley).
Aus den Treffern der Datenbanksuche: Prüfen Sie die Literaturverzeichnisse (Rückwärtssuche) und die Zitierungen in Web of Science/Scopus (Vorwärtssuche). So finden Sie Quellen, die Ihre Datenbank-Suche nicht erfasst hat – besonders ältere Standardwerke und neueste Publikationen.
Gehen Sie in die Regalabteilung Ihres Themas – im Grimm-Zentrum, in der Philologischen Bibliothek oder der Fachbibliothek. Browsing liefert Werke, die in keiner Datenbank mit Ihren Suchbegriffen verknüpft sind: benachbarte Monographien, Sammelbände, Nachschlagewerke. Besonders in den Geisteswissenschaften ist dieses „Serendipity-Browsing" unverzichtbar.
Nach Schritt 1–4 haben Sie eine Literaturliste mit 30–80 Quellen. Prüfen Sie die Verfügbarkeit im KOBV: Was ist in Berlin vorhanden? Was muss per Fernleihe bestellt werden? Bestellen Sie frühzeitig – Fernleihen brauchen 1–2 Wochen. Für Zeitschriftenartikel: Prüfen Sie, ob der Volltext über die Uni-Lizenz digital verfügbar ist (Primo/Primus → Volltext-Link).
Kommen Sie trotz bester Quellen nicht weiter?
Unsere Autoren unterstützen bei Literaturrecherche, Strukturierung und dem gesamten Schreibprozess.Ja – allerdings nicht mit dem FU-Ausweis. Sie müssen sich einen HU-Bibliotheksausweis ausstellen lassen (kostenlos, mit Studiennachweis). Umgekehrt gilt dasselbe: HU-Studierende können einen FU-Bibliotheksausweis beantragen. Beide Ausweise sind innerhalb weniger Minuten vor Ort ausstellbar. Für die Staatsbibliothek benötigen Sie einen separaten SBB-Ausweis.
Als Startpunkt ja – als einzige Recherchequelle nein. Berliner Prüfer erwarten, dass Sie Fachdatenbanken nutzen (PsycINFO, PubMed, JSTOR, beck-online etc.) und physische Bibliotheksbestände einbeziehen. Der Qualitätsunterschied ist im Literaturverzeichnis sofort sichtbar: Google Scholar liefert vor allem frei zugängliche PDFs, während Fachdatenbanken die gesamte Peer-Review-Literatur erschließen. Wer nur Google Scholar nutzt, übersieht systematisch relevante Quellen.
Über den KOBV: Sie suchen das Werk im KOBV-Portal, sehen, welche Bibliothek es besitzt, und bestellen es per Fernleihe an Ihre Bibliothek. Innerhalb Berlins ist die Lieferung in der Regel kostenlos und dauert 3–5 Werktage. Bundesweite Fernleihe kostet 1,50 € und dauert 1–2 Wochen. Zeitschriftenartikel werden oft als Scan geliefert (kostenlos). Tipp: Bestellen Sie frühzeitig – in der Klausurphase sind Fernleihen langsamer.
Ja – professionelle Literaturrecherche gehört zu unseren Kernleistungen. Wir recherchieren systematisch in den relevanten Fachdatenbanken, dokumentieren die Suchstrategie und liefern eine kommentierte Literaturliste – oder integrieren die Quellen direkt in Ihre Arbeit. Als Ghostwriter aus Berlin kennen wir die Erwartungen der Berliner Prüfer an die Quellenqualität.
Von der Literaturrecherche über die Gliederung bis zum fertigen Text – teilen Sie uns Ihr Fach, Ihr Thema und Ihre Deadline mit.
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